Der Brautpreisrechner – Verbindung zwischen Tradition und Moderne

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„Afrika ist ein Kontinent.“, schickte Patience Atanga Ngwecalar ihrem Vortrag „Afrikanische Frauen: Gestern und Heute“ vorweg. Dies schien ihr nötig, da manche glaubten, Afrika sei ein Land.

Das Fazit der Veranstaltung hier gleich am Anfang:
Allgemeingültige Aussagen über die Situation der Frauen in Afrika sind nicht zu machen.
Afrika ist sowohl nach Ausdehnung und Bevölkerung der zweitgrößte Kontinent und teilt sich in 55 Länder auf, die sowohl politisch als auch kulturell sehr unterschiedlich sind. Es werden hunderte verschiedene afrikanische Sprachen gesprochen, teils auch noch die ehemaligen europäischen Kolonialsprachen. Auch die Lebensumstände der Frauen innerhalb eines Landes variieren stark.

Patience Atanga Ngwecalar kommt ursprünglich aus Kamerun.
Seit 1946 haben Frauen dort das uneingeschränkte Wahlrecht
Seit 1967 ist Zwangsheirat verboten und sexueller Missbrauch ist strafbar.
Seit 1981 sind Eheschließungen zwischen unter 15-jährigen Mädchen und unter 18-jährigen Jungen verboten.
Seit 1992 sind Schwangere vor betrieblichen Entlassungen geschützt und haben Anspruch auf Mutterschaftsurlaub.
Seit 1994 ist jegliche Form der Diskriminierung von Frauen verboten.
Seit 1996 ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetzt Kameruns verankert.

Trotz dieser positiven gesetzlichen Verbesserungen in den vergangenen Jahrzehnten sieht die Realität für die Frauen oft anders aus. Gerade in ländlichen Gebieten halten sich die alten männlichen Strukturen und oft frauenfeindlichen Traditionen. Genitalverstümmelung zum Beispiel ist nicht strafbar, wenn in Kamerun auch selten praktiziert. Und obwohl verboten ist die Zwangsheirat auf dem Land noch gang und gäbe. In den Städten dagegen weicht die traditionelle Rollenverteilung auf und ein westlich geprägter Lebensstil herrscht vor.

Wer vor der Veranstaltung glaubte Deutschland sei in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter ein leuchtendes Vorbild für den Kontinent Afrika wurde eines besseren belehrt.
Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag Stand Dezember 2014 lag bei 36,1 Prozent, der im Ruandischen Parlament 2014 dagegen bei über 63 Prozent. Dieser hohe Frauenanteil in der politischen Klasse ist eine Folge des Völkermordes von 1994 in Ruanda, dem überwiegend Männer zum Opfer fielen. Unabhängig davon gibt es im Gegensatz zu Deutschland eine Frauenquote.

Feministinnen, die nun meinen, Ruanda sei ein Paradies auf Erden, da so viele Frauen an der Macht sind, irren.
Präsident Kagame gilt als autoritär. Laut Amnesty Report 2015 wurden 2014 die Rechte auf Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit durch die Behörden weiterhin in extremer Weise eingeschränkt. Es gab Berichte über rechtswidrige Inhaftierungen durch den ruandischen Militärgeheimdienst. Außerdem hätten keine Untersuchungen zu Fällen von Folter aus den Vorjahren stattgefunden.
Trotz der starken Frauenpräsenz in Politik und Wirtschaft hält sich das traditionellen Rollenverhalten in der ruandischen Familie. – Der Mann bestimmt, die Frau ordnet sich unter. Nicht alle Frauen finden das negativ. Im beruflichen Alltag stark gefordert sei es durchaus angenehm, daheim nicht die Verantwortung tragen zu müssen.

Der Brautpreisrechner – Verbindung zwischen Tradition und Moderne
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Wer im Internet nach Informationen über Afrika sucht landet unter anderem auf der Seite www.welt-sichten.org. Dort findet sich ein Bericht aus April 2015 mit dem Titel „Wie viele Kühe ist sie wert?“
Ein junger südafrikanischer Software-Entwickler hat eine App vorgestellt, die ruckzuck nach Eingabe von Taillenumfang, Alter und anderen Kenndaten einer Braut den Preis ermittelt, den die Familie des Bräutigams üblicherweise für eine vergleichbare Frau zahlt.
Der Autor des Artikels meint, es sei kein Zufall, dass die App in Südafrika entwickelt wurde, da der Staatspräsident Jacob Zuma sich seit Jahren darum bemühe, die Sitten der Zulu wie zum Beispiel die Vielehe, zu rehabilitieren. Er hält den Brautpreisrechner nach Anpassungen an landestypische Schönheitsideale auch für andere Gebiete einsetzbar und schlägt augenzwinkernd vor, dass in Wüstengebieten der Kaufpreis dann in Kamelen statt in Kühen angegeben werden müsste.

Patience Atanga Ngwecalar ist Sozialpädagogin und seit Anfang 2015 als Fachreferentin beim Jugendamt der Stadt Dortmund im Fachbereich Kinder- und Jugendförderung aus dem afrikanischen Kulturbereich verantwortlich. Sie berichtete am 30. Mai 2015 im Rahmen des AFRO-RUHR-FESTIVALS in Kooperation mit dem internationalen Frauentreff „Miteinander reden“ des Dietrich-Keuning-Hauses über die Lebenssituation afrikanischer Frauen gestern und heute.

Wer etwas über Peru und vom Alltag der Frauen dort erfahren möchte hat dazu am Samstag, den 20.6.2015, von 16 bis 18 Uhr im Rahmen des Frauentreffs „Miteinander reden“ des DKH Gelegenheit.

Jede interessierte Frau ist in der Gruppe herzlich willkommen.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Dieses Angebot von Frauen für Frauen ist kostenlos und findet
einmal monatlich samstags im Dietrich-Keuning-Haus statt.
Die aktuellen Termine, Referenten und Diskussionsthemen können auch dem
Programmheft des DKH unterwww.dortmund.de/dkh entnommen werden.
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