Brackels evangelische Kirche am Hellweg ist Dortmunder Denkmal des Monats Oktober

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Sie ist für die Stadt Dortmund und die Denkmalbehörde sowohl kostbar als auch kostspielig: Die Evangelische Kirche am Brackeler Hellweg, die jetzt zum Denkmal des Monats Oktober ernannt wurde. Das Gotteshaus ist architektonisch bedeutsam, aber auch renovierungsbedürftig. (Foto: Ralf K. Braun)
 
Die Dortmunder Denkmalbehörde hat sie zum Dortmunder Denkmal des Monats Oktober ernannt: die evangelische Kirche am Hellweg in Brackel, die zurzeit saniert wird. (Foto: Michael Holtkötter/Stadt Dortmund)
Dortmund: Kirche Brackel |

Als „kostbares und kostspieliges Erbe“ wird das Denkmal des Monats Oktober, ausgezeichnet durch die Dortmunder Denkmalbehörde, von der Stadt Dortmund bezeichnet: die Evangelische Kirche am Hellweg in Brackel.

Im September 2015 übergab das Dortmunder Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der Evangelischen Kirchengemeinde Brackel einen symbolischen Fördervertrag über 50 000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale. Das Geld soll ein Beitrag sein zu den immensen Kosten, die die Kirchengemeinde zu tragen hat, um ihre alte Kirche weiterhin nutzen und erhalten zu können. Die Fragen, was die Schäden sind und wie sie behoben werden können, greift die Denkmalbehörde auf und stellt die Evangelische Kirche am Hellweg als Denkmal des Monats Oktober vor.

Erste Kirche in Brackel war aus Holz

Warum die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Kirche als Förderprojekt ausgewählt hat, erklärt sich durch die Geschichte und kunsthistorische Bedeutung der denkmalgeschützten Kirche. Mönche hatten hier einen Reichshof gegründet, als Karl der Große die Sachsen christianisierte. „Dat Ryck von Brackel“ war zunächst unmittelbar dem Kaiser unterstellt, bevor es später zu Dortmund kam. Die erste Kirche war vermutlich aus Holz und hielt nicht lange. Deshalb begann man um 1190 die jetzt noch erhaltene Kirche in romanischen Formen zu errichten. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ersetzte die romanische Apsis ein gotischer Chor, gegen Ende des 15. Jahrhunderts formte man die romanische Basilika mit hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen in eine gotische Hallenkirche um. Alle Schiffe sind seitdem gleich hoch.

Kunsthistorisch interessant ist die Kirche mit der Anschrift Brackeler Hellweg 142 zudem durch die 1954 bis 1957 freigelegten Fragmente von Wand- und Gewölbemalereien. Sie stammen in den Querarmen mit romanischen Tonnengewölben noch aus der ersten Bauphase nach 1190, in den Langhausschiffen mit gotischen Kreuzrippengewölben aus dem 16. Jahrhundert.
Es wundert nicht, wenn an einem über 800 Jahre alten Gebäude immer wieder größere oder kleinere Schäden auftreten. Seit 1892 sind mehrere Restaurierungen dokumentiert.

Dass bald wieder massivere Instandsetzungen nötig werden, erfuhr die Gemeinde vor rund zwei Jahren hautnah. Seit dieser Zeit rieselten häufiger kleine Kalkstückchen und Putz in den Kirchenraum. Gittermatten aus Metall schützen nun die Gemeinde an den entscheidenden Stellen. Die Dachdeckung aus sauerländischem Schiefer ist in die Jahre gekommen und an manchen Stellen porös. Daher kann Regenwasser in den Dachstuhl einfließen, das Holztragwerk schädigen und durch die Putzgewölbe in das Kircheninnere sickern. Schuld ist auch, dass der Dachstuhl über dem Chor „in den letzten Jahrhunderten in abenteuerliche Weise verändert wurde“, wie es einer der beteiligten Fachleute ausdrückte.

Eine genaue Schadensaufnahme ist Voraussetzung für eine Restaurierung. Dabei gab es besonders im Dachraum oberhalb der Sakristei Überraschungen. Dieser Raum ist normalerweise nicht zu betreten. Nach Abnahme der Schieferdeckung konnte hier erstmals nach 500 Jahren wieder die nördliche Außenwand des Chores in Augenschein genommen werden. Zwar war klar, dass damals Fenster des Chores zugemauert worden waren. Niemand schien aber mehr zu wissen, dass außen Rahmungen und Maßwerk von zwei Fenstern erhalten waren, ebenso ein gekürzter Strebepfeiler des Chores: alles normalerweise verborgen durch den Dachstuhl der Sakristei. Leider waren aber auch die weichen Ziegel der Gewölbekappen an der Oberfläche schon fast in Pulverform übergegangen.

Zahlreiche Maßnahmen werden nötig sein

Eine ganze Reihe von Maßnahmen wird nun nötig sein, die in Abstimmung mit der Denkmalbehörde erfolgen. Neben der Neueindeckung des Daches mit Schieferplatten, muss der Dachstuhl saniert werden. Dabei sollten, soweit es geht, alte Hölzer erhalten und repariert werden.

Zudem ist zu versuchen, den Dachstuhl über dem Chor, der sich zum Kirchenschiff neigt, wieder etwas zu richten. Außerdem sind die Risse in den Gewölbekappen zu beheben, schadhafte und fehlende Putz- und Mörtelflächen zu schließen.

Die Kosten werden derzeit auf rund 600 000 Euro geschätzt. Die Kirchengemeinde ist auf Mittel aus verschiedenen Quellen wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz oder des Kirchenkreises angewiesen. Sie selbst bemüht sich, durch Benefiz-Veranstaltungen und Spenden genügend Geld für die Sanierung einzuwerben.

Mehr Infos über den Fördervertrag mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gibt es hier.
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