Stadteltern der Dortmunder Gymnasien beziehen Stellung zum Thema G9: "Wer kein Kind zurück lassen will, muss die Mittel dafür bereitstellen!"

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"Wir halten ein voreiliges, durch Wahlkampf angeheiztes, Zurück zum G9 ohne greifbare Strukturen für nicht zielführend. Niemand, der von uns befragten Pflegschaftseltern, möchte zu einem G9 aus dem letzten Jahrhundert zurück. Durchaus wünschen sich mehrheitlich Eltern und Schüler mehr Zeit für Vertiefung, was aber keine Forderung nach dem gebunden Ganztag beinhaltet! Hierzu muss die Ressourcenverteilung hinterfragt werden. Dreh- und Angelpunkt ist die Ausstattung und Mittelzuweisung der Schulen. Hier muss das langjährige Versprechen der Politik „Kein Kind zurücklassen“ endlich ansetzen. Das heißt für uns, es muss eine deutlich Anpassung der Ressourcen für alle Schulformen in NRW erfolgen, um den Bundesländervergleich überhaupt ernst nehmen zu können.

Somit müsste das pro Kopf-Budget der Schüler am Gymnasium in NRW,auf mindestens bundesdurchschnittlichen 8000 Euro je Schüler angehoben werden. Hier wird immer wieder mit der Vielzahl der Schülerschaft in NRW gegenargumentiert, doch genau dafür benötigen die Schulen mehr Ressourcen! Gerade in Ballungsräumen benötigen wir nicht weniger, sondern mehr Mittel um der individuellen Förderung gerecht werden zu können. Erst dann kann man über die dringend notwendige Reduzierung von Klassenfrequenzen sprechen und die deutliche Erhöhung des Lehrerschlüssels, so dass es zu einer Deckung von mindestens 105 Prozent der Lehrerstellen an jeder Schule kommen kann oder zur Wiedereinführung von Vertretungslehrer kommt. Ohne die zwingend notwendige Aufstockung der Mittel wird ein Zurück zu G9 nicht gelingen und wird dem Ziel nicht gerecht!

In der dann möglichen Perspektive stimmen wir den Forderungen der Dortmunder GEW zu: Es muss zur Wiedereinführung einer bundeeinheitlichen6-jährigen SEK I kommen. Nur so ist eine Vergleichbarkeit der Länder untereinander überhaupt machbar. Wir fordern darüber hinaus eine offene Ausgangsstufe, die es den Schülern ermöglicht, dass Abitur in 1 Jahr oder bis 3 Jahren zu absolvieren. Nur so werden wir dem individuellen Reifeprozess der Schülerinnen und Schüler überhaupt gerecht und berücksichtigen auch die leistungsstarken, begabten Schüler.

Wahlfreiheit nach Begabungen

Eine Kernproblematik, das Beginnen der 2. Fremdsprache in der Jahrgangsstufe 6, wird auch immer wieder von den Lehrerverbänden diskutiert. Hier bedarf es ebenso einer guten Prüfung, ob die Rückverlagerung in die 7. Klasse tatsächlich Entspannung herstellt oder ob ein großes Umdenken stattfinden muss, dass die Wahlfreiheit nach Begabungen schon in der 7. Klasse ermöglicht, andere Fächer als 4. Hauptfach wählen zu können. Diese größere Wahlfreiheit muss dringend auch wieder in der Oberstufe hergestellt werden, damit uns viele sehr begabte Schüler nicht vorzeitig verloren gehen.

Zusätzlich benötigen die Schulen dringend mehr Administrationskräfte, die Schulleitung und Lehrer entlasten, damit diese tatsächlich wieder mehr Zeit zum eigentlichen Unterrichten haben. Wir fordern deshalb eine deutliche Aufstockung der Verwaltungskräfte und Einführung von Administrationskräften.

Inklusive & integrative Schulbildung

Hinsichtlich der inklusiven Schulentwicklung und jüngsten Herausforderungen zur Integration auch am Gymnasium, muss der Bund verantwortlich für die Leistbarkeit gemacht werden. Wer ein Gelingen von inklusiver und integrativer Schulbildung fordert, muss dafür die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen und Chancengleichheit unter den Bundesländern herstellen!

Wir brauchen nicht nur dringend mehr Lehrkräfte an allen Schulen, sondern auch festeingestellte Sonderpädagogen, Sozialarbeiter und „qualifizierte“Klassen- und Schulassistenten an jeder Schule.

Wir wünschen uns, dass das Gymnasium wieder ein Ort der intensiven Schulbildung wird, zur Vorbereitung auf das Studium, mit der jeweiligen notwendigen Reifezeit für die SchülerInnen und der nötigen Zeit für Lehrer zum Unterrichten und Begleiten.

Wir fordern deshalb die verantwortlichen Politiker auf: Stellen Sie für gute Bildung und Ausbildung die dringend notwendigen Mittel in NRW zur Verfügung! Wer „kein Kind zurück lassen will“, muss die Mittel dafür bereitstellen!"

Ulrich Krugmann Anke Staar

Vorstand der Gymnasien
Stadteltern Dortmund
www. Stadteltern.de


Dortmund, 02. Oktober 2016
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