Damit es wieder brummt und summt im Osten: Bezirksvertretung Brackel macht sich für Bienenweiden stark

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Diese Grünfläche am Asselner Schulzentrum am Grüningsweg hat man als Pilotprojekt im Stadtbezirk Brackel auserkoren als künftige Insektenweide. Immanuel-Kant-Gymnasium und Max-Born-Realschule sind mit im Boot. (Foto: Karl-Heinz Czierpka)
Dortmund: Asselner Schulzentrum am Grüningsweg |

Das Insektensterben hat den Dortmunder Osten erreicht - das jedenfalls berichten nicht nur Naturschützer, auch Landwirte bestätigen es: „Uns fehlen die Bestäuber, das merken wir am Ertrag!“ - so ein Teilnehmer an einem Workshop von Imkervereinen im Stadtbezirk Scharnhorst. Danach hatte die Bezirksvertretung (BV) Brackel im Dezember beschlossen, das Anlegen von so genannten Bienenweiden zu fördern und noch 2018 mit einigen Pilotflächen zu starten, um erste Erfahrungen zu sammeln.



Ein sehr ambitionierter Zeitplan. Wie wir alle aus Kinderliedern wissen, muss im Märzen der Bauer die Rösslein anspannen - und genau daran schien das Projekt zu scheitern. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen nämlich deutlich, dass die Flächen zwingend gepflügt werden müssen, sonst nehmen die Graspflanzen sehr zügig überhand und den Blumen geht schnell die Puste aus. Das weiß jeder, der schon einmal eine „Blumenwiese“ ausgesät hat.

Aber nicht überall kann man die Riesenpflüge der Landwirte zum Einsatz bringen. Gerade bei kleinen Flächen ist das nicht möglich. Und so richtig konnte niemand helfen. Landschaftsgärtner, die städtischen Grünpfleger, noch nicht einmal die gut aufgestellten Friedhofsgärtner verfügen über kleine Pflüge! Letztlich halfen nur intensive Internet-Recherchen und Holger Knöpker, Mitglied der BV und Imker, fand eine Gruppe von Einachs-Schlepper-Enthusiasten, die diese urtümlichen Maschinen hegen und pflegen: "Die helfen uns aus!"

Denn es sollen besonders kleine Flächen gefördert werden, überall verteilt im Stadtbezirk. Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka verrät, warum: „Insektenweiden sind nicht immer blühende Wiesen! Manchmal sehen die Flächen auch unansehnlich aus und den Menschen muss vermittelt werden, dass es sich nicht um ungepflegte Ecken handelt, sondern dass diese Insektenweiden gerade für uns Menschen sehr wichtig sind“.

Darum sollen auch Schulen mitmachen. Im ersten Aufschlag dient dazu eine Fläche im Schulzentrum am Grüningsweg, Immanuel-Kant-Gymnasium und Max-Born-Realschule sind mit im Boot. IKG-Schulleiter Markus Katthagen hatte denn auch sofort eine Anbindung an den Unterricht im Sinn. Zusammen mit den örtlichen Imkern lässt sich daraus sicher ein gutes Projekt schmieden.

Besonders interessant wird eine Fläche auf dem Hauptfriedhof werden, denn sie liegt gleich neben einer anderen Wiese, die brach fallen soll: nichts machen, nur wachsen lassen. Man darf auf den Unterschied gespannt sein. Denn, so Holger Knöpker, Mit-Antragsteller: „Natürlich werden wir das Projekt dokumentieren. Etwa drei bis fünf Jahre wird so eine Wiese Bestand haben, auf die verschiedenen Entwicklungsstufen sind wir alle sehr gespannt.“

Nun geht´s an das Bestellen des Saatgutes. Das kommt zwar aus Süddeutschland, wird aber gezielt für Dortmund zusammengestellt, damit nur gebietskonforme Pflanzen ausgesät werden. Auch das wird wieder etwas speziell sein, denn das Aussäen können auch Schüler übernehmen. Allerdings muss man dazu das Saatgut erheblich strecken und etwa mit Sand „verdünnen", denn für einen Quadratmeter reicht eine äußerst bescheidene Menge: ein oder zwei Gramm! Gerade mal zwischen zwei Fingern zu halten. Czierpka ist sich sicher „Auch das wird spannend“.

Ein Flyer, Samentütchen und Hinweisschilder sollen helfen, auch andere für Bienenweiden zu interessieren und vielleicht sogar zu begeistern. Gemeinsam mit dem Stadtbezirk Scharnhorst wollen die Brackeler hier Vorreiter in Dortmund sein. Damit es wieder brummt und summt in der Stadt!
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