Frischzellenkur im Viertel - Neues Projekt Unionviertel.Kreativ holt mit 1.3 Millionen Euro weitere Kreative ins Dortmunder Quartier

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Kreative und Stadt rücken zusammen, um das Unionviertel und die Rheinischestraße für Start-Ups interessant zu halten: Die Gründer von Tapir Media (l.) und Stadtdirektor Jörg Stüdemann (r.).
 
Subkultur und Hochkultur, junge Gründer und bereits etalblierte Strukturen machen das Vietel bunt.
Dortmund: Rheinischestraße |

Das sich verändernde Viertel zwischen Dortmunder U und Dorstfeld ist als ein Quartier für Künstler und Jungunternehmer mit über 30 Kreativschmieden bekannt. Nun pusht das Projekt „Unionviertel.Kreativ“ die Aufbruchstimmung weiter.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Wirtschaftsförderung, Kulturbüro, dem Dezernat Umwelt, Planen und Wohnen der Stadt Dortmund mit der neugegründeten Genossenschaft „InWest“.
Unterstützt durch 1.3 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und Bundes (80%) und der Stadt (20%) kümmert sich das Team von InWest darum mit Hauseigentümer und Vermietern zu sprechen, Leerstände für fünf Jahre anzumieten und die Räume für 5 Euro pro Quadratmeter Durchschnittsmiete an junge Kreative und Gründer weiterzugeben. Die ersten Renovierungsmassnahmen werden von der Genossenschaft vorbereitet und Vorschläge für den Aus- und Umbau mit den Neumietern entwickelt.
Neben der Organisation von Gewerbe- und Arbeitsfläche hilft ein Unternehmensberater Gründern bei der Qualifizierung, Förderung und Business-Plänen.
Bei Marketing, Websiteentwicklung, Merchandise und klassischer Werbung für die eigene Kreativfirma hilft die Genossenschaft ebenfalls, wenn sie im Gegenzug Teil der Genossenschaft wird.

"Viele Design-Studenten gehen nicht mehr weg, sondern sie bleiben" (Jörg Stüdemann)

Stadtdirektor Jörg Stüdemann spricht zur Neugründung von InWest bereits von „vorzeigbaren Ergebnissen“. Neben e-c-c-e und dem Dortmunder U als Zentrum für Kunst und Kreativität sei auf Grundlage der Pionierarbeit des fünfundzwanzigjährigen Engagement des Union Gewerbehofs und des Schaffens von Heimatdesign das Viertel zu einer Toplage für Kreative geworden.
Dabei sei seit 2005 die Leerstandsquote von 8% aktuell auf 2% zurückgegangen und „die Hauseigentümer haben sich entschloßen zu investieren, ihre Häuser zu renovieren“, führt Stüdemann weiter aus und ergänzt, dass „das Unionviertel auch bei den vielen FH-Design-Studenten beliebt ist, die nicht mehr wie vor zehn Jahren nach Köln oder Berlin gehen, sondern in der Stadt bleiben. Und das für länger. Zwar gibt es bei der Presse und im Bereich Musik eine depressive Entwicklungsstimmung in der Stadt, aber bei den Architekten, ITlern und Designern sieht es in der Kreativwirtschaft blendend aus.“
Silvia Beckmann von der InWest-Genossenschaft hat 1000 Quadratmeter Gewerbefläche für Kreative angemietet, wovon bereits 500 Quadratmeter weitervermietet sind. Davon auch an Unternehmer im Bereich Ergotherapie und Bau. Gerne würden aber mehr Kreative an der Rheinischenstraße gesehen. Wie Daniel Treu, Daniel Hacker und David Doehrer, die unter dem Namen „Tapir Media“ Kreativleistungen in den Genres Film, Foto, Grafik und Web in der Rheinischenstraße 12 anbieten und gerade ihr Ladenlokal fitmachen. Bis 2018 sollen 4000 Quadratmeter Gewerbefläche durch die Genossenschaft erschlossen sein.

"Das ist das mutigste und kreativste Quartier Dortmunds" (Thomas Westphal)

Stadtplanungsdezernent Ludger Wilde sieht die Zusammenarbeit von Kreativ-Genossenschaft und Stadt im großen Kontext der Stadtteilentwicklung um das Dortmunder U. „Hier laufen 30 Projekte. Und auch dieses Schlüsselprojekt soll Umfeldverbesserung schaffen, Leerstände abbauen und Arbeitsplätze entstehen lassen“, betont Planungsdezernent Wilde.
Auch die anderen Projektpartner der Stadt zeigen sich begeistert. Kulturbüroleiter Kurt Eichler spricht von einem „besonders kohärenten Konzept, das bundesweit einzigartig ist“, während Wirtschaftsförderungschef Thomas Westphal das Unionviertel schon als „längstes, mutigstes und kreativstes Quartier Dortmunds“, sieht.
Eine Website für das Quartier und die Unterstützung von Seiten bestehender Projekte aus dem Kunst- und Kreativbereich im Viertel, wie Heimatdesign, Emerging Artists, Schau-Festival und Kreativwoche, sind realisiert oder in Planung.
Einer Gentrifizierung möchte man mit stabilen Mietpreisen entgegenwirken. Jedoch kann die Genossenschaft nur versuchen auf die Hauseigentümer im Viertel einzuwirken. Was diese mit ihrer Immobilie machen, bleibt natürlich ihnen überlassen.
12.6% gewerbliche Fläche gibt es zur Zeit noch ungenutzt längs der Rheinischenstraße. Interessenten für das Unionviertel als Gründungsstandort können sich bei Silvia Beckmann unter Tel. 0231-985 31 585 und Tel. 0163 47 30 321 oder via e-Mail an silvia.beckmann@inwest-do.de melden.
Dass die Menschen ein Viertel ausmachen, das trotz hohem sozialen Gefälle durch die Verknüpfung von Kultur und Urbanität - ob nun gesteuert durch Programme wie Stadtumbau West oder individueller Initiative aus der Subkultur - sich anschickt eine Vorzeigeentwicklung in Deutschland durchzumachen, scheint von den verschiedenen Akteuren verstanden worden zu sein. Das Bunte und Individuelle als Chance zu sehen ist ein Verdienst, den sich die Menschen im Quartier auf die Fahne schreiben können: vom Gewerbehof über die zahlreichen Ateliers, vom Jungunternehmer zum Lebenskünstler, über die Think Tanks und Netzwerke, kleiner Gastronomie, vom Studi- zum Mini-Club, von der Vinyl-Schatzkammer zum Speiseraum für Obdachlose, von der Streetart bis hinein in die Etagen des Dortmunder U - das Viertel atmet, pumpt und keimt.
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