Elchmus oder England einmal anders

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  (Anm. Elch heißt auf englisch Moose, Mus gesprochen wie in Apfelmus)

Mit Anfang 20 wandert Elke ins hippe London aus und lässt endlich das spießige Münsterland hinter sich. Doch dort ist nichts, wie es sein soll. Ihr Studio (Mini-Einraumwohnug) ist schlimmer als schlimm und dann hat sie auch noch ihren Job gegen einen noch langweiligeren ausgetauscht. Ende Gelände. Als sie dann auch noch entführt wird, gleicht ihr Leben echt einem schlechten Tatort. Bis sie sich in einen der Entführer verliebt. Dann ist nichts mehr wie es mal war. Die Entführer sind eigentlich keine Verbrecher, London ist doch trendy und Rosamunde Pilcher Land ist auch was für junge Verliebte. Aber dann rufen William und Kate zur königlichen Hochzeit und schon wieder wird alles anders. Ein Streifzug durch London beginnt: mit wenig Alltag, viel Spaß und noch mehr Rock’n’ Roll bis es endgültig und für immer Good-Bye Deutschland heißt. Aber dieses Mal anders: mit dem richtigen Job, mit Englisch-Kenntnissen und vor allem ohne Kinder. Allerdings hat bislang noch niemand Kommissar Blitz getroffen…


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Kapitel 20


............Der Wagen gleitet über die Straße. Langsam und seicht, wie die Wellen des Meeres, das ganz plötzlich in vollstem blau vor ihnen liegt. Fotos in Lebensgefahr sehen anders aus. Postgartenschön liegt das Meer in Teignmouth vor ihnen.

Teignmouth liegt direkt am Ärmelkanal. Wer einmal in Devon war, muss immer wieder kommen. England ist nass und kalt und grau und hat nichts zu bieten. Falsch, falscher, am falschesten. Englisch lernen lohnt sich. Wrong, wronger, the wrongest. More wrong? Der Lehrer in der Schule hat versagt. Es sind immer die anderen. Es haben immer die anderen Schuld. Genug.

England ist superb. England ist schöner als schön. England hat Urlaubspotenzial. England lädt ein zum Wegfahren. England ist hier die englische Riviera. Cornwall kann nicht noch schöner sein als das hier. Elke hat Zeit und ist hier. Ralf ist auch da. Will auch nicht mehr weg. Will zum Strand. Und ist der Mann. Er fährt das Auto. Und fährt Richtung Seafront.

Ralf peilt alles, findet Elke. Strand ist da. Direkt vor ihnen. Ein Strand, der so richtig englisch aussieht. Dank Piers mit den legendären lauten Spielhallen. Aber der auch an die italienische Riviera erinnert. Dank der breiten und weißen Sandstrände, den palmengesäumten Promenaden und der blaugrünen Brandung.

Urlaub fängt ja eigentlich ohne Entführung an. Aber mit der Normalität ist das eh so eine Sache. Normale Urlaube sind spießig und meistens langweilig. Stehen für wochenlanges Abhängen in Ferienanlagen. Gepflegte Langeweile. Welche Leute sparen eigentlich freiwillig ein Jahr für eine Woche in Gefangenschaft? Alles inklusive. Spaß inbegriffen, aber Kultur exklusive, fragt sich Elke und reißt sich dabei die Klamotten vom Körper. Zumindest die, die man ausziehen kann, ohne mit blanken Busen und nacktem Arsch auf dem Beifahrersitz zu hocken.

Der legendäre englische Regen lässt noch immer auf sich warten. Die Sonne strahlt und strahlt aus dem blauen Himmel, als wolle sie allen ihre gute Laune mitteilen. Der Job hatte ihr den Sommer und die Luft geklaut. Das Auto und die lange Fahrt trotz Hitze nicht. Sie ist mittendrin im neuen Leben.

Teignmouth sieht toll aus. Der wahnsinnig breite Sandstrand, die Hügel im Hintergrund, die Boote. Die lauten Karussells hört man hier nicht. Autos auch nicht. Eine Engländerin mit dicken Oberarmen und faltigem keltischen Tattoo läuft vorbei. Ihr fettes rothaariges Kind trottet hinter ihr her. Der Sand arbeitet gegen das Mädel? Oder ist es doch ein Junge?

Das Meer lenkt ab und spült neue Gedanken heran. Die Möwen kreischen und suchen vergeblich Essensmüll. Wieso essen die eigentlich keine Algen? Wieso darf man alles, was angespült wird behalten? Hier hätte sie früher auch gerne nach Gold und Kupfer gesucht. In Irland wird gerade nach Silber getaucht. Und das auch noch erfolgreich.

„Du bist ein Teufelsweib“, Ralf kann endlich wieder sprechen. Diese Region wird nicht umsonst Wiege des Bed & Breakfasts genannt. Elke sagt noch immer nichts. Ralf guckt zufrieden aufs Meer. „Ne, du bist der Teufel, ich bin das Weib“, platzt es dann aus ihr heraus und sie drückt ihn in den Sand.

Sie riecht ihn auch, den Mann, den Sand und das Meer. Sie hat es geschafft. Der Teppichboden in ihrem Studio in London ist vergessen. Der salzige Wind treibt ihr die Tränen in die Augen. Vermutlich weint sie ab heute nur noch Salzwasser. Sie ist endlich angekommen. In England. Mit Ralf. In ihrem neuen Leben. Teignmouth informiert sie live darüber. Sie will hier nicht mehr weg.

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