Rat an junge Migranten: Mischt mit in der Gesellschaft!

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Referierte humvorvoll beim Verein Africa Positive: Dr. Karamba Diaby, hier im Bild mit Moderatorin Julia Rumi. (Foto: privat)
 
Erfahrungsaustausch mit Kindern und Jugendlichen. (Foto: privat)
Dr. Karamba Diaby sitzt für die SPD im Bundestag. Jetzt war der Abgeordnete aus Ahlle an der Saale zu Gast beim Verein Africa Positive, und riet jungen Menschen mit Migrationshintergrund: „Mischt euch ein, werdet Teil dieser Gesellschaft!“

Schon zum fünften Mal in diesem Jahr konnte der Verein im Rahmen des Projektes „Erzähl mal, wie du es geschafft hast!“ einen interessanten Gast begrüßen. Das Projekt stellt Kindern und Jugendlichen Menschen mit Migrationshintergrund vor, die als Vorbilder dienen und ihnen Ideen zu ihrer eigenen Lebensperspektiven vermitteln können.

Eingeladen waren neben Karamba Diaby auch Hauswirtschaftsmeisterinnen, die sich mit den Vertreterinnen des Afrikanischen Frauennetzwerkes zum interkulturellen Austausches trafen.

Die Ausgangsbedingungen von Karamba Diaby waren denkbar schlecht: Die Mutter starb, als er drei Monate alt war, seinen Vater verlor Karamba, als er sieben Jahre alt war. Aufgewachsen ist er bei der Schwester. Schon zeitig war ihm klar, dass Schule, Bildung hochwichtig war, um es im Leben zu etwas zu bringen. Nach der Grund- und Sekundarschule machte er das Abitur, ging an die Uni in Senegals Hauptstadt Dakar und studierte auf Lehramt.

Bereits dort engagierte sich studierende Diaby politisch in der Studentenbewegung, trat aktiv für bessere Bedingungen an der Uni ein. Eigentlich hätte ihm als Waisenkind ein staatliches Stipendium zugestanden. Bekommen hat er aber keines. Glücklicherweise teilte ein Landsmann sein Stipendium solidarisch mit ihm. Dennoch war es schwer. Während andere Kommilitonen reicher Eltern selbst in der Mittagspause im klimatisierten Wagen von der Unitreppe abgeholt wurden, lief Karamba Kilometer in der sengenden Hitze.

Über ein Auslandsstudium gelangte Karamba Diaby 1985 in die DDR. Als gewünschte Studienfächer angekreuzt hatte der Senegalese Wasserwirtschaft, Elektronik und Landwirtschaft, als Studienort "DDR". Am Herder-Institut in Leipzig lernte Diaby neun Monate intensiv Deutsch. Zuvor konnte er nur zwei deutsche Worte: BMW
und Bundesliga. Schließlich studierte er Chemie. Es war ihm egal. Hauptsache Studium.

Das begann und absolvierte Diaby an der Martin-Luther-Universität in Halle. Sein Tipp an eingewanderte Jugendliche: Die Sprache des Landes lernen, unter Leute
gehen. Nicht nur unter sich bleiben! „Wenn man gesund ist, alle Möglichkeiten nutzen, sich beteiligen! Sich Verbündete suchen. Alleine schafft man nie etwas.“ Karamba tat das.

In Leipzig besuchte er Studentenclubs und hat „mit Deutschen gequatscht“. Es half ihm sehr. Die Menschen in Leipzig mochten Karamba, weil „der so niedlich“ sprach. Manchmal lachten sie ihn auch aus, und er wusste dann: Da habe ich einen Fehler gemacht, das muss ich verbessern.

Über Willy Brandt hatte Karamba Diaby ein Film gesehen. Dieser Mann beeindruckte ihn
sehr. Und die SPD habe Gerechtigkeit von Gründung an auf ihre Fahnen geschrieben. Als die SPD Halle dann den vielseitig in Vereinen und im Ausländerbeirat engagierten Mann fragte, ob er für sie für den Stadtrat kandidieren würde, kam er nach reiflicher Überlegung dazu, in die Partei Willy Brandts einzutreten. Er arbeitete erfolgreich sieben Jahre als Stadtrat. 2013 wurde Dr. Karamba Diaby für die SPD in den Bundestag
gewählt. Er ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bildung Forschung und Technikfolgeabschätzung und stellvertretender Vorsitzender des Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Besonders wichtig ist Diaby das Thema Bildung. „Ohne Bildung ist man gar nichts.“ Vehement tritt er für Chancengerechtigkeit im Bereich Bildung ein. Jedem müsse in diesem Land – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern – die Möglichkeit zu Ausbildung und Studium gegeben werden. Doch die Schüler müssten die Bildung auch ernst nehmen und die Eltern dies unterstützen. Auch die Mitarbeit in Vereinen sei
empfehlenswert.

Menschen mit Migrationshintergrund gab er die Empofehlung: „Die Kinder sollten von Anfang an Deutsch lernen, das schließt aber nicht aus, dass man seine Muttersprache zuhause spricht.“ Bei seinen eigenenn beiden Kindern habe das nicht ganz so geklappt, räumt er ein. Er sprach mit ihnen auch Französisch. Sie fanden „das aber ein bisschen komisch“. Der Papa solle gefälligst Deutsch sprechen, forderten sie.

Karamba Diaby appellierte an die junge Generation, alle Möglichkeiten des Landes unbedingt zu nutzen. „Mischt euch ein!“ Er selbst habe nie auf eine Einladung gewartet, sondern sei immer auf die Leute zugegangen. „Geht in Bürgerinitiativen, in Vereine, zum Technischen Hilfswerk, zur Feuerwehr oder in Jugendorganisationen von Parteien – werdet Teil dieser Gesellschaft!“, riet Dr. Diaby den jungen Leuten.
"Beteiligen Sie sich, arbeiten sie politisch mit! Gehen Sie in Organisationen. Nehmen
Sie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Lassen Sie nicht zu, dass über ihren Kopf hinweg bestimmt wird.“

Infos zum Verein Africa Positive gibt es unter Tel 7978590, per E-Mail an: info@africa-positive.de und im Internet unter www.africa-positive.de.
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