Streit über den B1-Tunnel

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Kommt der Tunnel doch noch irgendwann? Die B1 ist die Hauptverkehrsader durch die Innenstadt und müsste dringend entlastet werden. (Foto: Archiv)

Das Wohnen entlang der B1 im Innenstadtbereich ist für die lärm- und abgasgeplagten Anwohner dort nicht immer leicht.

Sie hofften lange auf den geplanten Tunnel im östlichen Innenstadtbereich. Doch jetzt ist der umstrittene Tunnel bis auf weiteres vom Tisch. Im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans gehört das Projekt nicht mehr zum vordringlichen Bedarf. Ob und wann der Tunnel kommt, steht damit in den Sternen.

Enttäuschend ist das aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK): Ihr Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber kritisiert: „Wir sind verärgert, dass sich die Verkehrsprobleme noch verschärfen. Wenn im Osten und Westen die Autobahn A40 zwar sechsspurig ausgebaut, der B1-Tunnel aber nicht wie geplant gebaut wird, werden die Autofahrer auf dem Dortmunder Teilstück im Stadtgebiet ausgebremst. Ohne den B1-Tunnel führt der Bund seine eigenen Ziele, Engpässe vordringlich zu beseitigen, ad absurdum.“


Ganz anders sieht das die Fraktion der Grünen im Rat:


Ingrid Reuter, Fraktionssprecherin der Grünen: „Wir haben die Pläne für den B1-
Tunnel immer äußerst kritisch gesehen. Das Ziel ist aus unserer Sicht das falsche: Der
Tunnel fördert den Durchgangsverkehr, sorgt für zusätzliches Fahrzeugaufkommen
und dient nicht der dringend nötigen Verkehrs- und Schadstoffreduzierung. Jetzt gibt es zunächst erneut eine weitere Verschiebung. Leider hat man sich nicht komplett von
dem millionenschweren Projekt verabschiedet.

Doch unabhängig davon, ob der Tunnel möglicherweise irgendwann doch noch kommt:
Wir können nicht weitere 20 Jahre lang hinnehmen, dass die Belastungen an der B1
bleiben, wie sie sind. Die CO2-Werte liegen dauerhaft über den erlaubten Grenzwerten
und Lastwagen donnern tagsüber weiterhin über diesen Weg durch die Stadt.
Stadt, Land und Bund müssen sich ernsthaft fragen, ob es nicht an der Zeit ist, die Investitionen in der Verkehrsplanung auf Alternativen zum Pkw- und Lkw-Verkehr zu lenken.

Eine drastische C02-Reduzierung kann nur erreicht werden, wenn auch der motorisierte Verkehr eingeschränkt wird, bzw. energieeffizientere Mobilitätskonzepte zum Tragen kommen. Für die für den Tunnel geplanten 350 Millionen Euro könnte eine Vielzahl von wirklich sinnvollen Maßnahmen umgesetzt werden.“

Durch ihren langjährigen Druck, so die Grünen, konnten schon einige Teilerfolge bei der Reduzierung der Belastung der Anwohner erzielt werden. So sorgten Tempolimits und Nachtfahrverbote für Lkw für eine Verbesserung bei der Feinstaub- und der Lärmbelastung. Aber damit sind nach ihrer Meinung noch längst nicht alle Probleme gelöst.


Auch der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland VCD sieht die Planungen kritisch:


Der VCD begrüßt, dass der B1-Tunnel aus dem vordringlichen Bedarf herausgefallen ist. „Die Stadt sollte sich endlich damit abfinden, dass dieser überteuerte Tunnel nicht
gebaut wird, und entsprechende Konsequenzen ziehen“, forderte der Kreivorsitzende für Dortmund und Unna, Lorenz Redicker, zum Beispiel ganztägige Durchfahrtverbote für Lkw zum Schutz der Anwohner. Auch müssten endlich die Stadtbahnhaltestellen in der Mittelinsel der B1 behindertengerecht ausgebaut werden – an der Lübkestraße etwa durch Fußgängerampeln. Hier sei seit Jahren zu beobachten, dass Fußgänger die sechsspurige B1 an dieser Stelle illegal überquerten - „eine Fußgängerampel würde die Verkehrssicherheit erhöhen“, so die Ansicht Redickers.


Ganz anders ist die Ansicht der SPD zu Thema:


Mit Ärgernis und Bedauern nehmen die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann und Hendrik Berndsen, baupolitischer Sprecher der Dortmunder SPD-Ratsfraktion, zur Kenntnis, dass der B1-Tunnel im neuen Bundesverkehrswegeplan nicht in den „vordringlichen Bedarf“ eingestuft wurde.

„Das ist keine gute Botschaft von Minister Dobrindt für die Dortmunder Bürgerschaft“, so Berndsen. Wenn es dabei bleiben sollte, sei eine Realisierung des rund 2,2 Kilometer langen Tunnelprojektes von der Märkischen Straße bis Höhe B236n vor 2030 nicht möglich. „Für die B1-Anwohner und alle Dortmunder ist das eine schlechte Nachricht“, zeigt sich Berndsen als stellvertretender Vorsitzender im Bauausschuss des Rates verärgert. Er verspricht: „Wir werden alles daran setzen, die Bedeutung des Projekts für die Menschen in Dortmund deutlich zu machen.“

„Mit diesem Auftakt ist die finale Entscheidung noch nicht getroffen“, ergänzt Poschmann. „Deswegen rufe ich alle Bürger dazu auf, an dem sechswöchigen Bürgerbeteiligungsverfahren teilzunehmen, das nun startet. Ich selber werde mich in Berlin selbstverständlich weiter für den B1-Tunnel und die Dortmunder Interessen einsetzen.“

Das Bürgerbeteiligungsverfahren ist unter www.bvwp2030.de zu finden.
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