AfD zerlegt sich selbst: Partei-Vize Henkel soll weg nach Kritik an "Verschwörungstheoretiker, Ideologen, Goldgräber und Karrieristen" in der AfD

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"Es heißt die Steigerung von Feind sei Feind, Todfeind, Parteifreund.“ Darüber habe er früher gelacht. Aber dieser sei nicht übertrieben. Der Satz stimme. Die innerparteilichen Kämpfe würden härter ausgeführt als die mit dem politischen Gegner. "Das ist wirklich deprimierend." so der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Hans-Olaf Henkel. Das Foto zeigt Henkel auf der Bundespressekonferenz am 14 Januar 2014. (Foto: Mathesar, Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert)

Nachdem der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende und ehemalige langjährige Vorsitzende des Bundes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, der für die AfD auch im EU-Parlament sitzt, in der Wochenzeitung "Die Zeit" seine harsche Kritik an "Ideologen, Goldgräber und Karrieristen" in der AfD wiederholte, regt sich nun massiver innerparteilicher Widerstand.

Henkels Co-Vizes Alexander Gauland forderte ihn mit den Worten "Herr Henkel muss sich fragen, ob er noch zur AfD gehören will" indirekt zum Parteiaustritt auf.

Henkel: "Schäme mich in Grund und Boden"

"Wir haben Unvernünftige, Unanständige und Intolerante in unseren Reihen“, sagte Hans-Olaf Henkel bereits dem "Spiegel". Insbesondere führte er die Gegner des geplanten TTIP-Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA sowie die Putin-Sympathisanten in der AfD an. "Da müssen wir innerparteilich für Aufklärung sorgen“, sagte der ehemalige BDI-Chef und forderte von AfD-Bundessprecher und EU-Abgeordneten Bernd Lucke eine Kurskorrektur. "Das sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden", beklagte sich Henkel.

Streit um den Markenkern - Driftet die AfD endgültig nach Rechtsaußen ab?

Man brauche einen Markenkern, so Henkel weiter. "Sie können den Leuten nicht sagen: Ich kann alles. Irgendwann sagen sie: Die können gar nichts."

Das ehemalige CDU-Mitglied Alexander Gauland sieht den Markenkern offensichtlich andernorts. Gegenüber der Zeitung "Die Welt" sagte er, dass er zunehmend den Eindruck habe, dass sich das Nationalkonservative oder Nationalliberale als Markenkern der AfD herausschälen würde.

In seiner Kritik an Henkel setzte er in der Bildzeitung nach: "Wenn jemand sagt, dass er sich für die Partei schämt, dann muss er die Partei verlassen".

Vielleicht erweist sich der weitere Rechtsschwenk der AfD als genauso fatal wie der von der AfD betriebene Goldhandel. Schließlich büßt das Edelmetall weiter an Wert ein. Die Feinunze Gold fiel am Freitag mit 1.161 Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Aber das ist sicherlich wieder etwas für die Verschwörungstheoretiker.

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Alban Werner über die AfD, deren Entwicklung und berechtigte Kritik an der EU, finden Sie hier in der Internetausgabe der Wochenzeitung "der Freitag", deren Herausgeber Jakob Augstein ist..
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Bernhard Ternes aus Marl | 05.11.2014 | 13:03  
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