Aids ist auch nicht mehr das, was es mal war...

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Die Mitgliederversammlung der Aidshilfe votierte personell für Kontinuität: Die seit 2009 amtierenden Vorstandsmitglieder Frank Przibylla und Wolfgang Ullrich wurden wiedergewählt, neu ist Siegfried Modenbach. (Foto: Aidshilfe)

Einerseits hat sich die Situation für HIV-positive Menschen dramatisch verbessert, andererseits entstehen neue Herausforderungen, auch für die Aidshilfe.

Auch wenn es kein Heilmittel gegen HIV gibt: Für die meisten HIV-Positiven hat sichdie Situation in den letzten Jahren massiv verbessert.
In Folge des medizinischen Fortschritts ist die Lebenserwartung Infizierter annähernd normal, bei einer gut behandelten HIV-Infektion ist der tatsächliche Ausbruch der AIDS-Erkrankung inzwischen vermeidbar. Rund zwei Drittel der Betroffenen stehen heute voll im Erwerbsleben – ohne jegliche Leistungseinbußen. Und: HIV-positive Menschen sind, wenn sie wirksam medikamentös behandelt werden, nicht mehr ansteckend.

Michael Mantell, Vorsitzender des Apothekervereins Dortmund, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Mitglied des Kuratoriums der Aidshilfe, dazu: „Infizierte, die wirksam therapiert werden, können das Virus nicht mehr weitergeben. HIV-Positive können unter bestimmten Bedingungen ohne Kondom Sex haben, positive Frauen können problemlos Kinder bekommen und positive Männer gesunde Kinder zeugen – das ist eine Revolution! Auch im Arbeitsalltag ist eine Übertragung von HIV praktisch unmöglich, dementsprechend gibt es auch keine generellen Berufsverbote für Menschen mit HIV mehr.“

Deutschland zählt nach wie vor zu den Ländern mit den geringsten Neuinfektionsraten, nach den aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) infizierten sich in Deutschland in 2012 rund 3400 Menschen – eine stabile Entwicklung seit rund sechs Jahren, die auf die Wirksamkeit der Präventionsarbeit verweist.

In Dortmund haben sich in 2012 nach den offiziellen Angaben des RKI 27 Menschen mit HIV infiziert, damit leben bei uns etwa 700 Betroffene. Besorgnis erregend ist allerdings, dass von den in Deutschland rund 80 000 HIVPositiven geschätzte 14.000 überhaupt keinen HIV-Test haben durchführen lassen:
Sie wissen somit von ihrer Infektion nichts! Über 30 prozent dieser Personengruppe wiederum sind zwischen 25 und 34 Jahren alt. Da all diese Betroffenen nicht behandelt werden, können sie das Virus unwissentlich weitertragen.

Problematisch ist weiter, dass zwei Drittel der HIV-Infektionen erst nach mehr als einem Jahr diagnostiziert werden: Teils haben sich dann bereits klinische Symptome herausgebildet und die Therapie wird deutlich erschwert.
Der RKI-Forderung entsprechend will die Aidshilfe szenenahen Testangebote (z. B. im Gesundheitsladen pudelwohl oder in der Drogenhilfeeinrichtung kick) weiter ausbauen und im Rahmen der Präventionsarbeit in der schwulen Szene deutlich dem Mythos entgegen treten, dass junge Schwule ein geringeres Infektionsrisiko hätten als Ältere.

Ein weiterer Wehrmutstropfen: Nach wie vor halten sich trotz Fakten wie der „Ungefährlichkeit“ HIV-Positiver alte Vorurteile hartnäckig, noch immer gehört HIV zu den gesellschaftlichen Tabu-Themen. Die Folgen: HIVPositive leiden nach wie vor an massiver Ausgrenzung und Stigmatisierung. Unter dem Titel „projektplus“ soll ein Begegnungszentrum eingerichtet werden, vielfältige Formen des Kontaktes und der Kommunikation sollen dort Stigmatisierung und Diskriminierung entgegenwirken.
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