Kochen für die Ärmsten

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Ursula Wierling und Hella Steitz vor den nagelneuen Kesseln in der Kana Suppenküche. Seit 25 Jahren gibt es dort warme Mahlzeiten. (Foto: Schmitz)
 
Den Mitarbeitern der Kana-Suppenküche wäre es lieber, wenn ihre Arbeit nicht notwendig wäre. Doch für die nächsten Jahren rechnen sie mit einem weiteren Anstieg der Armut und mit mehr Wohnungslosen. (Foto: Schmitz)

Seit 25 Jahren gibt es die Kana-Suppenküche an der Mallinckrodtstraße. Kein Grund zum Feiern, meinen die Aktiven, und doch weisen sie mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen auf ihre Arbeit hin.

Fritz Eckenga, Bernd Gieseking, Fred Ape und viele andere treten kostenlos auf. „Die Lage hat sich durchaus verschlimmert“, erklärt Bernd Büscher. Das Diakonische Werk in Dortmund vermeldete kürzlich eine geschätzte Zahl von 700 Wohnungslosen in Dortmund.

Büscher hält das für realisitisch: „ Das Diakonische Werk hat da mit seiner Beratungsstelle den objektivsten Zugang. Bislang ist man immer von ‚nur‘ rund 300 bis 3350 Leuten ausgegangen, die in Dortmund ‚Platte‘ machen.“ Insgesamt beobachten die ehrenamtlichen Helfer in der Suppenküche, dass die Schere in der Gesellschaft immer weiter auseinander geht.

„Bei uns in der Suppenküche sind die Zahlen relativ konstant. Zu Anfang des Monats haben wir meist um die 200 Gäste täglich. Zum Ende des Monats sind es oft 33 bis 360 Menschen.“ Im ganzen Jahr kommen so rund 66 000 warme Mahlzeiten zusammen.

In ihrem Rundbrief erinnern sich die Mitarbeiter der Suppenküche an ihre Anfangszeit: „ Im ersten Jahr kochten wir mit einem großen Kochtopf auf unseren privaten Elektro- oder Gasherden. Die fertige Suppe wurde umgefüllt in einen 30-Liter-Wärmebehälter und mit dem Auto zur Ausgabe in der Nordstadt gefahren, wo wir aus dem Kofferraum heraus ausgegeben und gemeinsam gegessen haben.

Nach einemJahr durften wir einen Raum in der Kath. Josephgemeinde in der Münsterstrasse zur Ausgabe nutzen. Aber da es dort keine Küche gab, haben wir weiterhin zuhause gekocht. Dies änderte sich mit der Anmietung unserer ersten Vereinsräume.“

Die Arbeit wurde zunehmend professioneller: „Wir bekamen einen großen sechsflammigen Gasherd und ein bisschen später auch einen Hockerkocher.“ Die Gäste wurden zahlreicher, die Mengen größer, das Kochen auf dem Gasherd anstrengender.

2001 konnte dann mit der Anmietung eines größeren Ladenlokals auch eine professionelle Kücheneinrichtung finanziert werden. Hier wurde nun seitdem in drei 60-Liter Gaskesseln Eintöpfe und Suppen für bis zu 350 Gäste pro Tag zubereitet.
Nach 15 Jahren in pausenlosem Einsatz verweigerten diese drei 60-Liter-Kochkessel im letzten Jahr ihren Dienst.

Zwei Kochkessel mussten stillgelegt werden und waren nicht mehr reparabel, Ersatzteile gab es nicht mehr. Durch eine Spendenaktion konnten im November 2015 alle drei maroden Kessel durch drei neue ausgetauscht werden.

Im kommenden 25. Jahr von Kana wollen die Mitarbeiter weiter für die Rechte armer und obdachloser Menschen eintreten und auf ihre Lage hinweisen.

Am 16. Januar werden sie ab 16 Uhr in derInnenstadt mit einem Info-Tisch und fantasievollen Aktionen präsent sein. Alle, die mithelfen wollen, treffen sich um 15.30 Uhr am Europabrunnen, Kleppingstraße.

Eine grundsätzliche Frage wird am Sonntag, 24. Januar, um 16 Uhr diskutiert: Seit ihren Anfängen sehen sich Suppenküchen und Tafeln mit der Frage konfrontiert, ob sie den Sozialstaat nicht zugleich von einer seiner wichtigsten Pflichten und der Sorge dafür entlasten, dass in einem so reichen Land niemand Hunger leiden muss.

Der Münsteraner Theologe Hermann Steinkamp denkt mit den Ehrenamtlern der Suppenküche gemeinsam über dieses Spannungsfeld nach.

Musikalisch wird es bei der nächsten Veranstaltung am Sonntag, 21. Februar, in der Pauluskirche. Fred Ape gibt dann ab 19 Uhr amüsant und ironisch deutsches Liedgut zum Besten.
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