Vom Flüchtling zum Azubi

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Nach drei Jahren in Deutschland hat Rabikul das Fachabi in der Tasche und eine Berufsausbildung begonnen. (Foto: Agentur für Arbeit)

Rakibul H. kam vor drei Jahren als 17-Jähriger aus Bangladesch nach Dortmund. Im Sommer bestand er sein Fachabitur und startet jetzt eine Ausbildung als Fachangestellter bei der Agentur für Arbeit.

Nach dem Tod der Eltern hatte sich Rakibul H. 2012 auf den Weg nach Deutschland gemacht. Von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, ging es über Dubai nach Moskau, dann mit Schleusern durch Osteuropa bis zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge nach Hacheney. Rakibul H. ist 17 Jahre alt als er dorteintrifft: „Kalt, Regen, ich war allein und traurig in einer fremden Stadt, wenige Menschen, aber alles war sehr sauber.“

Man kümmerte sich um Rakibul. Er regelte seine Angelegenheiten und ging zur Schule: Erst zur Heinrich-Böll-Gesamtschule, dann zur Dortmund International School des Leibniz-Gymnasiums. Zu seine Sprachkenntnissen, fließendem Englisch, Französisch, Hindi sowie Bengalisch kommt noch Deutsch hinzu.

Rabikuls Erfahrung: Man kommt intensiv mit den Behörden in Kontakt, wenn man als Flüchtling auf Hilfe angewiesen ist. Jugendamt, Schulamt, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: „Bafög, Wohngeld, Arbeitslosengeld II - wo kommt das ganze Geld her?“
Sein Betreuer erklärt das soziale Sicherungssystem in Deutschland: „Das ist doch vernünftig. Wenn man arbeitet, zahlt man Steuern und Beiträge, damit man in der Not abgesichert ist.“

In der Schule dann der erste Kontakt mit der Agentur für Arbeit und der Berufsberatung. Welche Möglichkeiten bieten Studium, Ausbildung und Abitur? Rakibul interessierte sich sehr für die Arbeitsagentur.

Der Berufsberater erläuterte ihm die Möglichkeiten einer Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen: „Mir hat man geholfen, ich möchte anderen helfen, auch etwas zurückgeben.“ Nach der Fachhochschulreife im Sommer 2015 trifft Rakibul dann die Entscheidung, sich bei der Arbeitsagentur an der Steinstraße zu bewerben.

Seit einem Monat ist Rakibul H. eingestellt und es gefällt ihm sehr gut: „Es ist aufregend und die Kollegen helfen gern. Jeden Tag lernen ich etwas Neues.“

„Wir möchten mit der Einstellung eine Botschaft auch an die Unternehmen senden, Asylbewerber sowie anerkannte und geduldete Flüchtlinge mit in den Fokus der potentiellen Bewerber zu nehmen. Dortmund braucht Fachkräfte. Sehr viele Flüchtlinge sind hochmotiviert und bereit, Wissen in kurzer Zeit aufzuholen. Das gilt insbesondere für Sprachdefizite in der deutschen Sprache. Oftmals haben Flüchtlinge eine ausgeprägte Sprachkompetenz in vielen anderen Sprachen“, sagt Arbeitsagenturchefin Astrid Neese.

Wer Rakibul kennenlernt, begegnet einem aufgeweckten, jungen Mann mit einem sympathischen Lächeln. Ob er Heimweh hat? „Ja, immer dann, wenn ich eine Zeit aus Dortmund weg bin.“
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 03.10.2015 | 10:48  
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