Psychisch krank - Inklusion in Dortmund – Wie kann das gehen?

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Wie werden in Dortmund die Belange von Menschen mit Behinderung berücksichtigt?
Darüber sprachen am 1. April 2015 die Teilnehmer des Psychoseseminars mit Friedrich-Wilhelm Herkelmann, Vorsitzender Behindertenpolitisches Netzwerk, und Christiane Vollmer, Behindertenbeauftragte der Stadt Dortmund.

Wenn in den Medien über Inklusion in Dortmund berichtet wird, geht es meist um die Aufnahme behinderter Kinder in Regelschulklassen. Kein Wunder, dass auch im Psychoseseminar darüber gesprochen wurde. In unserem Schulsystem findet eine frühe Selektion bei Kindern ohne Behinderung statt. Wie muss der Unterricht aussehen, wenn nun Kinder mit Behinderung in die Klassen kommen? Eine Mutter erwähnte ihre Erfahrung, dass nicht einmal zunächst gesunde Kinder, die bereits eine Regelschule besuchen und während ihrer Schulzeit psychisch erkranken in der gewohnten schulischen Umgebung bleiben können.

Es geht aber nicht nur um Kinder und Schule.
Inklusion ist das Gegenteil von Ausgrenzung. In einer inklusiven Gesellschaft kann jeder Mensch überall dabei sein, mitmachen. Wie kann das erreicht werden?

Seit 1994 steht in Artikel 3 unseres Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Hier ist vor allem das Handeln des Staates gemeint. So sollen etwa öffentliche Gebäude barrierefrei gebaut sein.
Das im Jahr 2006 von der damaligen Bundesregierung beschlossene Allgemeine Gleichstellungsgesetz (Antidiskriminierungsgesetz) hat das Verhältnis der Bürger untereinander im Blick. Zum Beispiel wenn es um die Gleichbehandlung bei der Bewerberauswahl um einen Arbeitsplatz geht.

Seit dem 21. März 2006 unterstützt und berät das Behindertenpolitische Netzwerk (BPN) den Rat der Stadt Dortmund bei der Aufgabe, die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigungen in Dortmund zu gestalten. Seine Mitglieder werden nicht wie die des Seniorenbeirates gewählt, sondern in ihr Amt berufen. Es sind Vertreterinnen und Vertreter der Menschen mit Behinderungen, der Ratsfraktionen sowie des Ausländer- und des Seniorenbeirates.

Herr Herkelmann und Frau Vollmer stellten eine Kooperation der Stadt mit der Technischen Universität München „Sachstand Projekt Dortmund – sozial innovative Stadt für Teilhabe (DO-IT) vor. Im Rahmen dieses Projektes findet eine Befragung von Dortmunder Bürgern und Bürgerinnen mit Beeinträchtigungen in den Stadtteilen Westerfilde/Bodelschwingh, Eving/Lindenhorst und Homburch über ihre Lebenssituation statt. Die Ergebnisse der Befragung sollen Schwerpunkte für die polische Arbeit in Dortmund ergeben.

Dortmunder Bürger und Bürgerinnen mit Beeinträchtigungen, die gerne zu ihrer Teilhabesituation interviewt werden möchten, können sich wenden an:

Simone Schüller
TU Dortmund
Mail: simone.schueller@tu-dortmund.de
Tel.: 0231 755-4555

oder

Jennifer Eckhardt
TU München
Mail: jennifer.eckhardt@tum.de
Tel.: 01577 3175782

Auch wenn innerhalb dieses Projektes lediglich die Bewohner der drei genannten Stadtteile angesprochen werden, so ist das BNP auch an Informationen von Behinderten anderer Stadtteile interessiert, denn über die Anzahl von Behinderten und deren Lebensumstände gibt es bisher keine verlässlichen Daten.
Für die Teilnahme an der Befragung spielt die Art der Beeinträchtigung keine Rolle. Auch eine amtliche Anerkennung als schwerbehindert ist nicht erforderlich.

Wer gilt als behindert?
In Artikel 1 der UN-Behindertenrechtskonvention wird der Begriff „Menschen mit Behinderung“ so definiert:
Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

Das Heft „Meine Rechte aus der UN-Behindertenrechtskonvention“ vom Dachverband Gemeindepsychiatrie e. V. wurde unter den Teilnehmern des Psychoseseminars herumgereicht.

Sigrid Meyer
, sowohl Stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für seelische Gesundheit e. V. als auch Stellvertretende Vorsitzende des BNP, bot an, das Heft über sie zu beziehen.
Tel.: 0231 94833836 oder E-Mail: si.meyer@gmx.de

Meist geht es wenn von Behinderung die Rede ist um körperliche Leiden. Wie schwierig eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unter Umständen sein kann, dass wissen auch Menschen, die zum Beispiel wegen eines gebrochenen Beines nur kurzzeitig in der Bewegung eingeschränkt sind. Es ist für die meisten gut nachvollziehbar, warum Barrierefreiheit wichtig ist.

Nicht ganz so einfach nachzuempfinden sind seelische Beeinträchtigungen. Eine junge Diskussionsteilnehmerin brachte ein Beispiel aus ihrer Ausbildung, wie man eine Vorstellung von der Schwierigkeit sich als Stimmenhörer zu konzentrieren erlangen kann. Die Übung sieht so aus: Jemand setzt sich vor mich und stellt mir Fragen, die ich beantworten soll. Gleichzeitig redet jemand direkt hinter mir auf mich ein. Eine weitere Person zu meiner Rechten zählt mir vorwärts ins Ohr, eine andere zu meiner Linken rückwärts.

Gehbehinderten kann das Leben durch den Bau von Rampen oder den Einbau von Aufzügen erleichtert werden. Für Menschen mit intellektuellen Einschränkungen sind Informationen und Formulare in einfacher Sprache wichtig. Was ermöglicht seelisch Erkrankten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben?

Hier sind die Betroffenen selbst gefordert, Informationen zu liefern, Vorstellungen zu äußern.
Eine Möglichkeit dazu bietet sich in der Einwohner-Fragestunde, die vor jeder BPN-Sitzung im Rathaus stattfindet. Die Termine finden sich auf der Homepage der Stadt Dortmund (unter Schlagwortsuche: Behindertenpolisches Netzwerk) oder können erfragt werden bei:

Friedrich-Wilhelm Herkelmann
Tel.: 0231 7284070
E-Mail: fw.herkel@arcor.de

oder

Christiane Vollmer
Tel.: 0231 50-25901
E-Mail: behindertenbeauftragte@stadtdo.de

Zu bedenken bei allen Inklusionsbestrebungen ist:
Jeder behinderte Mensch muss selbst entscheiden können, woran er oder wie er teilhaben möchte.
Inklusive Gesellschaft bedeutet Chancengleichheit für alle trotz unterschiedlicher Voraussetzungen.
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