Chancen für alle Kinder

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Im Fußball hat er eine steile Karriere gemacht: Mit Jürgen Klopp kam Neven Subotic 2008/ 2009 als 19-Jähriger zum BVB, mit der Mannschaft wurde er schon zweimal Meister.

Auch in anderer Hinsicht ist Subotic aktiv: Im Jahr 2012 gründete er seine Stiftung, die Kindern in den ärmsten Regionen der Welt hilft. Darüberhinaus spricht Subotic immer wieder über seine Erfahrungen als Flüchtling. Mit zwei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland.

Was wäre - wenn man mal muss, aber es nirgends eine Toilette gäbe? Mit dieser Frage stellte BVB-Starfußballer Neven Subotic einer Schulklasse die Arbeit seiner Stiftung in Äthiopien vor.

Im Kindermuseum mondo mio! im Westfalenpark zeigen einige interaktive Stationen den Alltag von Kindern in Äthiopien, der für uns einfach unvorstellbar ist. Denn wenn wir, ohne überhaupt darüber nachdenken zu müssen, sanitäre Anlagen wie Duschen, Waschbecken und Toiletten nutzen und sauberes Wasser jederzeit zur Verfügung haben, ist das für die Bevölkerung in Äthiopien nur mit großem Aufwand möglich.

Sauberes Wasser für alle

Deutlich beeindruckt war die sechste Klasse der Heinrich Böll Gesamtschule angesichts ihres prominenten Guides. Neven Subotic führte die Schüler durch den neuen Ausstellungsteil. Seit 2012 errichtet die Stiftung des Profi-Fußballers in den ärmsten Regionen Äthiopiens Brunnen und Sanitäranlagen. Diese ermöglichen den Menschen vor Ort Zugang zu Trinkwasser und besserer Hygiene.

„Wir sind nicht immer schuldlos. Man kann nicht im Überfluss leben, ohne andere auszubeuten.“

In den in Zusammenarbeit mit dem Museum entwickelten Ausstellungsstationen erhalten Kinder und Erwachsene viele Informationen zur mangelnden Trinkwasserversorgung sowie den Lebensbedingungen in Äthiopien und können erfahren wie die Arbeit der Stiftung bereits das Leben vieler Menschen verbessert hat.

„Besonders Frauen und Kinder sind für die Versorgung mit Wasser verantwortlich“, erklärt Subotic, der wann immer es geht, selbst nach Äthiopien reist. „Ein gefüllter Wasserkanister wiegt rund 20 Kilogramm. Er muss im Durchschnitt rund sechs Kilometer von der Wasserstelle nach Hause getragen werden. Das ist ungefähr so weit wie von hier bis in die Innenstadt - und zurück“, erklärt Subotic den Schülern anschaulich.

„Das möchte keiner von uns machen müssen. Für die Kinder heißt das dann oft: Entweder gehen sie zu Schule, oder sie holen Wasser. Beides zusammen geht nicht. Das kostet Kraft und Zeit, die besser investiert werden sollte.“ Besonders Mädchen sind die Leidtragenden: Weil es in den Schulen oft keine Toiletten gibt, gehen rund 50 Prozent der Mädchen gar nicht zur Schule.

An einer weiteren Station können die Besucher selbst ausprobieren, wie schwer es ist, einen vollen Wasserkanister über eine längere Strecke zu tragen. Infotafeln geben weitere Informationen: Rund 80 Prozent der Äthiopier haben überhaupt keinen Zugang zu sanitären Anlagen, die Hälfte der Äthiopier haben kein sauberes Wasser zur Verfügung. Die Folge: Fünf Millionen Menschen sterben jährliche durch mit verunreinigtem Wasser übertragenen Krankheiten. Jedes vierte Kind in Äthiopien muss arbeiten, um die Familie zu unterstützen.

Für Chancengleichheit

„Was habt ihr denn für Träume?“ fragt Neven Subotic seine zwölf-bis dreizehnjährigen Besucher. Anwältin, Polizist, Meeresbiologin oder Ingenieur, so lauten die Antworten. „Stellt euch vor, ihr könnt zur Schule gehen und euch jeden Tag eurem Ziel annähern, das ist so cool“, antwortet Subotic.

Und er zeigt mit einem Beispiel, wie er das sieht: "Stellt euch vor, ihr seid mit einer anderen Gruppe in einem Wald unterwegs. Ihr habt alles was ihr braucht, sogar zuviel von allem. So viele Pflaster und Verbandszeug, wie ihr gar nicht braucht. Die andere Gruppe hat gar nichts. Würdet ihr da nicht auch helfen, den anderen etwas abgeben und helfen? Das ist doch unsere soziale Pflicht."

„Ich habe für einen Menschen die Bedingungen geändert. Verbessert. Das ist meine Motivation. “

In einer Videoinstallation erzählen die beiden 13-jährigen Goitotom und Kedir, was es im Alltag bedeutet, wenn es im eigenen Dorf kein Wasser gibt und wie sich ihr Leben durch das Engagement der Stiftung verbessert hat. „Das wichtigste ist es, dass die Ausstellung Augen öffnet und die Besucher zum Nachdenken anregt. Erst wenn es ein Bewusstsein für solche Probleme gibt, kann der nächste Schritt folgen: Die konkrete Hilfe!“, so Subotic.

Aber warum Äthiopien? Neven Subotic erklärt das so: " Als ich die Stiftung gegründet habe, stellte sich die Frage, wo ich helfen will. Ich habe dann nach kompetenten Partnern gesucht und auch viele kritische Fragen gestellt. Das Konzept in Äthiopien hat mich dann überzeugt. Und das Feedback hat dann gezeigt, dass das genau richtig ist."

Interaktive Stationen im mondo mio!

Wegen der vielen thematischen Überschneidungen passt die Ausstellung für Museumsleiterin Elisabeth Limmer perfekt in das Kindermuseum: „Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Themen bei mondo mio! und der Arbeit der Stiftung. Wir freuen uns besonders, dass wir durch die Präsentation bei mondo mio! das besondere Engagement der Stiftung einem breiten Publikum vorstellen können.“

Neven Subotic ist das Kind bosnisch-serbischer Flüchtlinge aus Bosnien/Herzegowina. 1990 kam die Familie nach Deutschland und flüchtete vor der Abschiebung nach Bosnien1999 ein zweites Mal in die USA.

„Unverdientes“ Glück teilen

Wie haben Sie Ihre Kindheit in Deutschland erlebt?
Ich war noch ein Kleinkind, als wir hierher kamen. Deutschland war meine erste Heimat, ich habe schöne Erinnerungen an den Schwarzwald, wo ich aufgewachsen bin, an meine Kindheit, meine Eltern haben das toll gemacht. Als kleines Kind hat man ja keine Berührungsängste, da sitzt man zusammen im Sandkasten und spielt, und das funktioniert.

Und wie war die Übersiedlung in die USA?
Ich wollte nicht weg. Für ein Kind ist es unvorstellbar, dass alles in Tüten gepackt wird und man einfach geht. Ich hätte von der Grundschule aufs Gymnasium gehen sollen, und hatte gerade den Bescheid dafür bekommen. Ich wäre dann wieder mit meiner Schwester zu Schule gegangen. Natürlich hatte ich Freunde, ich war gut in der Schule. In den USA fand ich dann auch alles ganz doof. Das hat sich erst geändert, als ich für meine Fußballmannschaft dort erfolgreich wurde.

Wie sehen Sie die aktuelle Flüchtlingskrise?
Den Empfang der Flüchtlinge an den Bahnhöfen als Zeichen der Willkommenskultur fand ich großartig. Doch das ist erste der erste Schritt einer langen Reise. Das kann ein schöner Weg werden, Freundschaft miteinander zu schließen. Ich glaube nicht, dass das leicht wird, aber ich glaube, dass das möglich ist. Jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, dass es gelingt, aber ein konkreter Plan muss jetzt her.

Info: Die Neven Subotic Stiftung

 Die Stiftung engagiert sich für die elementaren Rechte von Kindern, damit ihr Traum von einem besseren Leben realisiert werden kann. Jedes Kind hat das Recht, unter menschenwürdigen Bedingungen seine Träume zu verwirklichen.

 Die gesamten Verwaltungskosten der Stiftung werden von Neven Subotic persönlich getragen

 Bislang konnten 25 Projekte realisiert werden: acht Brunnen in Gemeinden und 17 Brunnen inklusive Sanitäranlagen an Schulen

 Die Stiftung wurde am 16. Januar 2012 gegründet.

 Weitere Infos gibt es unter nevensuboticstiftung.de

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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