Vor Traumfrauen wird gewarnt - Unbedingt lesenswert!

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Der Roman von Jane Do umfasst 20 Kapitel, die sich gut Stück für Stück lesen lassen. (Foto: Bild: AAVAA-Verlag)
Zwischen dem ersten Satz: "Dass Männer eine falsche Selbstwahrnehmung haben, ist allgemein bekannt." und dem letzten Satz des Romans zwischen zwei Frauen: "Zusammen heben wir die Welt aus den Angeln", liegen 190 Buchseiten von Jane Do. Der Roman "Vor Traumfrauen wird gewarnt" ist Jane Dos erstes veröffentlichtes Werk. Und was für eins! Ausgangspunkt sind deutsche Volksmärchen, deren Sittlichkeit es an den Kragen geht. Unschuldige Bräute, taffe Ritter und weise Herrscher waren gestern. In kurzen Sätzen und schnellen Handlungsabläufen wehren sich Frauen im fiktiven "Fairy Tale" gegen die von ihnen erwartete knallharte Zweisamkeit. Zauberhafte Wesen können in den 20 Befreiungsgeschichten ganz schön furchtbar sein. Es dürften Männer sein, die nach der Lektüre etwas knopfäugig dreinschauen, denn ihre Auftritte in den Geschichten währen meist nicht mehr lange. Aber die Übertreibungen und jugendliche Lebendigkeit der Sprache der Autorin lässt bei den LeserInnen ein Lächeln auf den Lippen zurück.

Wie in "richtigen" Märchen dürfen Festmahle selbstverständlich nicht fehlen. Essen, einst mehr oder minder gut und gerecht verteilt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Kurzgeschichten von Jane Do. Essen bleibt für sie ein soziales Unterscheidungsmittel. Da ist der grobe, ungebildete Biertrinker und die feinsinnige, kultivierte Weintrinkerin. Essen ist zuweilen die einzige Ausschmückung der geradlinig erzählten Geschichten, zugleich aber auch subtiles, kurioses und in unvorhergesehener Weise eingesetztes Werkzeug der Traumfrauen. Schnell wird "versehentlich" mal giftiges Kreuzkraut, statt des gleich aussehenden Rucola gereicht und ein weiterer Fiesling ist erledigt. Vorsichtshalber, denn "Die Zeit sollte alle Wunden heilen. Nein. Man gewöhnt sich nur an den Schmerz." (Seite 93)

Und wie Märchen natürlich nicht ohne die natürliche Schönheit der Prinzessin oder Protagonistin auskommen, so verpasst Jane Do auch keine Chance, amüsiert über die plastische Chirurgie herzuziehen. Denn Frauen, so Jane Dos Credo, sind nicht länger die hochglanzpolierten Oberflächen, sondern sie entdecken sich (zumindest) in Fairy Tale selbst. Frauen verlieren sich dort nicht, wenn sie ihren Fantasien folgen, sondern drohen sich zu verlieren, wenn sie gegen ihren Willen am Herd landen.

Roman, Krimi, Satire, Sozialstudie oder feministische Standortbestimmung - Den Weg zwischen dem Schwarz und dem Weiß der Buchstaben kann jeder für sich selbst finden. Insgesamt aber sind die 20 abwechslungsreichen Geschichten Stück für Stück leicht und vergnüglich zu lesen, ideal für die Zeit vor oder nach der Arbeit.
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