Fahrgastzahlen bleiben stabil

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Verbundenheit mit der Stadt: Neben der BVB-Bahn werden in Zukunft bunte Busse durch die Stadtbezirke fahren. (Foto: DSW21)
 
Neue Stadtbahnzüge werden angekauft, vorhandene modernisiert. (Foto: DSW21)
 
Auch die Busflotte muss angepasst und erweitert werden. (Foto: DSW21)

Die DSW21 hat jetzt eine Verkehrsbilanz für das Jahr 2015 gezogen und Perspektiven für das aktuelle Jahr entwickelt.

Insgesamt vermenldet das Unternehmen 134,4 Millionen Fahrgäste, die das Angebot im vergangenen Jahr nutzten. Das waren zwar 1,3 Prozent bzw. 1,7 Millionen Fahrten weniger als im Jahr 2014, das sei jedoch im Wesentlichen auf statistische Effekte zurückzuführen, so die DSW.

Insbesondere eine geringere Anzahl von Schwerbehinderten infolge eines gesunkenen Schwerbehindertenquotienten ist zu vermelde, und damit ein Rückgang um 1,8 Millionen Fahrten. Bei Berücksichtigung des für das Vorjahr gültigen Quotienten wäre die Zahl der Fahrten gegenüber 2014 (136,1 Mio.) nahezu unverändert geblieben.

Bundesweit stieg die Zahl der Fahrgäste im vergangenen Jahr nach Berechnungen des VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) um 0,5 Prozent auf rund 10 Milliarden Fahrten, im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) blieb sie mit rund 1,14 Mrd. Fahrten etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Zuwächse beim Tagesticket


Im Bartarif, das heißt bei den (EinzelTicketsTagesTickets, 4er und 10er Tickets, erlebte DSW21 erstmals seit vielen Jahren leichte Zuwächse (1,7 %), besonders beim TagesTicket. Zur Einordnung sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Anteil an Fahrten mit Bar-Tickets im vergangenen Jahr lediglich 6 Prozent (2014: 5,8 %) betrug.

Verschiebungen gab es dagegen bei den Zeitkarten (Abonnements und Monatskarten), mit denen 53,2 Mio. Fahrten absolviert wurden. Hier war auffällig, dass eine spürbare Zahl Kunden des Ticket1000 und Ticket2000 zum günstigeren VRR-SozialTicket "Mein Ticket" wechselten. Die Fahrten im Schüler- und Ausbildungsverkehr bewegten sich mit 60,1 Mio. Fahrten auf dem Niveau des Vorjahres.

Unterwegs mit dem Ticket 2000


Insgesamt nutzten zum Ende letzten Jahres 96.400 Abonnenten das Mobilitätsangebot von DSW21, das waren rund 2.800 weniger als im Dezember 2014. Davon erwarben rund 29400 ein Ticket2000, rund 14000 ein Ticket 1000, rund 44000 ein SchokoTicket oder YoungTicketPlus, knapp 3000 ein BärenTicket und knapp 6000 ein FirmenTicket. Um diese Zahlen einzuordnen, kann man einen Verweis auf das Jahr 1990 nutzen: Vor Einführung des Ticket2000 wurden damals nur 5700 Abonnenten bei DSW21 gezählt.

Für das SozialTicket, das als Monatsticket im VRR verkauft wird, hatten sich rund 13800 Anspruchsberechtigte entschieden, im Jahr zuvor waren es 12500.
Fast alle Tickets und Monatskarten sind auch im Online-Shop sowie über die Öffeln- und VRR-App erhältlich. Handy- und OnlineTickets bleiben aktuell zahlenmäßig noch ein Nischenprodukt, dessen Absatz aber stetig steigt. Seit letztem Jahr sind mit dem HappyHourTicket und dem 30-TageTicket zwei reine Online-/Handy-Tickets erhältlich, in Kürze kommt hier noch das 10er Ticket für die Kurzstrecke dazu.

Die Umsatzerlöse – im Wesentlichen aus Fahrbetrieb, Ausbildungsverkehr und Schwerbehindertenabgeltung – stiegen 2015 um rund 4 Mio. Euro von 107,8 Mio. Euro in 2014 auf 111,4 Mio. Euro in 2015 (+ 3 %). Das Betriebsergebnis belief sich in 2015 auf - 53,8 Mio. Euro (Vorjahr - 54,2 Mio. €).

Mehrpoliges Modell ist vom Tisch


Am 17. März dieses Jahres hat der Rat der Stadt beschlossen, die Verkehrsdienstleistungen für Dortmund über 2018 hinaus im Wege der Direktvergabe auf der Grundlage eines "mehrpoligen Kontrollmodells" an die DSW21 zu vergeben. Durch dieses Modell sollte die Stadt mehr Einfluss auf die von DSW21 erbrachten Leistungen erhalten, ohne gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen vornehmen zu müssen.

Eine entsprechende Vorabbekanntmachung bei der EU wollte der VRR nur unter der Voraussetzung auf den Weg bringen, dass jegliches Risiko von der Stadt Dortmund und DSW21 getragen wird. Dazu sollte zum einen eine Notifizierung des Modells bei der EU-Kommission erfolgen und zum anderen durch einen Beschluss der VRR-Verbandsversammlung die Satzung des VRR geändert werden. Nachdem sich im Mai abzeichnete, dass es in der Versammlung keine Mehrheit für eine Satzungsänderung gibt, sind das mehrpolige Kontrollmodell und die Notifizierung nunmehr vom Tisch.

Für den Fall, dass dieses Modell keine Zustimmung findet, wurde in der Ratssitzung am 17. März alternativ die Gründung einer Zwischenholding beschlossen, die der Stadt Dortmund über einen Beherrschungsvertrag Einfluss auf DSW21 einräumt. In der Ratssitzung am 7. Juli wird sich der Rat mit der Ausgestaltung dieses Modells befassen.

Investitionen in Infrastruktur


Für die Erneuerung und Unterhaltung von Fahrzeugen und Infrastruktur werden weiterhin erhebliche Mittel benötigt. Investitionsschwerpunkte sind neben der Fahrzeugbeschaffung und -modernisierung der Austausch von Fahrtreppen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit und des Brandschutzes. Gut drei Jahrzehnte nach Inbetriebnahme der Stadtbahn kommen aber auch Stellwerke und Haltestellen in die Jahre.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und seine Mitgliedsunternehmen – darunter auch DSW21 – fordern seit Jahren, dass Fördermittel wie Regionalisierungsmittel, Entflechtungsmittel oder Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz nicht nur erhalten, sondern an die heutigen Erfordernisse angepasst und zweckgebunden auf die Bundesländer verteilt werden.


Mittel von Bund und Land?


Erfreulich ist die zwischen dem Bund und den Ländern vereinbarte weitere Bereitstellung von Mitteln aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz des Bundes in Höhe von 330 Mio. Euro pro Jahr und die vom Bundestag beschlossene Erhöhung der Regionalisierungsmittel, von der NRW spürbar profitieren soll. Aktuell gibt es aus Düsseldorf positive Signale an die Verkehrsunternehmen, die wie DSW21 Stadtbahnen betreiben. Diesen Unternehmen will das Land erstmals zum Erhalt ihrer Stadtbahnanlagen Mittel zur Verfügung stellen.

Offen ist aber weiterhin, ob darüber hinaus den Ländern auch zukünftig Bundesmittel mit Zweckbindung für die Verkehrsinfrastruktur zufließen werden. Aktuell erhalten die Länder auf der Grundlage des Entflechtungsgesetzes noch bis 2019 rund 1,3 Mrd. Euro jährlich. Diese Mittel dürfen heute nur für Projekte des Straßen- und Schienenverkehrs verwendet werden.

In den Verhandlungen über den Bund-Länder-Finanzausgleich ab 2020 hat die Bundesregierung eine Fortführung der bisherigen Regelung angeboten; zahlreiche Ministerpräsidenten plädieren indes für eine zweckungebundene Zuweisung aller Finanzmittel an die Länder.

Dazu Verkehrsvorstand Hubert Jung: „Die Zweckbindung für Verkehrsprojekte in einer Zeit aufzugeben, in der schon jetzt die Straßen- und Schienennetze jährlich an Wert verlieren, gefährdet langfristig die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Ich bin mir ganz sicher: Wenn die Bundesländer über die heute dem Verkehrsnetz zugedachten Gelder zukünftig frei verfügen dürften, würden sie weniger Geld für Straßen und Schienen bereitstellen. Jeder Landesverkehrsminister würde am Kabinettstisch erleben, dass seine Kabinettskollegen zur Finanzierung ihrer Lieblingsprojekte in ihren Ressorts auf diese Mittel zugreifen würden und ihm nur die Reste übrig lassen würden.“


Ankauf und Modernisierung: die Stadtbahnen


In den nächsten Jahren beschafft DSW21 24 bis 26 neue Stadtbahnen, weitere 64 Wagen werden modernisiert. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt mehr als 150 Mio. Euro und erstreckt sich über mehr als zehn Jahre. Zurzeit befindet sich DSW21 in der Angebotsprüfung des Vergabeverfahrens und strebt eine Zugschlagserteilung Anfang 2017 an. Die Lieferung des ersten neuen Fahrzeugs wäre dann 2018 möglich.

Wenn das erste Fahrzeug auf die Schiene geht, kann die Modernisierung der 64 Stadtbahnen, die DSW21 zwischen 1986 und 1999 beschafft hat, beginnen.
Neue wie modernisierte Fahrzeuge werden sich dann durch eine einheitliche Gestaltung des Innenraums inklusive der Verbesserung der Fahrgastinformation und des Leitsystems, z.B. durch farbliche LEDs an den Türen, auszeichnen. Alle Fahrzeuge erhalten effiziente Wärmedämmung, optimierte Belüftungsanlagen, klimatisierte Fahrerräume und größere und von allen Türen erreichbare Sondernutzungsflächen, z.B. für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen.

Um das zulässige Gesamtgewicht trotz der erhöhten Last auf den Mehrzweckflächen nicht zu überschreiten, wird sowohl bei den neuen als auch bei den modernisierten Bahnen auf ausklappbare Trittstufen verzichtet. Diese werden zurzeit nur noch an den Haltestellen Kohlgartenstraße, Voßkuhle, Lübkestraße, Max-Eyth-Straße und Stadtkrone Ost benötigt, weil es hier bislang keine Hochbahnsteige gibt. Dazu ist DSW21 mit der Stadt im Gespräch, diese Bahnsteige auf Fahrzeugniveau anzuheben, sodass die Fahrgäste auch hier künftig stufenlos ein- und aussteigen können.

Neues bei der Busflotte


Nicht nur im Stadtbahnbereich, auch im Busbereich führt DSW21 kontinuierliche Flottenerneuerungen durch: Ende 2015 traten sieben Gelenkbusse ihren Dienst an, Anfang 2016 folgten 13 Gelenkbusse und sechs Solobusse. Im Sommer 2016 werden weitere 15 Busse dazu kommen. Die Beschaffung erfolgte wie in den Vorjahren über die Kooperation östliches Ruhrgebiet (KöR). Alle 170 Busse bei DSW21 haben damit eine grüne Plakette, fast ein Drittel (53) könnte dank der EURO VI-Norm sogar die blaue Plakette erhalten.

DSW21 ging beim Thema aber auch noch andere Wege und testete im vergangenen Jahr zusammen mit den KöR-Unternehmen einen so genannten Leichtbaubus. Die Hoffnungen auf eine deutliche Kraftstoffersparnis konnten sich nach der Praxisphase und ihrer Auswertung jedoch nicht bestätigen. DSW21 wird das Thema jedoch genau wie die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und Elektro-Bussen weiter beobachten.

Seit Anfang dieses Jahres zeigt DSW21 seine Verbundenheit mit der Stadt mit individuell gestalteten Stadtbezirks-Bussen. Nach Hombruch und Hörde werden nach und nach sieben weitere bunte Busse folgen.


Ausbau, Umbau, WLAN: die Haltestellen


Verbreiterte Bahnsteige, zusätzliche Treppen, Fahrtreppen und Aufzüge – die Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof wird deutlich erweitert. Damit wird dem gestiegenen Fahrgastaufkommen dieses wichtigen Knotenpunktes durch den Umbau mit einem Volumen von 37 Mio. Euro Rechnung getragen. Bauarbeiten finden abgetrennt vom Bahnsteig hinter einer massiven Baustellenwand statt. Nach Abschluss der Erdarbeiten werden nun die alten unterirdischen Außenwände der Stadtbahnanlage abschnittsweise abgebrochen und durch eine Stützenreihe ersetzt.

Ab Oktober 2016 wird der Nordausgang mit der dort befindlichen Treppen- und Rampenanlage in zwei Abschnitten umgebaut. Diese Arbeiten werden bis etwa April 2017 andauern. Die neuen mittleren Treppenanlagen stehen dann ab Mitte 2018 zur Verfügung. Die Umbau- und Erweiterungsarbeiten der Stadtbahnanlage, für die die Verantwortung beim Tiefbauamt der Stadt liegt, sollen Ende 2019 abgeschlossen sein.

Auch die Arbeiten der B1-Untertunnelung der U47 und der Neugestaltung der Kreuzung B1/Marsbruchstraße schreiten gut voran. Nach umfangreichen Gleisbauarbeiten konnte die neue Haltestelle Allerstraße/LWL-Klinik am 23. Mai bereits eingleisig in Betrieb genommen werden. Wenn die weiteren Tunnel- und Gleisbauarbeiten planmäßig verlaufen, wird die U47 ab Mitte November die B1 unterirdisch queren, sodass sich Stadtbahn und Individualverkehr hier nicht mehr stören. Auch bei dieser Baumaßnahme liegt die Federführung beim Tiefbauamt.

Der barrierefreie Ausbau der Ost-West-Strecke schreitet auch bei den Informations- und Hilfesystemen voran. An 23 Haltestellen der Linien U43 und U44 wurden Notruf- und Informationssäulen (NI-Säulen) installiert. Das vom VRR geförderte Projekt mit einem Volumen von insgesamt 7,2 Mio. Euro verbessert für behinderte Menschen die Möglichkeit der Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr. Weiterhin werden zurzeit an den unterirdischen Haltestellen dieser Strecke taktile Leitsysteme entlang der Bahnsteige eingebracht.

An den Haltestellen Reinoldikirche, Stadtgarten, Kampstraße und Hörde Bahnhof bietet DSW21 in Kooperation mit Dokom21 seit einiger Zeit WLAN-Hotspots an, DSW21-Abonnenten genießen hier besondere Konditionen.

Kundenbetreuer auf Tour


Seit dem 1. Juni sind 20 Kundenbetreuer im Netz von DSW21 unterwegs. Ihre Aufgabe: Beim Ein- und Aussteigen helfen, zum Sitzplatz begleiten, Fahrplanauskünfte geben und Präsenz zeigen. Eine Hilfe, die besonders die älteren Fahrgäste zu schätzen wissen. DSW21 hat in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter in über zehn Jahren bereits mehr als 550 Langzeitarbeitslose befristet für Aufgaben in der Kundenbetreuung und bei Serviceleistungen eingesetzt. Die Kundenbetreuer sind Teil des Bundesprogramms "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt", das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird.

Wer bei DSW21 ohne gültige Monatskarte bzw. Abo oder abgestempeltes Ticket unterwegs ist, muss seit dem 1. August ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro zahlen. Rund 2,1 Prozent der Fahrgäste können bei Kontrollen keinen gültigen Fahrschein vorweisen. Doch auch diese vergleichsweise geringe Prozentzahl bedeutet für das Unternehmen hohe Verluste, etwa vier Mio. Euro pro Jahr.

DSW21 hat in kleinen Fahrplanwechseln im Januar und Juni kleinere Änderungen im Fahrplan durchgeführt. Zurzeit wird untersucht, wie eine Optimierung des gesamten Leistungsangebotes erfolgen kann. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit einem externen Gutachter, die Umsetzung wird in Abstimmung mit der Stadt Dortmund und unter Berücksichtigung des Nahverkehrsplans erfolgen und nicht vor 2017 beginnen.

Eine besondere Herausforderung bewältigte der Verkehrsbereich im Herbst 2015, als Tausende Flüchtlinge am Hauptbahnhof ankamen. Mitarbeiter von Leitstelle bis hin zum Fahrdienst waren mit der Fahrtdisposition und der Bereitstellung von Bussen und Personal maßgeblich an einem reibungslosen Ablauf der Verteilung in ganz NRW beteiligt. Oft bis in die Morgenstunden sorgten die Kollegen im Führungsstab, in der Leitstelle oder am Lenkrad dafür, dass die Flüchtlinge möglichst schnell ihre Einrichtung erreichten.
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