Brechtenerin Luisa Mota-Vogel und ihre Arbeitgeberin AWO sind RheumaPreisträger 2016

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Die Träger des RheumaPreises 2016 bei der Preisverleihung in Berlin (v.l.n.r.): Petra Heim und Thomas Schröder (beide Arvato Bertelsmann), Verwaltungsmitarbeiterin Luisa Mota-Vogel und Einrichtungsleiterin Annette Sieberg von der AWO-Seniorenwohnstätte Eving (beide AWO-Unterbezirk Dortmund) sowie Matthias Harms und Jens Haselow (beide PCK Raffinerie GmbH). (Foto: Benedikt Ziegler)
 
Im AWO-Wohnhaus am Süggelweg ist Mota-Vogel die perfekte erste Ansprechpartnerin für Bewohner und Angehörige. (Foto: Benedikt Ziegler)
 
Luisa Mota-Vogel an ihrem Arbeitsplatz in der AWO-Seniorenwohnstätte Eving. (Foto: Benedikt Ziegler)

In Dortmund gibt es eine Preisträgerin, die in ihrer Vorbildfunktion Beachtung verdient. Die Brechtenerin Luisa Mota-Vogel hat gemeinsam mit der AWO Dortmund in Berlin den RheumaPreis 2016 erhalten. Die Mitarbeiterin der Evinger AWO-Seniorenwohnstätte am Süggelweg ist damit ein außergewöhnliches Beispiel, wie Arbeitnehmer mit chronisch-entzündlichem Rheuma Erfolg und Erfüllung im Job haben können.

Neben Mota-Vogel und dem AWO-Unterbezirk als ihrem Arbeitgeber wurden zwei weitere Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber ausgezeichnet. Jeweils wurden herausragende Lösungsansätze für die langfristige Einbindung von Menschen mit chronisch-entzündlichem Rheuma ins Berufsleben geehrt. Allesamt haben sie partnerschaftliche Lösungen gefunden, indem sie durch Bereitstellung und Nutzung von Weiterbildungsangeboten, adaptierte Ausstattungen des Arbeitsplatzes oder Flexibilisierung der Arbeitszeiten den Verbleib im Berufsleben ermöglichen.

„Meine Mutter sagte immer: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus“, erzählt Luisa Mota-Vogel. Dieses Lebensmotto hat der 50-jährigen Bürokauffrau immer die Kraft gegeben, sich den Herausforderungen ihres Lebens zu stellen.

Die gebürtige Portugiesin erkrankte bereits mit 19 Jahren sehr plötzlich und heftig an Morbus Bechterew. „Ich bin gesund ins Bett gegangen. Als ich morgens aufgewacht bin, hatten meine Fußknöchel die Größe kleiner Kürbisse und meine Füße haben so geschmerzt, dass ich nicht auftreten konnte“, erzählt Mota-Vogel. Es folgte ein langer Marathon von Arztbesuchen, ohne dass die Ursache für die Schmerzen gefunden wurde.

„Egal wie stark meine Schmerzen waren: Für mich stand immer im Fokus, den Arbeitstag zu schaffen, denn ich wollte unabhängig sein, auch finanziell. Einmal hatte ich nach Dienstschluss solche Schmerzen, dass ich es nicht mehr zur Bushaltestelle schaffte. Ein älterer Herr fragte, ob er mir über die Straße helfen soll. Das war mein absoluter Tiefpunkt – mit gerade einmal 22 Jahren“, erzählt Luisa Mota-Vogel.

Erst sechs Jahre nach den ersten Symptomen fand Luisa Mota-Vogel einen Hausarzt, der sie zum Rheumatologen überwies. „Ich weiß noch, wie mich der Facharzt intensiv untersuchte und nach 15 Minuten sagte: Das ist Rheuma, wir müssen nur noch herausfinden, welche Form“, erzählt Luisa Mota-Vogel.

Die Diagnose Morbus Bechterew war für die alleinerziehende Mutter ein Schock, aber auch eine Erleichterung: Weil die Ärzte so lange keine Ursache fanden, hatte sie schon gefürchtet, dass sie sich ihre Schmerzen nur einbildete.

Vor ihrer Diagnose hatte Luisa Mota Vogel als Kindergärtnerin, Verkäuferin, Reinigungskraft und Übersetzerin gearbeitet. Da ihr körperliche Arbeit zunehmend schwer fiel, nahm sie mit 37 Jahren an einer Umschulung zur Bürokauffrau teil. Danach bewarb sie sich bei der AWO Dortmund. Dort traf sie ihre jetzige Chefin Annette Sieberg, die damals gerade Leiterin des Bereichs Altenhilfe bei der AWO geworden war.

„Frau Mota-Vogel habe ich bei einem gemeinsamen Projekt kennengelernt und dachte mir gleich, dass sie gut in unser Team in der Seniorenwohnstätte Eving passen würde“, erzählt Annette Sieberg. „Ich habe mit ihrem damaligen Bereichsleiter um sie gekämpft, weil er sie unbedingt behalten wollte.“

Luisa Mota-Vogel erwies sich als die optimale Besetzung: Sie managt nicht nur die Verwaltung und Finanzen der Seniorenwohnstätte; mit ihrer fröhlichen und offenen Art ist die Brechtenerin auch die perfekte erste Ansprechpartnerin für Bewohner und Angehörige. Annette Sieberg ist auch beeindruckt von der zupackenden Art von Luisa Mota-Vogel: „Sie hilft überall mit, auch wenn es nicht ihr Arbeitsgebiet ist.“

Ihre Erkrankung hat Luisa Mota-Vogel bereits im ersten Gespräch mit ihrer Arbeitgeberin erwähnt. Heute erzählt Annette Sieberg: „Ich war kurz überrascht, dann dachte ich mir: Davon lass ich mich nicht beeinflussen. Sie macht einen so positiven Eindruck, das wird gut gehen. Und ich behielt Recht: Frau Mota-Vogel ist einfach eine Powerfrau. Man merkt ihr nicht an, dass sie eine chronische Erkrankung hat. Die meisten Kollegen haben es erst jetzt erfahren, als sie den RheumaPreis gewonnen hat.“

Ihr Büro wurde mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch, einem Headset und leichtgängigen Schubladen an ihre Bedürfnisse angepasst. Mit einer auf sie zugeschnittenen Therapie hat sie die Erkrankung auch gut im Griff. So gut, dass sie sich in ihrer Freizeit ihren zwei großen Leidenschaften widmet: Zwei Mal die Woche tanzt sie Zumba und jeden Montag bringt sie ihre zwei Enkelkinder, die sechsjährigen Zwillingen Sarah und Mia, zum Schwimmkurs. Damit entlastet sie auch ihre Tochter, die vor einigen Jahren selbst an Morbus Bechterew erkrankte.

„Ich bin niemand, der sich hängen lässt“, sagt Luisa Mota-Vogel. „Fallen kann jeder, aufstehen ist die Kunst. Wenn ich mal einen Durchhänger habe, dann sage ich mir: Mich schafft das Rheuma nicht. Einen Tag ,Pleite‘, mehr bekommt es nicht – und am nächsten Tag stehe ich wieder meine Frau.“

Die Preisträger wie Luisa Mota-Vogel haben Vorbildcharakter und regen zu mehr Offenheit im Umgang mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma an. Dass diese keine Ausnahmen sind und ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft notwendig ist, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit in Deutschland: In einer Studie gaben 43 Prozent aller Frauen und 38 Prozent aller Männer an, an einer chronischen Krankheit zu leiden. Dazu gehören Herzkrankheiten, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen.

„Identifikationsfiguren wie die RheumaPreis-Träger sind gerade für junge Menschen mit Rheuma wichtig, denn sie zeigen, dass auch mit einer chronischen Erkrankung eine erfolgreiche Karriere möglich ist“, so Ursula Bouffier, Schirmherrin des diesjährigen RheumaPreises.

Da Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises am häufigsten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr beginnen, stehen Betroffene meist am Anfang oder in der Mitte ihrer beruflichen Laufbahn. Allein in Deutschland leiden 1,5 Millionen Erwachsene unter einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung und circa 20.000 Kinder und Jugendliche haben Kinderrheuma. 12 Prozent der Erwerbstätigen mit rheumatoider Arthritis scheiden gegenwärtig innerhalb der ersten fünf Jahre ihrer Erkrankung aus dem Berufsleben aus.

Dabei können bereits kleinere Änderungen der Organisationsabläufe oder Ausstattung der Arbeitsplätze ausreichen, um Menschen mit chronischen Erkrankungen die Erwerbstätigkeit zu erleichtern. Bei drohendem Fachkräftemangel und bedingt durch den demographischen Wandel – mit dem Alter der Erwerbsbevölkerung steigt der Anteil von Menschen mit chronischen Erkrankungen – wird es für den Geschäftserfolg zunehmend wichtig werden, diesen Menschen eine langfristige Karriereperspektive zu bieten und so Know-How im Unternehmen zu halten.

„Nur wenige Entscheider wissen, dass für Unternehmen vielfältige Angebote bereitstehen, wenn sie unterstützende Maßnahmen für den Verbleib von Arbeitnehmern mit einer chronischen Erkrankung in der Firma ergreifen wollen“, klärt Christian Vedder als Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) auf. Sowohl die Integrationsämter als auch die Bundesagentur für Arbeit und die Rehabilitationsträger unterstützen Unternehmen finanziell und durch Beratungsangebote.


Über den RheumaPreis:
Mit dem RheumaPreis werden Personen mit Rheuma und Unternehmen bzw. Bildungsstätten öffentlich gewürdigt, die gemeinsam partnerschaftliche Lösungen für eine langfristige berufliche Einbindung gefunden haben – ob für die Karriere oder bei den ersten beruflichen Schritten, wie einer Ausbildung oder dem Studium. Die ausgezeichneten Lösungen haben bundesweit Vorbildcharakter. So will die Initiative RheumaPreis zu einem Wandel der öffentlichen Wahrnehmung beitragen. Darüber hinaus fordert die Initiative RheumaPreis in einem Call to Action Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen auf, die berufliche Situation von Menschen mit chronisch-entzündlichem Rheuma zu verbessern. Der RheumaPreis wird gemeinsam an den Arbeitnehmer/Studierenden und den Arbeitgeber/die Bildungsstätte verliehen. Eine unabhängige Jury aus Medizinern, Experten für die berufliche Integration Erkrankter, Arbeitsmedizinern und Patientenvertretern bewertet die Einsendungen. - Mehr Informationen unter www.rheumapreis.de .
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