Der NABU-Kleingarten

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Wie kann man einen Garten naturnah gestalten, welche Pflanzen eignen sich dafür und welche Pflegearbeiten sind erforderlich? Diese und andere Fragen beantworten die Aktiven der Naturgarten AG des NABU. (Foto: Schmitz)
 
Im Kleingartenverein Dortmund Nord an der Eberstraße hat der Dortmunder NABU einen Kleingarten naturnah gestaltet. Interessierte Gärtner können sich hier über die verschiedenen Aspekte des naturnahen Gärtnerns informieren. (Foto: Schmitz)
Die meisten Schrebergärten sehen traditionell eher aufgeräumt aus: Obst und Gemüse wächst in Reih und Glied, dazwischen ein kleines Stück Rasen und Blumen in Beeten. Der Kleingarten, den der NABU in der Kleingartenanlage Dortmund Nord in der Nähe des Festplatzes an der Eberstraße bewirtschaftet, ist da doch ein bisschen anders.

Wege aus Sand verbinden die verschiedenen Beete, ein kleiner Gartenteich ist so von Grün umgeben, das man ihm kaum sieht. Schon seit 20 Jahren gibt es den kleinen naturnahen Garten im Verein, seit 2012 haben ihn Brigitte Bornmann-Lemm und ihr Mann Klaus-Dieter Lemm unter ihre Fittiche genommen.

"Vor rund 20 Jahren hat sich der Kleingartenverein entschieden, ein Biotop anzulegen. Dazu kam noch ein Schulgarten für die Kindergärten und Schulen der Umgebung", erzählt Brigitte Bornmann-Lemm. 2003 bekam der Verein einen von mittlerweile mehreren für diese Idee. Doch in der Folgezeit wurde der Schulgarten immer weniger besucht, so dass schließlich der NABU das Angebot bekam, daraus einen naturnahen Garten zu machen.

Durch eine naturnahe Gartengestaltung kann nicht nur jeder Gärtner zum Artenschutz beitragen, der Garten erleichtert auch die gärtnerische Arbeit: Es wird viel gemulcht, Rasenschnitt wird beispielsweise auf den Beeten ringsum die Pflanzen berteilt, ebenso wie gehäckselter Strauchschnitt. Auf diese Weise ist der Boden bedeckt, Unkraut kann weniger durchkommen, und es wird kaum noch umgegraben. "Das ist natürlich für die vielen Bodenlebewesen von Vorteil", weiß Brigitte Bornmann-Lemm.

Einen Komposthaufen sucht man in dem Kleingarten vergebens: "Wir haben ursprünglich mit einem Hochbeet angefangen, mittlerweile haben wir drei in verschiedenen Höhen. Alles was an Kompost anfällt, wird unten in die Hochbeete eingebracht. Das düngt und gibt bei der Verrottung gleichzeitig Wärme an die Pflanzen ab." Es gibt viele Mischkulturen, und in Reihen gepflanzt wird nicht.

Etagenzwiebeln stehen im Hochbeet, sie bilden am Stiel in mehreren Lagen Brutzwiebeln aus, die dann neu gesteckt werden können. Besonderes Gewicht hat Brigitte Bornmann-Lemm auf Pflanzen gelegt, die Bienen und anderen Insekten Nahrung liefern. "Wir haben von März bis Oktober durchgehend blühende Pflanzen gesetzt, die möglichst viele Insektenarten anziehen sollen."

Mit Erfolg: Es summt und brummt im kleinen Garten: Rund 25 Arten Wildbienen, etwa 15 verschiedene Schwebfliegenarten sind da, und von den sieben heimischen Hummelarten fühlen sich im sechs Arten im NABU-Garten wohl. "Auch die eher seltenen Wespenspinnen haben wir schon gesichtet", erklärt Klaus-Dieter Bornmann, der als Amateur-Naturfilmer das Leben im Kleingarten mit der Kamera festhält.

Die Mariendistel mit ihren gescheckten Blättern und der Gute Heinrich, der schon im Mittelalter als spinatähnliche Gemüsepflanze beliebt war, das sind alte Kultursorten, die Brigitte Bornmann-Lemm im Garten anbaut. Daneben hat das Ehepaar noch ein weiteres gärtnerisches Steckenpferd: möglichst viele der Pflanzen, die Karl der Große in seiner Landgüterverordnung"capitulare de villis" zum Anbau empfohlen hat, will es im Kleingarten kultivieren. "Wir haben zuerst versucht, alle Pflanzen in ein Beet zu setzen, doch das hat nicht funktioniert." Nun sollen die immerhin 79 verschiedenen Pflanzen vom Anis über die Ringeblume bis zum Kohl im Garten verteilt wachsen.

Der Garten-AG liegt es am Herzen, die Gartenvielfalt durch die Pflanzung alter Kultursorten zu erhalten. So wachsen im Gemüsebeet auch alte Landsorten: von dicken Bohnen über Kartoffeln bis hin zu Zwiebeln. Ebenso sind Blütenpflanzen aus den alten Bauerngärten vertreten. Rund 250 verschieden Pflanzenarten sind im naturnahen Garten vertreten, Brigitte Bornmann-Lemm führt eine Pflanzenliste am PC, auf dem sie zahllose Pflanzen katalogisiert hat. Selbstgesammelte Sämereien tauscht sie mit anderen Gartenfreunden aus.

Rund zehn Stunden reine Arbeitszeit verbringt Brigitte Bornmann-Lemm im Kleingarten. Eigenes Grün hat sie bis auf einen Balkon nicht, doch sie hat sich seit zehn bis 15 Jahren intensiv mit dem Thema befasst, hat viele Burgen und Klöster mit ihren Gärten besucht.

Die Sandwege im Garten hat sie probeweise angelegt: "Sand haben wir ja hier genug, denn einmal im Jahr wird der Sand aus den Spielplätzen hier ausgetauscht, ich wollte den einfach verwenden." So gärtnert sie nachhaltig und kostengünstig. Für die Sandbiene gibt es eigens ein Sandbeet im Garten, und diverse Insektenhotels sind natürlich Standard. Aktiv geht Brigitte Bornmann-Lemm nur gegen Nacktschnecken und Blattläuse vor: Erstere werden abgesammelt, gegen Läuse hilft Kaffee.

Klaus-Dieter und Brigitte Bornmann teilen ihr Wissen gerne mit anderen: Auf Anfrage halten sie Vorträge über den naturnahen Garten und die gesichteten Insekten. Von März bis Oktober ist der NABU-Garten in der Regel samstags für Besucher offen. Auch beim Tag der offenen Gartenpforte am 11. Juni ist der Garten dabei, ebenso wie beim Apfelfest am 17. September. (NABU-Garten Dortmund, Gartenverein Do-Nord, Parzelle 85, Eberstraße 46)

Weitere Termine und Zeiten finden sich auf der Homepage des NABU unter www.nabu-dortmund.de.
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Sarina Haarmeyer aus Dortmund-Süd | 04.06.2017 | 17:55  
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