Flüchtlinge als Gäste

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Im DJH Jugendgästehaus Adolph Kolping kümmern sich Mitarbeiter der Jugendhilfe St. Elisabeth und der Jugend- und Familienhilfe St. Bonifatius um minderjährige unbegleitete Flüchtlinge (v.l.): Wolfgang van der Sanden, Wohngruppenleiterin Ana Balic, Manfred von Kölln, Friedhelm Evermann, Dirk Meier und Teamleiterin Marzena Gust-Wasala mit vier jungen Bewohnern. (Foto: Schmitz)

Sie sind zwischen 14 und 18 Jahren alt, und sie müssen sich in einem fremden Land, einer fremden Kultur und einer fremden Sprache zurechtfinden - alles ohne ihre Familie.

Untergebracht sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) im Jugendgästehaus Adolph Kolping in der Innenstadt wie die anderen internationalen Gäste des Hauses auch. Doch für sie ist Dortmund kein Reiseziel. Sie werden aller Voraussicht nach hier bleiben. „Sie müssen in das System hier passen, müssen selbständig, sozial und ethnisch verträglich sein, beschreibt Hausleiter Wolfgang van der Sanden die Auswahlkriterien. „Die Richtlinien in unserem Haus gelten für die Flüchtlinge wir für andere Gäste auch.“

„Als das Projekt begonnen hat, haben viele kritisch hingesehen. Das Haus hat Hotelcharakter und damit eine Willkommens- und Gästekultur. „Es gibt hier eine klare Tagesstruktur mit internationalen Gästen, das ist Neuland in der Flüchtlingsbetreuung und ein Leuchtturmprojekt.“

Zwei katholische Träger und das DJH Jugendgästehaus Adolph Kolping kooperieren seit neun Monaten bei der Betreuung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen. Derzeit leben 24 junge Menschen aus Syrien, Albanien, dem Irak, Eritrea, Afghanistan und weiteren Krisen-Ländern auf einer Etage des Kolpinghauses und werden dort nach den Standards der Jugendhilfe betreut.

Der Bedarf ist groß und daher planen die Katholische St.-Johannes-Gesellschaft mit der Jugendhilfe St. Elisabeth und der Caritasverband mit der Jugend- und Familienhilfe St. Bonifatius derzeit, das Angebot an weiteren Standorten auszuweiten.
Aktuell leben in Dortmund 750 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis zum Jahresende könnte sich ihre Zahl auf 1000 erhöhen.

Häufig wurden sie von ihren Eltern auf der Flucht getrennt und wissen nichts über deren Schicksal. „Es kommt auch vor, dass sie miterleben mussten, wie ihre Eltern ermordet wurden“, berichtet Manfred von Kölln vom Caritasverband. Im Kolpinghaus haben die jungen Menschen vorerst eine sichere Bleibe gefunden und können wieder Hoffnung für ihre Zukunft entwickeln.

„Willkommen“ steht groß auf einem Banner im Foyer. Ein Gruß, der sich ohne Ausnahme an alle Gäste des Jugendgästehauses richtet. Die jungen Menschen willkommen zu heißen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen ist Dirk Meier zufolge ganz entscheidend. „Diese Wertschätzung kommt dann auch zurück“, berichtet er. Die Jugendlichen seien begierig darauf, zur Schule zu gehen, etwas zu lernen, Deutsch zu sprechen, sich zu integrieren.

„Es gab bisher kaum schwierige Situationen und unsere Erfahrungen im Jugendgästehaus sind sehr positiv“, berichtet Friedhelm Evermann, Leiter der Jugendhilfe St. Elisabeth. Insgesamt zwölf Mitarbeiter begleiten die Jugendlichen dabei, in Deutschland anzukommen. Sie sind auch Ansprechpartner, wenn diese unter traumatischen Erlebnissen leiden.

Bei Bedarf wird darüber hinaus die Hilfe von Ärzten und Psychologen vermittelt. Für weitere Unterstützung, beispielsweise nach einem späteren Auszug der Jugendlichen, ist auch die Hilfe von Ehrenamtlichen gefragt. Darüber hinaus werden auch ehrenamtliche Vormünder gebraucht, die die Jugendlichen auf ihrem Lebensweg begleiten, ebenso wie Wohn- und Unterbringungsmöglichkeiten für die wachsende Jahr von jugendlichen Flüchtlingen.
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