Stadt richtet die Brügmann-Sporthallen für Flüchtlinge her

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Mit 300 Feldbetten und Trennwänden baut die Feuerwehr bis Mittwoch die Sporthallen an den Berufskollegs zu einer vorübergehenden Notunterkunft für Flüchtlinge um.
 
Sozialdezernentin Birgit Zoerner: „Wir haben die rechtliche Verpflichtung Menschen aufzunehmen, das muss uns gelingen und das wird es auch.“ (Foto: Archiv)

Da kurzfristig mehr Flüchtlinge nach Dortmund kommen als erwartet, richtet die Stadt bis Mittwoch die Sporthalle an der Brügmannstraße als Notunterkunft her.

„Wir sind sehr kurzfristig unterrichtet worden“, berichtet Sozialdezernentin Birgit Zoerner von der Entscheidung zu diesem Schritt. Normalerweise erfahre die Stadt am Wochenende wie viele Flüchtlinge in der nächsten Woche kommen. Diesmal wurde jedoch jeden Tag nachgemeldet und statt 30 Menschen, waren es am Ende 69.
„Die Unterbringung in den Sporthallen ist nur eine Notlösung“, betont die Dezernentin. Zwei Krisenstäbe bereiten mit Feuerwehr und der Johanniter Unfallhilfe die Aufnahme der Asylsuchenden vor.

"Wir sind in einer Notsituation"

„Die Entscheidung in eine Halle dieser Größe zu gehen ist ultima ratio“, sagt Birgit Zoerner, „denn das führt auf Seiten der Sportverbände und -vereine zu vielen Umorganisationen.“ Betroffen sind Volleyballer, Handballer, Tischtennisspieler, Hockeyspieler und Basketballer, die die Halle nutzen. Der Spielbetrieb sei jedoch nicht betroffen.
„Wir sind in einer Notsituation, da ruft man nach der Feuerwehr“, weiß Feierwehrchef Dirk Aschenbrenner, der die Sporthallen mit seinem Mitarbeitern mit 300 Feldbetten für bis zu 300 Flüchtlinge ausstattet. Die Sanitäranlagen seien gut geeignet, die Feuerwehr stellt Trennwände auf und Bierzeltbänke und -Tische und richtet einen Spielbereich für Kinder ein. „Wir haben da ja Erfahrung“, berichtet Aschenbrenner, „die Hallen wurden 2012 schon einmal genutzt.“

Johanniter betreuen Menschen vorerst

Betreut werden die Menschen, die vorerst in der Sporthalle leben müssen, von zehn Helfer der Johanniter sowie Ärzten und Rettungsassistenten. Um auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge einzugehen, versuche man Dolmetscher zu organisieren. „Wenn es eine Alternative gegeben hätte, hätten wir die gewählt“, fügt Birgit Zoerner hinzu. Im Sinne der Flüchtlinge sei die Sporthalle wesentlich besser, als eine Westfalenhalle. Derzeit geht sie davon aus, dass statt 30 etwa 50 Flüchtlinge pro Woche nach Dortmund kommen. Und sie rechnet damit, die Notunterkunft in der Sporthalle bis zum Jahresende wieder schließen zu können.

Keine längerfristige Planung möglich

„Die Menschen kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zu uns und müssen sich hier erst orientieren“, erklärt sie, deshalb werden sie nach der Notunterkunft in der Einrichtung Grevendicks Feld untergebracht und ziehen von dort aus in Wohnungen.
Die Stadt verfügt über 200 Plätze in Wohnungen und hat in einer Woche 40 weitere angemietet. Außerdem wurde auf Flächen für mobile Wohneinheiten untersucht. Mehrfach habe die Stadt, um zu planen, vom Land ein längerfristiges Lagebild gefordert, jedoch nicht bekommen. „Und wenn man abends vorm Fernseher sitzt, bekommt man auch nicht den Eindruck, dass es nachließe“, sagt die Dezernentin zum Flüchtlingsproblem. Und auch, dass es Länder gebe, wie den Libanon, die bei rund 4,5 Mio. Einwohnern derzeit insgesamt 1,5 Mio. Flüchtlinge aufgenommen haben.

Zum Hintergrund:

Im Flüchtlingsheim an der Adlerstraße leben jetzt rund 40 Menschen.
Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Pakistan, Serbien, dem Kosovo, Albanien, Sri Lanka.
Zur Zeit leben etwa 2100 Flüchtlinge in Dortmund. 700 davon in Grevendicks feld und den angegliederten Wohnungen.
Alle 1700 Wohnungen, die vorgehalten wurden, sind belegt.
Wenn die beiden Obergeschosse hergerichtet sind, können hier 120 Flüchtlinge eine Bleibe finden.
Wer helfen möchte, kann in der Einrichtung ab Montag Spielsachen, Winterkleidung und auch Kinderbekleidung vorbeibringen. Näheres dazu bei der Johanniter Unfallhilfe, Martin Vollmer, Tel: 0231- 44 23 23 - 0.

Vereine zeigen großes Verständnis

Laut Stadtsportbund (SSB) zeigen die Vereine für die Not der Flüchtlinge großes Verständnis. Natürlich helfe der Sport gerne, wie an allen anderen Stellen auch. Egal, ob es Hausmeistertätig-eiten sind, die Übernahme von Sportstätten, die Integration von Menschen aus allen Kulturen oder im Bildungsbereich.
Bei 150 000 Mitgliedern in 530 Sportvereinen könne man von rund 15 000 ehrenamtlich tätigen Menschen ausgehen. Diese Zahl zeige die gesellschaftliche Wertschöpfung. Die Auswirkungen durch die Sperrung der Sporthallen sind für die Vereine sehr tiefgreifend. Über das Jahresende hinaus, ließen sich keine Lösungen finden, die nicht einschneidende Konsequenzen für den Sport haben werden. Im Bereich der Jugendarbeit seien so laut SSB jahrelange Aufbauarbeiten gefährdet. Der SSB verlangt von der Politik alternative und langfristige Planungen zur Flüchtlingsaufnahme außerhalb der Hallen sowie kurzfristige Hilfen für die Sportvereine.
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