15 Jahre Drogenkonsumraum in Dortmund – erfolgreiche Bilanz im Gegensatz zum Bundestrend

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Vor genau 15 Jahren wurde der Dortmunder Drogenkonsumraum in Trägerschaft der aidshilfe dortmund e. v. eröffnet – nach intensiven politischen Diskussionen und als vierte derartige Einrichtung in NRW. Die Gesamtbilanz ist äußerst positiv und verweist auf die Notwendigkeit, vergleichbare Einrichtungen bundesweit einzurichten. Der von der Bundesdrogenbeauftragten aktuell veröffentlichte, erneute Anstieg der Gesamtzahl der Drogentoten in Deutschland belegt einmal mehr das Scheitern ihrer vornehmlich auf Repression ausgerichteten Strategie.
Die Einrichtung des Drogenkonsumraums in Dortmund ist unzweifelhaft eine Erfolgsgeschichte – und zwar ordnungs- als auch drogenpolitisch. An dieser Stelle sei nur auf einige markante Daten verwiesen, die die 15-jährige Arbeit in der Drogenhilfeeinrichtung kick dokumentieren: - Über 470.000 Mal konsumierten Dortmunder Abhängige im Drogenkonsumraum – zu über 90% Heroin.

Die Inanspruchnahme ist dabei Jahr für Jahr gestiegen. - In all diesen Fällen konnte das Infektionsrisiko mit HIV/Aids oder Hepatitis durch hygienische Konsumbedingungen deutlich reduziert werden, in keinem Fall endete das „Russische Roulette“ Drogenkonsum tödlich: Bei 1.400 Notfällen konnten die Klienten durch unmittelbare Erste-Hilfe-Maßnahmen gerettet werden. - Inzwischen wird zu über 60% inhalativ konsumiert – bundesweit die höchste Rate und ein Erfolg der kontinuierlichen „safer-use-Bemühungen“, ist doch das „Blech rauchen“ im Vergleich zum intravenösen Konsum die gesundheitsschonendere Variante. - Mehr als 63.000 medizinische Hilfen (einschl. HIV-/Hepatitis-Testungen) durch Ärztin/Krankenpflegepersonal wurden geleistet, die schlechte gesundheitliche Situation vieler Drogenabhängiger so deutlich verbessert.

- Die Sozialarbeiter führten über 16.000 intensive Beratungsgespräche durch, weitere 5.500 Klienten konnten in weiterführende Einrichtungen (v. a. Entgiftungsbehandlungen) vermittelt werden. - Mehr als 2,67 Millionen gebrauchte Spritzen oder Kanülen wurden entsorgt – den Abhängigen jeweils im Tausch „1:1“ sterile Utensilien ausgehändigt. Neben den direkten positiven Effekten auf individueller Ebene (Reduzierung von Folge-/Begleiterkrankungen, psychosoziale Stabilisierung, Initiierung von Ausstiegsprozessen) konnten also auch die Belastungen für andere Bürger reduziert werden – etwa hinsichtlich öffentlicher Spritzenfunde oder öffentlichem Konsumgeschehen.

So positiv die Lage auf kommunaler Ebene ist – nicht zuletzt dank breiter politischer Unterstützung und einer kontinuierlichen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Ordnungs- und Sicherheitsbehörden: Die bundesweite und rechtliche Situation gibt nach wie vor Anlass zu großer Sorge. So ist die Zahl der Drogentoten in Dortmund seit dem Jahr 2000 (45 Drogentodesfälle) kontinuierlich und deutlich gesunken (2016: 4), bundesweit allerdings steigen die Zahlen seit einigen Jahren wieder. Die Drogenbeauftragte (Frau Mortler, CSU) betont ungeachtet dessen und gegen die fachlichen Empfehlungen vieler Fachverbände nahezu ausschließlich präventive und abstinenzorientierte Hilfen. Der überfällige flächendeckende Ausbau überlebenssichernder und schadensminimierender Hilfeangebote wird sträflich vernachlässigt – mit verheerenden Folgen für Drogenabhängige. Fachlich angezeigt ist zudem schon lange, Drogenkonsumdelikte endlich zu entkriminalisieren, um u. a. den Teufelskreis aus (Beschaffungs-)Kriminalität und fortschreitender Desintegration zu durchbrechen. Einer nachhaltigen Reduzierung der Beschaffungskriminalität steht schließlich immer noch die fehlende „Originalstoffvergabe“ entgegen: Nur eine flächendeckende Realisierung der Diamorphin-Substitution für Schwerstabhängige hätte hier einen tatsächlichen Entlastungseffekt – von den positiven gesundheitlichen und psychosozialen Folgen für die vielen, aktuell nicht hinreichend behandelten Drogengebraucher ganz zu schweigen. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die rechtlichen Hürden für den bedarfsgerechten Ausbau der Diamorphin-Substition gesenkt werden und sich grundsätzlich die Drogenpolitik endlich den tatsächlichen Realitäten stellt.
Rückfragen an: Willehad Rensmann (Geschäftsführer) rensmann@aidshilfe-dortmund.de
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