Kneipengeschichte(n) in Eving

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Restauration Zur Linde, später Haus Heuner. (Foto: Evinger Geschichtsverein)
 
Historische Aufnahme von Haus Heuner an der Bergstraße, Ecke Lindenhorster Straße. (Foto: Evinger Geschichtsverein)
Dortmund: Geschichtswerkstatt Eving |

Früher, als es in Eving noch mittendrin die Zeche Minister Stein gab und die Wirtschaft dort brummte - da brummten auch die Wirtschaften drumherum.

"Rund 80 Gaststätten und Kneipen gab es in den besten Zeiten in Eving und den umliegenden Vororten", weiß Klaus Berger vom Evinger Geschichtsverein. Dabei reichte die Bandbreite von der Eckkneipe für das schnelle Bierchen nach der Schicht bis zum Ausflugslokal mit angeschlossenem Kino und Saal für Großveranstaltungen.

Klaus Berger hat bergeweise alte Fotos gesichtet, und sich immer wieder bei schönem Wetter auf den Weg gemacht, um mit seiner Kamera festzuhalten, was aus den alten Kneipen in Eving geworden ist. Viele der alten Häuser gibt es nicht mehr, sie wurden entweder abgerissen oder umgebaut, zu Geschäften, Wohnungen oder Arztpraxen.

Die wenigsten der ehemaligen Gaststätten werden auch noch als solche genutzt, das ist sein Fazit. "Von den ehemals 80 Kneipen gibt es 14, die noch offen sind", erzählt er.

Seine Forschungsarbeit hat ein in einem Powerpointvortrag zusammengefasst, und seine Arbeit geht noch weiter. Wieviel Zeit er dafür bis jetzt schon investiert hat, das will er lieber nicht sagen. Im letzten Jahr hat er alle seine Fotos gemacht, vorher hatte er schon bei Verwandten, Freunden, Vereinskollegen nachgefragt, und einige alte Fotos aus Eving sind so zusammengekommen.

Dann hat Berger das Gebiet nördlich des Fredenbaumparks, Eving, Brechten und Lindenhorst abgeklappert. "Angefangen habe ich an der Bergstraße, habe mir viele Adressen aus dem Telefonbuch zusammengesucht." Meistens ist das Ergebnis seiner Gegenüberstellung das Gleiche: "Hier ist das Vereinshaus St. Barbara an der Bergstraße. Heute geschlossen."

Wohl jeder in der Gegend kennt die Geschichte um Haus Heuner an der Bergstraße, Ecke Lindenhorster Straße. "Zuerst hieß die Gastwirtschaft Zur Linde, dann Heuner. Nach dem Leerstand kam der Abriss, dann lag die Fläche eine ganze Zeit lang brach, bis schließlich dort Wohnungen gebaut wurden."

Der Wirt Heuner hatte gleich zwei Gaststätten in Eving, neben der in Lindenhorst betrieb er auch das Haus Tüttelmann an der Bergstraße.

Doch nicht nur Kneipen waren es in Eving reichlich vorhanden, auch Kinos. Bis zu vier Kinos gab es in der Gegend, die Fredenbaum-Lichtspiele waren zum Beispiel dort, wo heute das Stratmann-Gelände ist. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite lag der "Europäische Hof", dort wurde der Evinger SPD-Ortsverein gegründet", weiß Berger.

Einen Saal, der auch für Kinovorführungen genutzt wurde, hatte auch das Vereinslokal Klüting, heute ist es ein Wohnhaus. Das Kino "Scala" gab es an der Evinger und an der Bayerischen Straße ging man ins "Eden".

Tanzen konnte man zum Beispiel in der Sonnenseite und im Heidekrug. " In der Sonnenseite habe ich 1958 meine Frau kennengelernt", erinnert sich Klaus Berger. Die beiden Lokale lagen gegenüber, da sind wir dann oft hin- und her gewechselt." Die Sonnenseite wurde 1970 abgerissen.

Auch die traurige Geschichte der "Grünen Tanne" in Eving dürfte vielen noch bekannt sein. 2007 wurde das Gebäude abgerissen, heute befindet sich dort ein Supermarkt. "Das ging damals ganz schnell, und weg wars". Eindeutig ein Verlust ist auch der Umbau des "Old Daddy" an der Evinger Straße. "Zuerst hieß das Gasthaus Waldesruh und war ein typisches Ausflugslokal, dann wurde es zu Haus Krämer, bis es schließlich zur Disco Old Daddy wurde. Vor einigen Jahren wurde das Haus mit der eindrucksvollen Landhausfassade zu Eigentumswohnungen umgebaut, die schöne Front ist nun von einer Reihe Garagen zugebaut.

Direkt am Grävingholz gab es den Biergarten Gravenbusch, das hat Klaus Berger herausgefunden. An gleicher Stelle befinden sich heute Mietwohnungen.

Und dann gab es noch viele, viele kleine Kneipen, meist an den Hauptstraßen: Zur Post, zur Jägersruh, zum scharfen Eck, Schützenhof, Stifstquelle, zur Wilhelmshöh, zum Hardenberger, Kleine Möwe, Haus Schilling, Haus Frohning, Waidmannslust, Haus Hiddemann, Kegelkotten, zum Pütt, zur schönen Aussicht, Siedlerklausem Heide-Eck, Posthorn Eck, zur Wenge, zum kleinen Ritter, Hessischer Hof, Evinger Lampe, zum Kirdorf, und, und, und...

Und eine ganz speziell Kneipe gibt, oder besser gab es in Eving auch noch: Schacht V ist ein ehemaliger Luftschacht der Zeche Minister Stein am Beisenkamp. Nach der Stilllegung der Zeche wurde der Schacht 1987 verkauft und als Gaststätte genutzt. Leider ist auch dieses Lokal nicht mehr in Betrieb.

Klaus Berger möchte seine Forschungen gerne fortsetzen und auf ein größeres Gebiet ausdehnen. Evinger, die noch über als Fotos von Kneipen und Gaststätten verfügen, können über den Evinger Geschichstverein Kontakt zu ihm aufnehmen.

Info:

Der Evinger Geschichtsverein hat rund 45 Mitglieder

Er trifft sich regelmäßig alle vier Wochen im Evinger Schloss am Nollendorfplatz

Im Internet ist er unter geschichtsundkulturverein-eving.de zu finden
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