Larger than Life – Ende eines Fußballmärchens

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Vor sieben Jahren übernahm Jürgen Klopp beim BVB. (Foto: Archiv/Schütze)
Von Sabine Schwalbert

Okay, ich bin kein Fußballfan, kein richtiger, in einer Stadt, in der das so ziemlich wichtigste Fußball und der Verein ist, ist das schwierig

.
Ich hatte keine Vorbilder. In meiner Kindheit war Fußball noch Männersache, niemand aus unsere Familie war BVB-Fan, mein Onkel, der einzige, der sich für Fußball interessiert, war – Schalker.
Ich war auch noch nie im Stadion.Fußball fand ich langweilig, die Truppe um Dr. Gott und Matthias Sammer war mir unsympathisch, ihre Siege waren mir egal.

Schlüsselerlebnis

Die ersten Jahre von Jürgen Klopp in Dortmund habe ich zwar wahrgenommen, mein Schlüsselerlebnis hatte ich aber erst, als ich bei einem Pressetermin (Die BVB-Mannschaft besucht jedes Jahr vor Weihnachten kranke Kinder in der Kinderklinik) den ganz normalen Wahnsinn in dieser Stadt miterlebte: Das Personal der Kinderklinik stand im OP-Kittel und in Schwesternkleidung auf den Tischen und versuchte, Handy-Bilder von den Spielern zu machen. Für Spieler-Autogramme standen sie Schlange.

Fußball ist schneller und spannender geworden

In der Folgezeit habe ich mich mit Fußball, dem BVB, seiner Geschichte und was sonst noch so dazugehört, beschäftigt. Zusammen mit meiner Tochter habe ich Spiele geguckt oder im Radio gehört, was meinem Blutdruck oft nicht wirklich gut getan hat. Fußball ist schneller und spannender geworden (außer in Italien), und es macht (manchmal bis oft) Spaß ihn anzugucken.

Lässt sich in Geld nicht aufwiegen

Natürlich geht das nicht alles auf das Konto von Jürgen Klopp, aber er hat den Verein, seine Mannschaft und sich selbst sympathisch rüber gebracht. Die meisten Dortmunder und sicher auch er selbst hätten sich gewünscht, dass er noch länger hier bleibt, die positive Werbung, die er für unsere Stadt gemacht hat, lässt sich in Geld nicht aufwiegen, und deshalb hätte er auf jeden Fall ein Korso am Borsigplatz zum Abschied verdient, er sollte aber allermindestens Ehrenbürger werden.

Abgang traf mitten ins Herz

Kloppo hat aber entschieden, dass der Verein wichtiger und größer als alles andere ist, und deshalb geht er. Es gab Veränderungen, die mehr oder weniger schmerzhaft waren, der Weggang von Götze (ein Schlag in die kollektive Magengrube), oder Lewandowski (ein langer Schrecken ohne Ende). Der Abgang von Kloppo trifft viele Dortmunder mitten ins Herz, so ist das eben mit wahrer Liebe. Die erlebt man meistens nur einmal im Leben.

Egal wer ihm jetzt nachfolgen sollte, er wird es schwer haben, er steckt in sehr großen Schuhen. Auf Facebook wird bereits Kloppos Nachfolger gehandelt, und es kann nur einen würdigen geben: Chuck Norris gewinnt rückwirkend sogar noch die Champions League 2013. Das könnte die Dortmunder trösten – ein bisschen.
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