Detektivarbeit beim Handwerk 4.0 - Kreishandwerkerschaft Dortmund/Lünen veröffentlicht Jahresbericht 2015

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Den Jahresbericht 2015 der Kreishandwerkerschaft Dortmund/Lünen stellen (v.l.) Hauptgeschäftsführer Joachim Susewind, Christoph Haumann (Obermeister Kraftfahrzeug-Innung), Kreislehrlingswart Ulrich John, Kreishandwerksmeister Christian Sprenger und Innungsgeschäftsführer Volker Walters vor. (Foto: Schmitz)
Dortmund: Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen |

Notwendige Investitionen, die Flüchtlinge, aber auch Schwarzarbeit und unnötige Vorschriften – die Kreishandwerkerschaft Dortmund/Lünen hat ihren Jahresbericht 2015 vorgelegt und sieht einigen Handlungsbedarf.

2015 war ein gutes Jahr für uns“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Sprenger. Der milde Winter wirkte sich unter anderem positiv auf die Bautätigkeit aus. Aufgrund niedriger Spar-Zinsen setzten die Verbraucher eher auf Konsum. Auch für 2016 rechnet Sprenger mit einer stabilen Entwicklung.

Die Kreishandwerkerschaft sieht auch die Notwendigkeit von Investitionen. So fordert sie, den seit Jahren geplanten Ausbau der B54/236 zwischen Dortmund und Lünen endlich zu realisieren, da man von Lünen mittlerweile schneller nach Münster komme als nach Dortmund. Auch sei es Aufgabe der Politik, sich für einen Ausbau der Breitbandversorgung einzusetzen. „Bei der Perspektive Handwerk 4.0 müssen wir uns stärker auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters einstellen.“ Wichtig ist Sprenger auch der immer wieder geforderte Bürokratieabbau. Die große Koalition sei auf einem guten Weg, kleinere Betriebe zu entlasten. Ein Problem sei die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn, die sehr viel Zeit und Kosten in Anspruch nehme. „Dabei liegen unsere Betriebe durch tarifliche Bindungen bereits über dem Mindestlohn“, gibt er zu bedenken. „Wir müssen dokumentieren, obwohl es überflüssig ist.“ Auch die Nebenbestimmungen bei einer Auftragsvergabe seien oft zu umfangreich. „Zu einem zweiseitigen Auftrag gehören schon mal 80 Seiten AGBs und ähnliches“, gibt er ein Beispiel.

Auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt sieht Sprenger eine positive Entwicklung. Die Arbeitslosenquote ist leicht auf 12,5 % gesunken (2014: 12,8 %). „Noch haben wir auch keinen übergreifenden Fachkräftemangel“, betont er. Gleichwohl gebe es aber auch schon Engpässe, zum Beispiel bei den Gerüstbauern oder im Metallgewerbe. Mit 980 Auszubildenden gab es 2015 7 % mehr als 2014. Freie Lehrstellen gebe es unter anderem in hochqualifizierten Bereichen im Sanitär- und Elektrobereich, erklärte Kreislehrlingswart Ulrich John. Um dem entgegenzuwirken, hat sich die Kreishandwerkerschaft der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung verschrieben. Ein Problem sei, dass manche Berufe bei großen Teilen der Auszubildenden unattraktiv seien. Dabei biete das Handwerk vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten. Der Meister sei schließlich nicht umsonst berufsbildungstechnisch dem Bachelor gleichgestellt.

Die Flüchtlinge sind weiterhin ein Thema, auch für die Kreishandwerkerschaft. „Wir stehen in Kontakt mit Kommunen und Gremien“, so Sprenger. Der Bildungskreis Handwerk, eine 100 %-ige Tochter der Kreishandwerkerschaft, werde im Sommer berufsspezifische Deutschkurse starten. Innerhalb von acht bis zwölf Wochen können dann je acht bis zwölf Teilnehmer in drei bis vier Kursen zeitgleich lernen. Das Ausbau-/Baugewerbe werde auch vom steigenden öffentlichen Bedarf aufgrund der Flüchtlinge profitieren.

Ein bisschen aus dem Fokus gerückt, aber immer noch aktuell, sei das Thema Schwarzarbeit, so Sprenger. Der Auftragsbestand der legalen Betriebe sei gefährdet. „Die Zusammenarbeit mit den Ordnungsbehörden sollte mehr in den Fokus rücken“, betont auch Hauptgeschäftsführer Joachim Susewind. Teilweise müsse die Kreishandwerkerschaft regelrecht Detektivarbeit leisten und etwa Betriebe überprüfen, die mit Dienstleistungen, die sie gar nicht durchführen dürften, auf ihren Autos werben. Die Kreishandwerkerschaft wünscht sich, verstärkt mit Stadt und Zoll zusammenarbeiten zu können.
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