Böse Überraschung an der Haustür

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Schnell ist es passiert, und meist immer dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann: Der Schlüssel zur Wohnung ist abgebrochen, steckt in der Tür oder ist verlorengegangen.

So ist es auch einem unserer Leser (Name der Red. bekannt) ergangen: Am späten Abend gegen 22 Uhr brach ihm beim Aufschließen der Tür der Schlüssel ab. Beim Nachbarn suchte der Mann im Internet nach einem Schlüsseldienst und fand einen vermeintlichen Dortmunder Anbieter, der günstige Preise bot. Am Telefon bekam der Kunde die Auskunft, der Einsatz würde wegen der späten Uhrzeit etwa 100 Euro kosten.

Der Mitarbeiter, der dann kam, verlangte 250 Euro per Vorkasse und sagte, wenn der Kunde nicht sofort bezahlte, würde er wieder gehen. Der Kunde biss in den sauren Apfel und zahlte. Der Mitarbeiter öffnete die Tür und wechselte das Schloss aus. Für das Schloss fiel ein Materialpreis von zehn Euro an, 240 Euro bekam der Schlüsseldienst für das Öffnen der Tür und das Auswechseln des Schlosses.

Was sagt die Verbraucherzentrale zu solch einem Fall und gibt es solche Beschwerden öfter? Das fragten wir die Verbraucherberaterin Ilona Schweiger.

„Zunächst einmal hat der Kunde insofern richtig gehandelt, dass er einen lokalen Schlüsseldienst beauftragt hat. Einen großen Bogen sollte man um die Anbieter machen, die mit A... ganz vorne im Telefonbuch stehen, rät die Verbraucherberaterin. „Diese Firmen sitzen irgendwo, aber in der Regen nicht vor Ort und verlangen meist völlig überhöhte Preise, indem sie eine Notsituation ausnutzen.“

Im konkreten Fall hätte der Kunde den Monteur unverrichteter Dinge wieder wegschicken können, denn die Leistung, die am Telefon zum vereinbarten Preis angeboten wurde, wollte der Monteur ja so nicht ausführen. Der Kunde hätte auch dann die Anfahrt nicht bezahlen müssen, so die Verbraucherberaterin. Mehr als rund 15 Prozent Abweichung vom zuvor ausgehandelten Preis sollte der Kunde nicht akzeptieren.

„Im Endeffekt sollte der Kunde nur den vereinbarten Preis zahlen, im Notfall könnte er auch die Polizei einschalten und eine Anzeige gegen den Mitarbeiter erstatten. Hat er erst einmal gezahlt, dann sieht es für eine Erstattung der Kosten schlecht aus.“ Zur Klage gegen die Firma rät Ilona Schweiger nur Personen mit einer Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbehalt.

Nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale gehen die Abzock-Fälle bei Schlüsseldiensten aber zurück. „Früher gab es sehr viele Reklamationen, das ist weniger geworden.“

Die Dogewo21 schreibt zum Thema: „Zwei Drittel aller Telefonbucheinträge gehen auf nur rund sechs Prozent der Schlüsseldienste zurück, wie das Verbraucherportal geld.de bei einem Vergleich von mehr als 2000 Anbietern mit mehr als 10 000 Telefonnummern herausgefunden hat. Für Kunden ist das System kaum zu durchschauen: Eine zentrale Firma schaltet viele verschiedene Rufnummern, die alle in ein- und demselben Callcenter auflaufen. Von dort werden dann Monteure in Bewegung gesetzt, die auf Provisionsbasis arbeiten. Dort wird versucht, Höchstpreise durchzudrücken.“

Üblich ist ein Preis von 60 Euro am Tag, nachts seien es rund 95 Euro. (Dogewo21, Ausgabe Nr.2/2013

Noch ein paar Extratipps:

Ist Gefahr im Verzug, weil beispielsweise ein Kleinkind unbeaufsichtigt in der Wohnung ist oder das Essen auf dem Herd kocht, dann kann man auch die Feuerwehr rufen.

Sinnvoll kann es auch sein, einen Ersatzschlüssel bei Nachbarn, Freunden oder Verwandten zu deponieren.

Für alle Fälle kann man sich die Nummer eines ortsansässigen Unternehmens, das man vielleicht durch Empfehlung von Nachbarn oder Freunden kennt, bzw. mit dem man selbst gute Erfahrungen gemacht hat, notieren und bei sich tragen oder im Handy einspeichern – dann gibt es keine böse Überraschung mit dem Schlüsseldienst.
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