Bücherkompass, Rezension, Niere gegen Geld

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Dortmund: zuhause | Das Buch mit dem Titel " Niere gegen Geld " , bzw. die Geschichte des Autors Willi Germund, wird aktuell kontrovers diskutiert. Ich erhielt das Buch vom LK zur Rezension und möchte hier meinen persönlichen Anmerkungen beitragen. Der Untertitel des Buches lautet: " Wie weit würden Sie gehen um ihr Leben zu retten? ", und genau diese Frage stellt sich der Leser des Buches mehrfach.
Zunächst ein paar Worte zum Autor Willi Germund. Jahrgang 1954, freier Journalist, schreibt für Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und mehrere regionale und Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Schwerpunkt der journalistischen Tätigkeit ist die Berichterstattung aus Krisengebieten Ostasiens. Wohnsitz Bangkok, " Käufer einer Niere " und aktuell ( seit 12.2.2015 ) von der IGN angeklagt wegen illegalen Organhandels.
Sachliches zum Buch :
Das Taschenbuch hat 200 Seiten, ist im rororo Verlag erschienen und kostet 9,99€. Der Autor schreibt klar, verständlich und fast sachlich, verzichtet auf große Emotionen, und bedient sich aus dem reichhaltigen Angebot der deutschsprachigen Adjektive eher sparsam - möglicherweise seiner beruflich bedingt gewohnten Sachlichkeit beim Schreiben geschuldet. Medizinische Details werden so aufbereitet geschildert, dass sie auch von Laien verständlich sind.

Inhaltliches :
Vorab noch einmal zur Klarstellung :
Das Handeln von Organen ist nach deutschen Gesetzen verboten, dies gilt auch für Deutsche, die im Ausland leben !
Auch dem Autor ist das selbstverständlich bekannt, als er von seiner Nierenkrankheit erfährt. Seine Nieren sind von Zysten befallen, die inoperabel und behandlungsresistent beide Nieren zerstören und zum Versagen der Organe führen und ihn, bis zum Bereitstelllen einer Nierenspende, an ein Dialysegerät fesseln werden. Willi Germund empfindet seine Lebensperspektiven während des Fortschreitens der Krankheit, als so aussichtslos, dass er den illegalen Ausweg nach einer, durch einen Organhändler vermittelten, Nierentransplantation gegen Geld, wählt. Moralischhe und legale Einwände gegen den kommerziellen Transplantationsmarkt, verlieren bei Willi Germund, nach eigenen Angaben, in atemberaubendem Tempo an Bedeutung. Nach langen Recherchen, einigen Fehlversuchen und zahlreichen Flügen in verschiedene Teile der Welt, wird ein Afrikaner gefunden, der dem Journalisten eine Niere spendet und dafür 30000€ ( ein Bruchteil des eigentlich gezahlten Geldes ) erhält. Spender und Empfänger des Organs lernen sich kurz persönlich kennen, sind ( nach eigenen Angaben ) mit den Risiken der Operation vertraut, und gehen nach der erfolgreichen Transplantation wieder getrennte Wege in unterschiedlichen Teilen der Erde. Willi Germund lebt heute ein " fast " normales Leben, arbeitet und lebt weiterhin in Bangkok und hat vor wenigen Wochen dieses Buch veröffentlicht. Ob letzteres eine besonders gute Idee war bleibt abzuwarten......

Neben der Illegalität stehen für mich die Fragen nach Ethik und Moral im Vordergrund. Was empfinden Patienten die oft jahrelang auf der Liste stehen und auf eine Spenderniere warten, bei diesem Buch ? Wie verwerflich ist es sich ein Organ zu kaufen ? Und immer wieder die Frage : Wie weit würde ich als Betroffener gehen ?, würde ich meinen Namen oder den eines meiner Kinder auf die Liste setzen oder würde ich eine illegale Alternative nutzen ?
Ich persönlich habe darauf eine klare Antwort, die aber für diese Rezension nicht relevant ist und daher auch nicht hier geschrieben wird.
Wer das Buch lesen und rezensieren möchte schreibt mir bitte eine pn, ich gebe es gerne weiter.
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2 Kommentare
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 23.04.2015 | 23:21  
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Klaus Wurtz aus Rheinberg | 08.05.2015 | 07:03  
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