Dortmund , denk mal ! Interview mit Prof.Dr.Christoph Zöpel

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Dortmund: Altes Museum am Ostwall | Interview mit Prof. Dr. Christoph Zöpel, ehemals Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr im Land NRW und Staatsminister im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland

Frage: Was fällt Ihnen zu Dortmund und Denkmal ein ?

Die beiden Stichwörter Dortmund und Denkmal sind für mich direkt verbunden mit dem Abriss des alten Dortmunder Rathauses, als bis heute unbegreifliche Entscheidung. Alle Städte im Ruhrgebiet haben nicht verstanden, welche Erkenntnisse sie aus den Bombardements im 2.Weltkrieg hätten ziehen können. Doch der Abriss des ältesten steinernen Rathaus nördlich der Alpen sowie des Theaters und der Oper am Hiltropwall sind eine absolute Katastrophe sowohl für die Stadt selbst, als auch für das gesamte Ruhrgebiet. Bei den anderen Gebäuden auf dem Bild sind die Neubauten sicherlich nicht schöner geworden, als die Gebäude, welche hierfür weichen mussten ist. Was jedoch verloren gegangen ist, ist die Geschichte.

Frage: Inwieweit verbinden Sie Gebäude mit der Identität einer Stadt?

Wenn ich 100.000 bei einem evangelischen Kirchentag auf eine Wiese stelle, ergeben sie dann eine Stadt?
Eine Stadt ist definiert durch einzelne Gebäude, die erst in im Zusammenspiel mit anderen Gebäuden einen Stadtgrundriss ergeben. Besonders tragisch ist deswegen, wenn dieser Grundriss durch den Abriss von stilprägenden Gebäuden verändert wird.
Ein einzelnes Gebäude gerät schnell in Vergessenheit, doch das Schaubild verdeutlich die Verluste sehr deutlich. Den Städten im Ruhrgebiet muss klar sein, dass eine nachhaltig Attraktivität nur aus dem Zusammenspiel von gebauter Geschichte in Form von Gebäuden funktioniert und hierzu zählen auch die Gebäude der Nachkriegsmoderne. Der Schaden, welcher der Verlust der Geschichte hierbei, ist dabei nicht durch den kurzfristigen Nutzen eines Neubaus aufzuwiegen.

Frage: Auch wenn sich die beiden Architekten – und Ingenieurkammern geeinigt haben, steht am 11.12.2014 die wichtige Entscheidung für die Zukunft des Museum am Ostwall an. Welchen Ratschlag würden Sie dem Rat der Stadt Dortmund geben?

Als Bürger, der in der Metropole Ruhr lebt, erwarte ich vom Rat der Stadt Dortmund, dass er alles Nötige für den Erhalt des Museums unternimmt! Dieses Gebäude ist nicht nur für die Stadt Dortmund wichtig, sondern für die gesamte Metropole Ruhr. Ein Abriss würde ein besonders negatives Zeichen nach außen senden.

Frage : Inwieweit hängt hierbei der Schutz von Gebäuden mit den teilweise angespannten Haushalten der Kommunen im Ruhrgebiet zusammen?

Ungeachtet der schwierigen Finanzlage des Landes und der Kommunen denke ich, dass es hierbei keinen direkten Zusammenhang geben darf ! Denn nur 3% der Gebäude in Nordrhein-Westfalen stehen unter Denkmalschutz! Es gibt auch andere Bereiche, die Geld bringen und keinen so gravierenden Eingriff in den Stadtraum bedeuten. Was brauchbar ist, sollte man nicht systematisch auf dem Altar der selbstverständlich finanziell angespannten Haushalte der Kommunen opfern.

Frage: Kommt der Denkmalschutz der Nachkriegsmoderne in NRW zu kurz?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich die Architektur der Nachkriegszeit zeitlich einordnen. Die Gebäude der frühen Nachkriegsarchitektur sind hierbei enorm wichtig für die Städte im Ruhrgebiet und dies wurde bereits teilweise erkannt.

Für die Bauwerke aus den siebziger Jahren und späteren Dekaden bin ich etwas zurückhaltend. Ich finde es wichtig, dass erst die Nachfolgegeneration darüber entscheiden sollte, welche Gebäude erhalten bleiben und welche nicht. Diese Gebäude brauchen bei der Unterschutzstellung einen breiten Diskurs mit der Öffentlichkeit. Die Gebäude der 1950er gehören aber zweifelslos dazu und sind schutzwürdig. Bauwerke wie die Westfalenhalle, der Fernmeldeturm oder auch das Museum am Ostwall in Dortmund sind ein Symbol für einen bestimmten Akt der Geschichte. Sie stellen eine Würdigung des Wiederaufbauaktes dar und brauchen somit unseren den Schutz.

Das Interview führte Lucas Kaufmann. Bearbeitung Uta Rotermund
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