Wilfried Bos von der TU Dortmund: Nachhilfe von Lehrern in den Ferien - Blauäugigkeit eines Professors

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Dortmund: NRW | Prof. Wilfried Bos, Bildungsforscher an der Technischen Universität Dortmund und Direktor des Arbeitsbereichs Bildungsmonitoring und Schulentwicklungsforschung am Institut für Schulentwicklungsforschung, wartet jetzt mit dem Vorschlag auf, Lehrer sollten gegen Bezahlung vom Land schwächeren Schülern in den Ferien Nachhilfe erteilen: „Man sollte darüber nachdenken, ob immer alle Lehrer sechs Wochen in die Ferien fahren müssen oder ob man nicht einigen ein Angebot macht. ... Du kriegst 5000 Euro extra und arbeitest mit schwächeren Schülern nach. ... Das wäre eine wichtige pädagogische Aufgabe. Es fänden sich sicher Lehrer, die das machen würden.“ Damit will Bos die Sitzenbleiberquote senken, die derzeit bei 2,2 Prozent der Schüler liegt. Das sind über 55.000 Schüler. Dem Sitzenbleiben, das im Übrigen finanziell stark den Bildungsetat belastet, räumt er nur in den wenigsten Fällen Perspektiven ein: „Sitzenbleiben bringt nichts.“

Prof. Bos setzt stattdessen auf rechtzeitige Förderung der Schüler. Und zu diesem Förderbedarf meint er: „Das muss man früher diagnostizieren. Lehrer müssten schon im Oktober merken: Das Kind kommt nicht mit, versteht etwa den Dreisatz nicht. Sie müssten Ressourcen haben, einzugreifen, statt schwächere Schüler mitzuschleppen und erst im Januar einen Blauen Brief zu schicken. Das ist das Versagen von Schule.“ (Zitate lt. DerWesten.de)

Prof. Bos geht ein wenig blauäugig an das Problem der Sitzenbleiber heran. Er setzt nämlich bei gefährdeten Schülern völlig unabhängig von der Leistungsfähigkeit den nötigen Leistungswillen voraus. In solchen Fällen erscheint sein Vorschlag diskussionswürdig, wobei die Nachhilfe allerdings nicht auf die Sommerferien, sondern auf die übrigen Ferien fallen sollte.

Die Ursache für eine Nichtversetzung bei einem Großteil der Schüler ist allerdings nicht deren geringes Leistungspotenzial, sondern mangelnde Leistungsbereitschaft, die bis zur Leistungsverweigerung reicht. Würde Prof. Bos eine Studie über die Hausaufgabenmoral unserer Schüler anstellen, dürfte er zu einem erschreckenden Ergebnis kommen. Ähnlich würde es aussehen, würde man empirische Daten über die Aufmerksamkeit von Schülern erheben, gar nicht zu reden von Störungen mancher Schüler, die den Lernprozess in einer Klasse oftmals erheblich beeinträchtigen.

Unseren Schülern fehlt häufig nicht die nötige schulische Nachhilfe, sondern die nötige Erziehung und Sozialisierung, die ihnen Respekt vor ihrem eigenen Leistungspotenzial abringt und den nötigen Leistungswillen produziert.

Warum soll man manchen Schülern ihren Allerwertesten immer hinterhertragen, nur damit jeder irgendwann einen Abschluss vorweisen kann, der oftmals das Papier nicht wert ist, auf dem er bescheinigt wird? Dadurch ändert man nichts, sondern macht sich selbst nur etwas vor: Kein Kind zurückgelassen. Und die Mitgeschleppten lachen sich insgeheim kaputt.
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Martina Janßen aus Hattingen | 12.07.2017 | 00:39  
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Harald Martens aus Bochum | 12.07.2017 | 08:43  
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Martina Janßen aus Hattingen | 12.07.2017 | 20:34  
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