Offener Brief: Pfarrer sorgen sich um Quartiersmanagement

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Viele Aktionen, wie hier: Die Nordstadt blüht auf! initieren die Quartiersmanager. (Foto: Archiv/ Schmitz)

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Sierau schreiben die Nordstadt-Pfarrer:

„Sehr geehrter Herr Sierau, besorgt melden wir uns als Pfarrer und Pfarrerinnen der ev. Lydia-Kirchengemeinde in der Nordstadt und der kath. Kirchengemeinden der Pastoralverbünde Dortmund Nordstadt-Ost und Fredenbaum angesichts der geplanten Veränderungen im Quartiersmanagement Nordstadt zu Wort.
Irritiert hat uns insbesondere, dass wir bisher nur vereinzelte sehr unklare Informationen über die Presse erhalten haben. Dies geht unserem Eindruck nach auch dem Großteil der Bewohner so. Der bisher genannte Grund, Sie seien unzufrieden mit der Arbeit der Quartiersmanager, ist uns völlig schleierhaft, da wir vor Ort eine gänzlich gegenteilige Beurteilung haben! Die Bewohner und die Akteure der Nordstadt wurden in den Veränderungsprozess unseres Wissens nach bisher in keiner Weise einbezogen. Sie wurden nicht nach ihrer Meinung und Bewertung
gefragt.

Kürzung des Personals

Aus diesem Grund schreiben wir Ihnen mit der Bitte, uns folgende Fragen zu
beantworten: Wie erste Meldungen verlautbaren ließen, ist eine Kürzung des Personals und der Quartierbüros geplant. Was hat dies für Konsequenzen für die bisher hervorragende Arbeit der Quartiersmanager als Kümmerer im Stadtteil, als Vermittler und Organisatoren, als Berater und Ansprechpartner in so gut wie allen Stadtteilfragen? Welche der bisherigen Dienstleistungen für die Bewohnerschaft fällt weg? Inwiefern kann die Bewohnerschaft in Zukunft weiter durch das Quartiersmanagement gestärkt und unterstützt werden – und zwar flächendeckend über alle Quartiere?

Stets ein Ohr für die Bewohner

Unsere Kirchengemeinden haben bisher gerne Räume für unzählige Nachbarschaftsabende zur Verfügung gestellt, die die Quartiersmanager verlässlich und engagiert organisiert und durchgeführt haben. Sie hatten und haben stets ein offenes Ohr für die Bewohnerschaft und leisten in Zusammenarbeit mit Vertretern der Polizei und des Ordnungsamtes eine enorm wichtige Hilfe zur Selbsthilfe. Sie machen damit Mut und geben den Bewohnern das Gefühl, nicht alleine zu stehen.
So manche entscheidende Lösungsstrategie für Probleme in den Straßen, auf den
Plätzen sowie in der Nachbarschaft wurde in den vielen Jahren des
Quartiersmanagements in diesen Nachbarschaftsforen entworfen.

Wertvolle Erfahrung

Vor allem gelang es den Quartiersmanagern durch ihre wertvollen Erfahrungen in den letzten Jahren immer besser, die Bewohner selbst zu aktivieren – und das trotz der subjektiv und objektiv gestiegenen Belastungen dieses Stadtteils durch verstärkte Armutszuwanderung. Was wird hier in Zukunft wegbrechen?

Werden die Bewohner wieder allein gelassen?

Viele kleine wertvolle Nachbarschafts- und Straßenfeste sind entstanden. Große Quartiersfeste haben sich gerade in den letzten Jahren mehr und mehr etabliert. Gerade bei diesen größeren Veranstaltungen ist die organisatorische Leistung des Quartiersmanagements unersetzlich. Die Akteure und Einrichtungen, die sich in besonderer Weise um eine kulturelle Bereicherung der Nordstadt bemühen, arbeiten längst am Rande ihrer Möglichkeiten und Kräfte. Sie waren und sind sehr dankbar für die ausgezeichnete und professionelle Unterstützung, die sie durch das bisherige Quartiersmanagement erfahren.

Fehlt diese Unterstützung in Zukunft?

Werden wir in der Nordstadt auf Feste wie den „Hafenspaziergang“, der immer mehr gewachsen ist und einen enormen Zuspruch aus der Bevölkerung ganz Dortmunds und der Region erhält, verzichten müssen? Wie soll die Imageverbesserung unseres Stadtteils fortgeführt werden, wenn wichtige Säulen dieser Arbeit den engagierten Akteuren genommen werden? Wir könnten noch viele Gründe anführen, die deutlich für eine Fortführung und einen Ausbau des bisherigen Quartiersmanagements in der Nordstadt sprechen.

Konstruktive Kooperation

Die Kooperation mit allen Quartiersmanager(inne)n war und ist äußerst angenehm und konstruktiv. In vielen Jahren ist hier ein großes Vertrauen zu den Verantwortlichen auch unserer Gemeinden und nicht zuletzt uns Pfarrerinnen und Pfarrern entstanden. Dies hat auch die Kirchengemeinden gestärkt, ihr soziales und kulturelles Engagement für den Stadtteil Schritt für Schritt auszubauen. Wie es heißt, soll ein „Brückenformat“ nun den Übergang zu „Nordwärts“ schaffen.
Dieses Brückenmodell ist offensichtlich nur durch den Druck mehrerer Parteien
zustande gekommen.

Verständnis fehlt

Auch hier fehlt uns das Verständnis dafür, wie wenig sensibel und rücksichtslos mit den Menschen hinter der Arbeit des Quartiersmanagements
selbst umgegangen werden sollte und zugleich offensichtlich ein halbes Jahr in Kauf
genommen werden sollte, in dem keine Quartiersarbeit in der Nordstadt mehr eine
Unterstützung seitens der Stadt bekommen sollte. Jedenfalls war dies der Eindruck.
Sehr geehrter Herr Sierau, wir bitten Sie eindringlich, Ihre bisherige Planung noch
einmal zu überdenken und dafür zu sorgen, dass die bisherige ausgezeichnete
Arbeit aller Quartiersmanager(innen) im zukünftigen Modell des
Quartiersmanagements ihren Widerhall findet. Wenn der Arbeitsbereich der
künftigen Quartiersmanager ausgeweitet werden soll, bitten wir Sie und den Rat zu
prüfen, ob dies einen Ausbau des Personals und nicht eine Stellenstreichung zur
Konsequenz haben muss. Nicht nur die Quantität der Dienstleistung des
Quartiersmanagements in der Nordstadt leidet unter den geplanten Kürzungen,
sondern – dies ist unsere Sorge- schnell auch die Qualität. Mögen Sie persönlich
aufgrund neuer erweiterter Zielsetzungen des Quartiersmanagements unter
„Nordwärts“ „zufriedener“ sein. Wir sehen nicht, wie Sie diese Zufriedenheit für die
Bewohnerschaft und engagierten Organisationen und Einrichtungen in der Nordstadt
erreichen wollen.

Bitte um Einbindung

Wir bitten eindringlich um eine bessere Kommunikation und eine Einbindung in den
Planungsprozess, wo es sinnvoll und wichtig erscheint. Erhalten Sie mindestens die
bisherige Anzahl der Quartiersmanager(innen) aufrecht, damit ein wichtiger Teil der
Arbeit des Quartiersmanagements in gewohnt hoher Qualität in der Nordstadt
fortgeführt werden kann. Ihnen selbst hat die Nordstadt das (bisherige) Modell des
Quartiersmanagements zu verdanken. Erhalten Sie es aufrecht, weil es das mit
Auszeichnung verdient hat und die Nordstadt es mehr denn je braucht!
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer und Pfarrerinnen in der Dortmunder Nordstadt
Ekkehard Brach (ev.)
Christine Dahms (ev.)
Karsten Haug (kath.)
Friedrich Laker (ev.)
Sandra Laker (ev.)
Carola Theilig (ev.)
Ansgar Schocke (kath.)
Daniel Schwarzmann (kath.)
Alfons Wiegel (i.R., kath.)
Birgit Worms-Nigmann (ev.)
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2 Kommentare
405
Jürgen Märte aus Dortmund-Nord | 10.12.2014 | 20:25  
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