Zusammenhalt statt Unsicherheit - Pfarrer Friedrich Stiller blickt auf den Dortmund-Tatort, die Sorgen der Bürger und die Rechte Szene

Die Pfarrer Stiller (l.) und Laker (r.) in der Pauluskirche vor der Ausstrahlung des  Dortmunder „Tatort“. | Foto: Schütze
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Zum gemeinsamen Schauen der Dortmunder „Tatort“-Folge waren die Bänke der Pauluskirche trotz Drohungen von Rechtsradikalen prall gefüllt. Über die Sorgen der Teilnehmer in der anschließenden Diskussion, die mediale Inszenierung der Stadt und der rechten Szene sprachen wir mit Mitveranstalter Pfarrer Friedrich Stiller, Leiter des Referats für Gesellschaftliche Verantwortung in der evangelischen Kirche Dortmund-Lünen.

Im Vorfeld hatten Unbekannte im Internet ihr Intervenieren der Veranstaltung angekündigt, um zu demonstrieren, „wie sich Backpfeifen in der Kirche anhören“, berichtet Pfarrer Stiller.
Durch Einlasskontrollen und ein Sicherheitskonzept umgeben, konnte das Schauen der brisanten Tatort-Folge friedlich mit einer Solidarisierung und Schweigeminute für die Opfer des Terrors in Paris begonnen werden.
„In der anschließenden Diskussion nach dem Tatort berichteten viele der Anwesenden über ihre eigenen Erfahrungen mit den Rechten und betonten die Wichtigkeit von politischen Mitteln als Reaktion“, führt Friedrich Stiller weiter aus.

Realitätsabgleich und Diskussion

Offenbar bewegte auch viele Menschen, ob die gezeigten Szenen realistisch sind oder nicht. Pfarrer Stiller äußert sich dazu und lobt, dass der Tatort „gut recherchiert“ sei und dass „solche Bedrohungen bestehen, wovon die Öffentlichkeit vielleicht nur bei der Wahlnacht oder durch die Störungen vor ein paar Tagen beim Evinger Flüchtlingsinfoabend was mitbekommt und dann in den menschenverachtenden Parolen bei den Ereignissen am 21. Dezember offen zum Vorschein tritt “.

"Wir wollen nicht, dass die Menschen deprimiert denken, dass sie sowieso nichts machen können" (Stiller)

Bedauernswert findet Stiller, dass „leider die alltäglichen, indirekten Bedrohungen, wie die im Vorfeld dieser Veranstaltung, nicht gezeigt wurden.“
Der Pfarrer ergänzt: „Schade, dass die Handlung im Polizeimilieu blieb, denn so hat man es von Seiten der Tatortmacher versäumt, ein Zeichen dafür zu setzen, was die Bürger gegen rechte Gewalt tun können. Das fängt bei kleinen Sachen an. Statt eines Infostands der rechten Szene, hätte man auch einen zeigen können, der den bürgerlichen Protest aus einer anderen Sicht zeigt.“
„Das Positive in unserer Stadt wird oft nicht gezeigt“, ergänzt Stiller, „denn nicht alle Ecken sind Industriebrachen und es gibt auch weitestgehend intakte Beziehungen und demokratische Strukturen“.

Kurs der rechten Szenen in Dortmund

Wie sieht ein Experte die Entwicklung der Rechten Szene in Dortmund? Stiller sagt: „Ich habe keine Zahlen, dass die Entwicklung zurückgeht. Meiner Meinung nach gibt es eine kleine Gruppe Gewaltbereiter und eine große Gruppe an Unterstützern. Beides, der legalistische Kurs und die Gewaltbereitschaft, sind voll da. Wir haben
eine der schwierigsten Nazi-Szenen Deutschlands, aber auch eine der aktivisten Bürgerschaften".

Stiller und der Aktionskreis mit sozial-politischem Engagement

Friedrich Stiller ist mit Daniela Schneckenburger, Landesvorsitzende der Grünen, verheiratet und ist seit 1996 Chef des evangelischen Referats für gesellschaftliche Verantwortung und wird als Aktivist für den Frieden und in öffentlichen Aktionen sowie Diskussionen um die rechte Szene Dortmunds geschätzt.
Zusammen mit dem bekannten Geistlichen und Kultur- und Nordstadtexperten Friedrich Laker von der Paulskirche hat Stiller am 11. Januar zu einer Aktion um die Ausstrahlung einer umstrittenen Folge im Kontext rechter Gewalt in Dortmund aus der Krimireihe „Tatort“ eingeladen.
Weitere Aktionen und Info über den Aktivkreis, die Möglichkeit zur Unterstützung gibt es unter www.ev-kirche-dortmund.de/rgv/ und via Mail an rgv@ekkdo.de.

Die Pfarrer Stiller (l.) und Laker (r.) in der Pauluskirche vor der Ausstrahlung des  Dortmunder „Tatort“. | Foto: Schütze
In einer Schweigeminute wurde den Terroropfern von Paris gedacht. | Foto: Schütze
Autor:

Steffen Korthals aus Kamen

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