Lernen - ohne viele Worte

Anzeige
Ein aufregender Tag war der Besuch der Polizei-Puppenbühne für die Sprachanfänger der Busche-Grundschule. Hauptkommissar Zimmermann (l.) und Ute Jettkowski (r.) begleiteten die sieben- bis neunjährigen Schüler. (Foto: Schmitz)
 
Sobair (l.) und Hicham haben schon einiges hinter sich: Sobairs Familie floh aus Afghanistan vor dem Krieg, Hichams Familie stammt aus dem Libanon. (Foto: Schmitz)

Sie stammen aus Afghanistan, Ungarn, Polen, dem Libanon, Spanien und Italien - und alle sind sie mehr oder weniger neu in Dortmund.

An der Buschei-Grundschule in Scharnhorst machen die Kinder die ersten Schritte in der deutschen Sprache - und im Verkehr.

Sobair ist acht Jahre alt und kommt aus Afghanistan. „Wegen dem Krieg“ ist er nach Dortmund gekommen, lebt jetzt hier mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester.
„In Ungarn hatten meine Eltern kein Geld und keine Arbeit“, das berichten die Schwestern Kitti und Kia, sieben und neun Jahre alt.

Ähnlich erging es den Familien von Yassin, der eine italienische Mutter und einen tunesischen Vater hat, und Meriem, die spanische und marokkanische Wurzeln hat. Ihre Eltern haben in Deutschland Arbeit gefunden, ebenso wir Yassins Mutter. „Ich habe ganz viele Freunde und viel Familie hier“, erzählt er lebhaft.
Auch Hicham aus dem Libanon ist nun mit seiner Familie in Deutschland, sein Vater hat hier schon Arbeit gefunden.

Um in die Schule gehen zu können, müssen die Kinder zuerst die Sprache erlernen. Dies geschieht an der Buschei-Grundschule nicht in einer eigenen Auffangklasse: „Es geht ja vorrangig um die Integration der Kinder“, erklärt Ute Jettkowski. Die Sonderpädagogin betreut die Gruppe der Sprachanfänger in Deutsch als Fremdsprache.

Zwei Stunden täglich unterrichtet Jettkowski die kleine Gruppe. „Beim Deutschunterricht geht es erst einmal um die ganz zentralen Themen: Ich, die Schule, die Familie, aber auch um den Straßenverkehr“, so die Lehrerin. Damit die Kinder auch ohne große Deutschkenntnisse das richtige Verhalten auf der Straße lernen, hat sich Ute Jettkowski etwas einfallen lassen: „In Kooperation mit der Puppenbühne der Polizei habe ich Bild-Wortkarten erstellt.“

Die Puppenbühne hat ihr Stück „So schnell kann‘s gehen“ etwas modifiziert und weniger Sprache gebraucht, die Lehrerin hält während der Vorstellung die Wortkarten mit dem Begriff „Straße“ oder „Bordstein“ hoch, damit die Kinder die Zusammenhänge verstehen. „Auf diese Zusammenarbeit bin ich schon stolz“, so Ute Jettkowski. Noch mehr freut es sie, dass die speziellen Vorstellungen für Kinder mit Migrationshintergrund demnächst regelmäßig angeboten werden sollen, und obendrein soll das Projekt auf ganz NRW als Teil einer Willkommenskultur ausgedehnt werden. Die Idee dazu stammt aus dem Innenministerium.

Dazu leistet auch Polizeihauptkommissar Wilhelm Zimmermann von der Wache in Scharnhorst einen besonderen Beitrag: Schon vor dem Besuch der Puppenbühne hat er den Unterricht besucht, er hat die Schüler auf dem Weg zur Puppenbühne begleitet und ist auch bei der Nachbereitung wieder dabei.

„Die Kinder sollen lernen, dass sie keine Angst vor der Polizei haben müssen. In vielen Länder sieht der Kontakt zu Behörden und der Polizei ja ganz anders aus“, so Zimmermann. Ein Polizist zum Anfassen für die Kinder, die davon gerne Gebrauch machen: Zwei der Mädchen umarmen den Beamten, und die ganze Gruppe hat noch ein Geschenk für ihn gebastelt. Zimmermann ist mit dem Ablauf voll zufrieden: „Wir haben das alle zusammen gut gemacht.“ Nach den Ferien geht es weiter.

Hintergrund:


Acht bis zehn Kinder gehen in die Sprachanfänger-Gruppe an der Buschei-Grundschule

Für die fortgeschrittenen Kinder gibt es weiterführende Gruppen

Die Flüchtlingskinder gehen in der normale Klasseneingangsphase (1. und 2. Schuljahr gemeinsam) in sechs Gruppen in den normalen Unterricht

Der Besuch der Polizei-Puppenbühne wird im Sprachunterricht vorbereitet, das Theaterstück eingearbeitet und die wichtigsten Begriffe im Vorfeld gelernt

Die Puppenbühne im Westfalenpark hat 2002 ihren Betrieb aufgenommen. Davor waren die Polizeibeamten 40 Jahre lang mit einer mobilen Bühne unterwegs

Jährlich besuchen rund 12000 Kinder die Puppenbühne
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.