Kita-Streik: Familien sind Leidtragende

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Wohin mit dem Kind, wenn ab Montag die Fabido-Kitas bis auf sechs Not-Kitas geschlossen sind? Wie hier beim Warnstreik wollen Erzieher unbefristet streiken.

Nicht nur auf Verständnis, sondern auch auf Empörung und Wut trifft bei Eltern die Nachricht, dass die Erzieher der 102 Fabido-Kitas ab Montag streiken - und das unbefristet. "Denn nicht die Arbeitgeber, sondern die Familien sind die Betroffenen", meint der Dortmunder Stadtelternrat.

Auf stadtweit 140 Notbetreuungsplätze in sechs Kitas einigte sich die Stadt jetzt mit ver.di. Schon seit Februar führen ver.di und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber einen Arbeitskampf. Ver.di verhandelt für die ErzieherInnen und Kita-Leitungen eine Verbesserung in den tariflichen Eingruppierungen. Ein Ziel, dass in den Verhandlungen 2009 und auch mit den damaligen Streiks nicht erreicht werden konnte.

Anforderungen sind gestiegen

Schon Ende März gingen Dortmunder Erzieher auf die Straße: Sie fordern dringend Veränderungen, da sich in dieser Sache seit 25 Jahren nichts geändert habe, unabhängig von den stetig zugenommenen Anforderungen an sie.
„Die Interessen beider Seiten sind nachvollziehbar und eine Auseinandersetzung hierüber sicherlich sinnhaft und gesamtgesellschaftlich betrachtet notwendig“, sagt Christian Haselhoff, Vorsitzender des Stadtelternrates.
Allerdings halten er und sein Vertreter Mattis Köglereinen Erzwingungsstreik für das absolut falsche Mittel, um Verbesserungen zu erzwingen. „Die Auswirkungen von einem dauerhaften und unbefristeten Streik in Kindertagesstätten treffen hauptsächlich die Eltern und ihre Kinder“, wissen die beiden Elternvertreter, die täglich E-Mails von betroffenen Familien bekommen.

Nicht alle Eltern haben Verständnis

Sie schildern ihre Betroffenheit und beschreiben unterschiedliche Sichtweisen: Zum Arbeitskampf insgesamt, den konkreten Inhalten, der demonstrierten Streikentschlossenheit der Dortmunder Erzieher und ihrer Interessenvertretung ver.di, aber auch zum Verhalten der kommunalen Arbeitgeber. Die Bandbreite erstreckt sich von Verständnis über Empörung und Ärger bis hin zu großem Unverständnis und Wut.

Eltern stornieren Familienurlaub

Die Betroffenheit der Eltern und Kinder zeigt sich dabei vielschichtig: „Urlaubstage müssen aufgebraucht werden, geplante Erholungsurlaube müssen dafür abgesagt werden, hierdurch entstehen zum Teil Kosten, oder unbezahlter Urlaub muss genommen werden“, zählen die Vorsitzenden des Stadtelternrates die Auswirkungen des Streiks auf. „Gehaltseinbußen entstehen, die allgemeinen Lebenskosten bleiben aber erhalten“, wissen sie. Auch, dass Beschäftigungsverhältnisse in Gefahr gerieten, denn während einer Probezeit dürfe jederzeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden und manche Arbeitgeber zeigten kein Verständnis und Entgegenkommen.

Geht nicht spurlos an Kindern vorbei

Hinzu komme für Selbständige und Lehrer, dass sie nicht spontan Urlaub nehmen können.
Und der Streik gehe auch nicht spurlos an den Kindern vorbei: Kinder unter drei Jahren und Kinder mit besonderem Förderbedarf seien besonderen Belastungen ausgesetzt, diese könnten nicht einfach mal eben durch andere Eltern oder auf Notplätzen in einer fremden Umgebung betreut werden.

Aktionen müssen abgesagt werden

Ausflüge, Projekte und andere mit ehrenamtlichem Engagement der Eltern geplante und teilweise auch kostenpflichtige und durch Fördervereine finanzierte Aktionen müssten abgesagt werden. Ebenso Sommerfeste und Feste zur Verabschiedung der Vorschulkinder.
„Mit jedem weiteren Streiktag verschiebt sich der Zeiger auf dem Stimmungsbarometer in Richtung Ärger, Unverständnis und Wut“, ist sich Christian Haselhoff sicher und er fügt hinzu: „Die vielfältige Betroffenheit der Eltern führt dann immer mehr zu einem emotionalen Erleben, welches ein Verständnis für die Erzieherinnen und die Kommunen nicht mehr möglich macht.“

Eltern zwischen den Fronten

Die Eltern und die Kinder fühlten sich zwischen den Fronten der kämpfenden Parteien und erleben sich ohnmächtig und rücksichtslos behandelt.
Daher fordert der Stadtelternrat von den Streitparteien ver.di und Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber: „Beenden Sie schnell diesen rücksichtslosen und unverantwortlichen Arbeitskampf!“

Schnell auf Kompromiss einigen

Die Vorsitzenden hoffen, dass sich die Verhandlungspartner nicht erst nach Wochen auf einen Kompromiss einigen. Und sie fordern von ver.di mit FABIDO viele Notplätze in vielen Einrichtungen zu vereinbaren.

"Beiträge ab dem 1. Sreiktag erstatten"

Außerdem begrüßt der Stadtelternrat den Vorstoß gestern im Rat der Stadt Eltern die Beiträge für Betreuung und Verpflegung ab dem ersten Streiktag zu erstatten - ohne die Notwendigkeit, dass Eltern erst einen Antrag stellen müssen.

Sechs Not-Kitas werden öffnen

Im Rahmen eines Gesprächs mit der Gewerkschaft ver.di traf die Stadt eine Notdienstregelung. Insgesamt wurden 140 Betreuungsplätze in sechs Einrichtungen festgelegt. Eine räumliche Verteilung auf das Stadtgebiet konnte sichergestellt werden.
Die Regelung gilt zunächst für die nächsten zwei Wochen, wobei die Platzvergabe auf vier Betreuungszeiträume aufgeteilt wurde. Der erste Betreuungszeitraum geht in der ersten Woche von Montag bis Mittwoch, der zweite gilt nur für den Freitag (Brückentag) und in der darauffolgenden Woche wiederum von Montag bis Mittwoch und zuletzt von Donnerstag bis Freitag.

Eltern können KInd vormerken lassen

Die Eltern können sich insgesamt nur für einen Zeitraum vormerken lassen, um so möglichst viele Eltern an der Regelung teilhaben zu lassen. Bei der Platzvergabe werden berufstätige Alleinerziehende und Eltern, die beide berufstätig sind, bevorzugt berücksichtigt. Studium und Ausbildung sind dabei der Berufstätigkeit gleichgestellt. Alle Notdiensteinrichtungen werden von 7:30 bis 16:30 Uhr die Betreuung, inklusive Mittagsbetreuung, sicherstellen, erweiterte Öffnungszeiten werden nicht angeboten. Sollte der Streik länger als zwei Wochen dauern, so werden Verhandlungen über eine Verlängerung aufgenommen.
Die Tageseinrichtungen werden nicht benannt. Eltern können sich am besten online unter Fabido informieren. Hier sind auch die Info-Hotlines zu finden.
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