Gedenken an Drogenopfer

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Steine mit den Namen von Drogenopfern erinnern in der Nähe der Haltestelle Stadtgarten au die Toten. (Foto: Archiv)

Der 21. Juli ist der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten. In Dortmund erinnern Gedenksteine im Stadtgarten an diejenigen, die ihre Drogensucht nicht überlebt haben.

Zum 15. Mal wird der Tag vom Elternkreis drogenabhängiger Kinder, der DROBS, dem Gesundheitsamt, der AIDS-Hilfe, der Nachsorge, PUR e. V. und Pastor Andreas Bäppler gestaltet. Im Stadtgarten, nahe der U-Bahnstation, befindet sich ein Gedenkstein, an dem sich jährlich Freunde, Angehörige und Mitarbeiter der Drogenhilfe zusammenfinden um mit Kerzen, weißen Luftballons, Musik und
Ansprachen der Drogentoten zu gedenken.

Im letzten Jahr wurden in Dortmund nach offiziellen Angaben neun Drogentote verzeichnet, die an einer Überdosis starben. Mindestens 25 weitere Drogenabhängige starben an Suchtfolgeerkrankungen wie Leberzirrhose, Herzerkrankungen, Hirnblutungen und Entzündungen. Bei vielen Langzeitgebrauchern wird Heroin zumeist in Kombination mit anderen Drogen bzw. Alkohol konsumiert. Diese „Cocktails“ erhöhen die Gefahren deutlich.

Die Drogenhilfe hilft hier mit Mitteln wie der Substitutionsbehandlung, dem Drogenkonsumraum, der medizinischen Versorgung und Spritzentauschprogrammen. Kriminalisierung, verunreinigter Stoff, Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung verursachen massive Schäden an Körper und Seele, die Drogenkonsumenten im Vergleich zur Restbevölkerung im Schnitt um 15 Jahre früher altern und erkranken lassen. „Nicht das Heroin bringt die Menschen um, sondern die Bedingungen der Illegalität haben tödliche Auswirkungen“, so die Drogenhilfe. Die Illegalität treibt die Menschen in die Kriminalität, in Prostitution und Obdachlosigkeit mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgeerscheinungen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass allein repressive Maßnahmen an der schwierigen Situation von Drogengebrauchern und an den Konsequenzen für das gesellschaftliche Umfeld nichts ändern.

Seit 1992 fordert auch die Polizei immer wieder einen anderen Umgang wie etwa eine kontrollierte Freigabe einer Tagesdosis harter Drogen. Auch Polizeipräsident Gregor Lange regte kürzlich an, eine kontrollierte Abgabe von harten Drogen an Süchtige zu ermöglichen. „Wir treten seit mehr als 20 Jahren auf der Stelle und nehmen den Tod zahlreicher Menschen in Kauf. Zwar wurde das Hilfesystem seit Anfang der 90er Jahre ausgebaut, es unterliegt jedoch einem stetigen Wandel. So wurde die Übernachtungsstelle für drogengebrauchende Menschen geschlossen, aber das Café Berta als „Trinkerraum“ eröffnet und die Zeiten der Drogenhilfeeinrichtung „Kick“ mit seinen Drogenkonsumräumen verlängert“, so die Drogenhilfe.

In Dortmund hat sich der Drogenkonsumraum in der Trägerschaft der Aidshilfe seit 2002 erfolgreich etabliert. Anfang der 90er Jahre gab es in Dortmund noch 54 Todesfälle, im Jahr 2000 waren es immer noch 45.

Allein in Dortmund konnten 95 lebensbedrohliche Überdosierungen direkt im Drogenkonsumraum erfolgreich behandelt werden. Hätten diese Menschen nicht unter Aufsicht konsumiert, wären sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nach gestorben.
Daneben bietet der Konsumraum ein vielfältiges niedrigschwelliges Angebot: Vom Tausch gebrauchter Spritzen über Informationen und Beratung, der Vermittlung ins Hilfesystem, einer kostenlosen medizinischen Versorgung, dem Kontakt-Café als Ruhe- und Rückzugsraum vom Szene-Alltag mit verschiedenen Verpflegungsangeboten bis hin zu Möglichkeiten der Körperpflege.

„Ein unnötiges und unter Umständen tödliches Hindernis des Drogenkonsumraums ist die Auflage, dass nur in Dortmund gemeldete Drogengebraucher diesen nutzen dürfen. So werden immer wieder Menschen abgewiesen, die unter hygienischen Bedingungen konsumieren wollen, nur weil sie ihren Wohnsitz nicht hier haben, oder aber diesen auf Grund fehlender Ausweispapiere nicht nachweisen können“, erklärt die Aidshilfe.

In mancher Hinsicht ist Dortmund schon weiter als viele andere Kommunen in Deutschland; der Drogenkonsumraums hat sich seit vielen Jahren bewährt. Ein weiterer wichtiger Baustein der Drogenhilfe ist die Vergabe von Diamorphin sowie der Abbau unnötiger Hürden, um die vorhandenen Angebote für alle Betroffenen zugänglich zu machen. Dies fordert die Drogenhilfe seit 2009. Es ist die Aufgabe der niedrigschwelligen Drogenhilfe, die Würde drogenabhängiger Menschen einzufordern, ihrer Verelendung Einhalt zu gebieten, Leben zu retten und Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
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Jörg König aus Menden (Sauerland) | 03.08.2016 | 03:21  
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