Leben in der Turnhalle

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Herzlicher Empfang für Flüchtlingskinder: Mit den Anwohnern und Nachbarn, rund 3500 Berufsschüler des Brügmann-Blocks, gab es keine Probleme, im Gegenteil: Sie brachten sogar Geschenkpäckchen zu Weihnachten. (Foto: Schmitz)
 
Die Erzieherinnen in der Einrichtung sortieren auch die reichlich vorhandenen Kleiderspenden. (Foto: Schmitz)

Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt haben Folgen:

Mehr als 50 Mio. Menschen weltweit sind auf der Flucht, das schätzt die UNO-Flüchtlingshilfe. Rund 1700 davon leben derzeit in Dortmund.


Viele von ihnen sind Binnenflüchtlinge, das heißt, sie bleiben im eigenen Land. Das ist derzeit zum Beispiel in Syrien der Fall. In Deutschland wurden von Januar bis November 2014 rund 181 000 Asylanträge gestellt.

Flüchtlinge aus den verschiedensten Ländern kommen nach Dortmund. Entweder über die Erstaufnahmeeinrichtung in Hacheney, oder weil sie aus anderen Orten nach Dortmund weitergeleitet werden.
Rund 280 sind derzeit in den Turnhallen an der Brügmannstraße untergebracht. „Am Freitag sollen nochmal 30 Personen kommen“, berichtet der Leiter der Einrichtung, Ulrich Hoffmann von den Johannitern. „Dann sind wir voll“.

Im November 2014 wurde die Turnhalle im Brügmannblock als Flüchtlingsunterkunft in Betrieb genommen. „Noch ist unklar, wann die Einrichtung wieder geschlossen werden kann,“ erklärt Hoffmann. Dann sollen andere Unterkünfte in Dortmund in Betrieb genommen werden, die dann die Asylbewerber aufnehmen können. Bis dahin leben rund 300 Flüchtlinge auf engstem Raum in einer Turnhalle.

„Es ist warm und sauber, die Menschen bekommen Essen und medizinische Versorgung, wenn sie welche brauchen,“berichtet Hoffmann. Darüberhinaus muss man sich arrangieren: „Ich kann keine sunnitischen mit schiitischen Muslimen in einem Raum unterbringen, auch Menschen aus Guinea und Ghana gehen nicht zusammen“, erklärt er. Einzelne Männer kommen nicht zu Familien ins Zimmer, und Familien bekommen nach Möglichkeit ein eigenes Zimmer: Das heißt fünf Feldbetten, Stühle und ein Schrank. Alles findet in Turnhallen statt, von denen der Komplex fünf hat, vier kleine und eine große. Eine der Hallen dient als Unterrichtsraum und Kinder-Betreuungstation, in einer wird das Essen ausgegeben. Bierzeltgarnituren mit schwarz-gelben Streifen an den Seiten, an der Stirnwand der Halle Holzregale.

Alles ist provisorisch, aber sauber. Die Hausregeln sind in mehreren Sprachen auf Zetteln an der Pförtnerloge aufgehängt. Die Atmosphäre ist ruhig und freundlich, doch Leben, über Wochen oder sogar Monate, wer möchte das schon? „Einige unserer Bewohner sind seit Ende November hier. „Der Gräuschpegel ist hoch, die Leute schlafen schlecht. Sie dürfen nicht arbeiten, da gibt es schon Langeweile“; Hier versucht das Team von Ulrich Hoffmann, die Bewohner bei kleineren Aufgaben miteinzubeziehen. Ehrenamtliche Mitarbeiter geben Deutschkurse, die eigentlich für die vielen Kinder, rund ein Viertel der Bewohner, gedacht waren. „Doch wir haben festgestellt, dass besonders die Schwarzafrikaner sehr bildungshungrig sind und die Kurse gut annehmen.“

Innerhalb von Dortmund können sich unsere Bewohner frei bewegen, und das tun sie auch“, erklärt Ulrich Hoffmann. „Viele waren unterwegs auf dem Weihnachtsmarkt, es ist meist der erste ihres Lebens.“ Wie lange die Bewohner in der Turnhalle bleiben, ist unklar und hängt davon ab, wie schnell Wohnraum für sie gefunden werden kann. „Vermieter können sich mit Wohnungsangeboten an das Sozialamt wenden, darüberhinaus können sich Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, per E-Mail an Martin Vollmer (martin.vollmer@johanniter.de) von den Johannitern wenden.

„Aktuell suchen wir Personen, die zum Beispiel serbisch, bosnisch, russisch, afghanisch, arabisch oder französisch sprechen, zum Übersetzen“ so Hoffmann. Auch Ärzte, die eine oder mehrere der Sprachen sprechen, können sich melden. Darüber hinaus suchen die Johanniter hauptamtliche Sozialpädagogen und Betreuer.
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