Dienstag, 21.07.2015 „Internationale Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten"

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Am 21. Juli 2015 findet bundesweit der „Internationale Gedenktag für verstorbene
Drogenkonsumenten“ statt. In Dortmund wird dieser Tag zum 15. Mal vom Elternkreis drogenabhängiger Kinder, der DROBS, dem Gesundheitsamt, der AIDS-Hilfe, der Nachsorge Dortmund, PUR e. V. und Pastor Andreas Bäppler initiiert. Im Stadtgarten (Nähe U-Bahnstation Stadtgarten) befindet sich ein Gedenkstein, an dem sich jährlich Freunde, Angehörige und Mitarbeiter der Drogenhilfe zusammenfinden um mit Kerzen, weißen Luftballons, Musik und Ansprachen der Drogentoten zu gedenken.

Im Jahr 2014 wurden in Dortmund nach offiziellen Angaben 9 Drogentote verzeichnet, die an einer Überdosis starben. Mindestens 25 weitere Drogengebraucher starben an Suchtfolgeerkrankungen, wie Leberzirrhose, Herzerkrankungen, Hirnblutungen und Entzündungen. Bei vielen Langzeitdrogengebrauchern wird Heroin zumeist in Kombination mit anderen Drogen bzw. Alkohol konsumiert. Diese „Cocktails“ erhöhen die Gefahren deutlich.
Die Aufgabe der Drogenhilfe liegt hier in aktiver Überlebenshilfe Substitutionsbehandlung, Drogenkonsumraum, Medizinische Versorgung, Spritzentauschprogramme). Kriminalisierung, verunreinigter Stoff, Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung verursachen massive Schäden an Körper und Seele, die Drogenkonsumenten im Vergleich zur Restbevölkerung im Schnitt um 15 Jahre voraltern und erkranken lassen. Nicht das Heroin bringt die Menschen um, sondern die Bedingungen der Illegalität haben tödliche Auswirkungen. Denn die Illegalität treibt die Menschen in die Kriminalität, in Prostitution und Obdachlosigkeit mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgeerscheinungen.

Die Vergangenheit hat viel zu oft gezeigt, dass allein repressive Maßnahmen an der schwierigenSituation von Drogengebrauchern und an den Konsequenzen für das gesellschaftliche Umfeld nichts ändern. Seit 1992 fordert auch die Polizei immer wieder einen anderen Umgang wie etwa eine kontrollierte Freigabe einer Tagesdosis harter Drogen. Aktuell berichtet die Dortmunder Tagespresse über eine Forderung von Polizeipräsident Gregor Lange, eine kontrollierte Abgabe von harten Drogen an Süchtige zu ermöglichen. Wir treten also seit mehr als 20 Jahren auf der Stelle und nehmen den Tod zahlreicher Menschen in Kauf. Zwar wurde das niedrigschwellige Hilfesystem in Dortmund seit Anfang der 90er Jahre ausgebaut, es unterliegt jedoch einem stetigen Wandel. So wurde z.B. die Übernachtungsstelle für drogengebrauchende Menschen geschlossen aber das Café Berta als „Trinkerraum“ im Dortmunder Norden eröffnet und die Zeiten der Drogenhilfeeinrichtung „Kick“ mit seinen Drogenkonsumräumen verlängert.
In Dortmund hat sich der Drogenkonsumraum in der Trägerschaft der Aidshilfe Dortmund seit 2002 erfolgreich etabliert. Anfang der 90er Jahre gab es in Dortmund noch 54 Todesfälle, im Jahr 2000 waren es immer noch 45. Von 2004 bis 2013 hat sich die Zahl im Vergleich zu den 10 Jahren davor mehr als halbiert.

Noch immer gibt es in 10 Bundesländer keine Drogenkonsumräume. Hierunter Baden Württemberg, Bremen und Bayern. Erschreckend lässt sich feststellen, dass 2014 bundesweit jeder 4. (also 252) der 1032 verstorbenen Drogengebraucher in Bayern verstarb.

Drogenkonsumräume mögen kein Allheilmittel sein, doch sie retten nachweislich Menschenleben. Allein in Dortmund konnten 95 lebensbedrohliche Überdosierungen direkt im Drogenkonsumraum erfolgreich behandelt werden. Hätten diese Menschen nicht unter Aufsicht konsumiert, wären sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nach verstorben. Daneben bietet der Konsumraum ein vielfältiges niedrigschwelliges Angebot: Vom Tausch gebrauchter Spritzen über Information und Beratung zur Schadensminimierung beim Drogengebrauch, der Vermittlung ins Hilfesystem, einer kostenlosen medizinischen Versorgung, dem Kontakt-Café als Ruhe- und Rückzugsraum vom Szene-Alltag mit verschiedenen Frühstücks- und Mittagsangeboten bis hin zu Möglichkeiten der Körperpflege (Duschen, Rasieren …).

Trotz dieses vielfältigen Angebots werden auch in Dortmund längst nicht alle
Möglichkeiten genutzt, um Drogengebrauchern die Chance auf ein menschen-würdiges Leben und Überleben zu geben. Ein unnötiges und unter umständen tödliches Hindernis des Drogenkonsumraums in Dortmund ist die Auflage, dass nur in Dortmund gemeldete Drogengebraucher diesen nutzen dürfen. So werden immer wieder Menschen abgewiesen, die unter hygienischen Bedingungen konsumieren wollen, nur weil sie ihren Wohnsitz nicht in Dortmund haben, oder aber diesen auf Grund fehlender Ausweispapiere nicht nachweisen können.

Auch die kontrollierte Vergabe des künstlich hergestellten Originalstoffs (Diamorphin) stellt eine Bereicherung des aktuellen Hilfsangebots dar. So haben die Ergebnisse der im Auftrag der Bundesregierung durchgeführten medizinischen Studie zur Erprobung der Originalstoffvergabe an Schwerst-abhängige gezeigt, dass die Behandlung mit Diamorphin eine sinnvolle und notwendige Methode innerhalb der Regelleistung sein kann. Drug checking könnte Drogengebrauchern ermöglichen, auf dem „Schwarzmarkt“ erworbene illegale Substanzen auf Inhaltssoffe und Reinheitsgrade zu überprüfen. So ließen sich hochriskante Substanzen identifizieren, deren Konsum zu gefährlichen Notfällen oder gar Todesfällen führen kann. Begleitet mit anonymen Beratungsgesprächen könnte auch die Reflexion des eigenen Konsumverhaltens von Drogengebrauchern angeregt werden. Drug checking und Drogenkonsumräume sind die bundesweit zentralen Themen des diesjährigen Drogentotengedenktags. In mancher Hinsicht ist Dortmund schon weiter als viele andere Kommunen in Deutschland; die Einrichtung des Drogenkonsumraums hat sich seit vielen Jahren bewährt. Ein weiterer wichtiger Baustein der Drogenhilfe ist die Vergabe von Diamorphin, sowie der Abbau unnötiger Hürden, um die vorhandenen Angebote für alle Betroffenen zugänglich zu machen. Dies fordert die Dortmunder Drogenhilfe seit 2009 – bisher vergeblich. Es ist doch die Aufgabe der niedrigschwelligen Drogenhilfe, die Würde drogen-gebrauchender Menschen einzufordern, ihrer Verelendung Einhalt zu gebieten, Leben zu retten und Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
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