Dortmunder berichten: So helfen wir Flüchtlingen

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Viele Engagierte berichteten, wie Flüchtlingen vor Ort in Dortmund geholfen wird. (Foto: Planerladen)
 

Die Willkommenskultur in den Stadtteilen war Thema des Bürgerforums „Nord trifft Süd – Dortmund querbeet“. Von Neugier und Tatendrang berichteten Dortmunder auf dem Podium rund 90 Zuhörern, wie sich sich vor Ort für Migranten und Flüchtlinge einsetzen.

Eingeladen hatten der Planerladen mit Partnern in die Auslandsgesellschaft mehrere Initiativen aus dem Dortmunder Norden, Süden, Osten und Westen. Vorgestellt wurde, wie Willkommenskultur ganz konkret vor Ort gelebt wird. Wo, warum und vor allem wie bringen sich sie sich einbringen, wenn es um das Ankommen in Dortmund geht, stellten Engagierte vor.

Hat jemand einen Transporter?

Den Auftakt auf dem Podium machten haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus den Einrichtungen Phoenix-Haus, Grevendicks Feld, Morgenstraße und Adlerstraße 44. Bettina Bielefeld und Lisa Wollrath (Phoenix-Haus) starteten gleich mit einem handfesten Appell: „Wir benötigen noch dringend ein Transport-Fahrzeug. Bitte melden, falls jemand da eine Möglichkeit weiß.“ Denn dort ist man derzeit vor allem mit Umzugshilfen beschäftigt.

Austausch für die Nachbarschaft

Bodo Weirauch vom „Dialog-Forum“ (Grevendicks Feld) hingegen stellte die Entwicklung des Engagements in den Mittelpunkt. Aus den Erfahrungen in Hacheney lernend startete man bei der Planung in Lütgendortmund direkt mit einem offenen Dialog-Forum und stieß dabei erfreulicherweise kaum auf Widerstand oder Ängste in der Bevölkerung. So wird die Plattform nun zum regelmäßigen Austausch mit der Nachbarschaft genutzt.

Mit Deutschkursen anfangen

Paul-Gerhard Stamm, Koordinator der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Dortmund und von Anfang an in der Einrichtung Morgenstraße aktiv, betonte man müsse oft einfach mal loslegen, so wie er mit den niederschwelligen Deutschkursen in der Einrichtung angefangen habe.

"Runder Tisch" funkioniert gut

Die Einrichtung Adlerstraße 44, so Ulrike Podhajsky, setzt vor allem auf Mitarbeiter mit Sprachkompetenzen. Zudem gibt es einen vierteljährlichen „Runden Tisch“ mit der Nachbarschaft, was sehr gut funktioniert. Und ganz aktuell auch ein Bewohnerparlament, das den Flüchtlingen die Möglichkeit bietet, über die Arbeit in der Einrichtung mitzuentscheiden. Das Podium bestätigte, dass zwischen den Einrichtungsleitungen und den Flüchtlingen durchaus sehr viel Redebedarf besteht. Aber auch wenn die zugewanderten Menschen die Einrichtungen verlassen und eigene vier Wände bezogen haben, sind sie oft orientierungs- und unterstützungsbedürftig.

Verein Ankommen hilft

Dort setzt der Verein Ankommen e.V. an, den Nahid Farshi ins Leben gerufen hat. Sie ist selbst vor 30 Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, und so sind ihr die auf diese Gruppe lauernden Schwierigkeiten, wenn sie die Sammelunterkünfte verlassen, sehr vertraut.

Train of Hope

Die zweite Podiumsrunde bildeten die Helfer in und aus der Nordstadt, allesamt selbst Migranten, die zum Teil seit dem enthusiastischen Empfang der Flüchtlingszüge Anfang September aktiv geworden sind und sich haben anstecken lassen. So etwa die Aktivisten Cem Eroğlu und Rozana Chanza vom frisch gegründeten Verein „Train of Hope“, die ihre Schilderungen und Eindrücke von diesen Tagen mit einem Video untermalten. Andere in der Runde engagierten sich bereits zuvor. So etwa Emmanuel Peterson, der im Verein Junge Deutsch-Afrikaner aktiv ist.

Als "Stadtteilvater"aktiv

Auch Hussein Hussein, selbst vor drei Jahren als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, wollte im September die Gelegenheit nutzen, den Neuankömmlingen mit seinen Erfahrungen weiterzuhelfen. Alles sei spontan, aber wunderbar reibungslos gelaufen und alle hätten an einem Strang gezogen. Er bringt sich zurzeit persönlich als „Stadtteilvater“ ein, um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern.

Besser, als alle Image-Kampagnen

Zu guter Letzt saßen Jörn Janssen vom Lions Club und Klaus Wegener vom Rotary Club Dortmund-Hörde auf dem Podium. Zunächst räumten sie mit dem gängigen Vorurteil auf, die Mitglieder seien allesamt einflussreiche Personen. Doch würden sie natürlich die Möglichkeiten nutzen, die ihnen zur Verfügung stünden. Für das Ansehen der Stadt, so Klaus Wegener, hätten die vergangenen Wochen mehr geleistet, als alle Imagekampagnen. Jörn Janssen stellt heraus, dass beim Engagement der Lions die Nachhaltigkeit der Hilfe im Vordergrund steht, etwa durch Bildung und Eröffnung von Berufschancen.

Es wird sehr viel bewegt

Das Publikum ergänzte an vielen Stellen die Podiumsbeiträge. Teilweise bestehen noch Schwierigkeiten bei der Koordination beim Einsatz Freiwilligen Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen. Hinweise zu Webseiten wurden ausgetauscht, wo man sich diesbezüglich anmelden kann. Auch besteht weiterhin Wohnungsmangel für Flüchtlinge. Auch wenn einiges noch als optimierungsbedürftig gesehen wird, so aber bewegt sich insgesamt doch schon sehr viel nach vorne.

"Für die Neugier entschieden!"

Neben sachlichen Fragen und Hinweisen, kamen auch leidenschaftliche Plädoyers auf, die dem gesamten Publikum aus dem Herzen zu sprechen schienen, so dieses einer Teilnehmerin: „Wenn wir auf Fremde treffen haben wir die Wahl: Wir können mit Angst oder mit Neugier reagieren. Ich habe mich für Neugier entschieden.“ Und ungeachtet aller Kritik an einigen Stellen, sprach keiner der Teilnehmer von Unmut oder gar Verzweiflung.

Bereichert statt überfordert

„Auch dass wir hier zwei Stunden ganz ohne dumpfe braune Parolen miteinander sprechen konnten, werte ich als sehr erfreuliches Ergebnis“, so Moderator Kay Bandermann zum Ende des Forums. Oder um es mit den resoluten Worten einer Teilnehmerin zu sagen: „Überfordert? Ich fühle mich nicht überfordert – ich fühle mich bereichert!“
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1 Kommentar
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 09.11.2015 | 16:07  
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