22. August ist ein wichtiger Tag für Dortmund: 720 Jahre Braurechte

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Ratherr Detlef Münch stößt mit dem massigen 700 Jahreskrug von 1993 und dem Dortmunder Bierkutscher von 1979 im Stadtgarten auf nun 720 Jahre Dortmunder Braugeschichte an. (Foto: privat)
 
An die vergangene Größe und Pracht der Bierstadt Dortmund erinnert dieser 0,5 L Steinkrug von 1978 mit den Brauereilogos der damaligen 7 Dortmunder Großbrauereien. (Foto: privat)

Vor 720 Jahren am 22. August 1293 ist dem Rat der Stadt Dortmund vom damaligen König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Adolf von Nassau das alleinige Brauprivileg verliehen worden, das der Stadt Wohlstand und Einnahmen brachte.

Vor 720 Jahren durfte in Dortmund deshalb nur mit Genehmigung des Rates Bier gebraut werden und fremde Biere wurden in Dortmund gar nicht zugelassen. Doch heute ist von der jahrhundertlangen Dortmunder Bierkultur und Brautradition nicht mehr viel übrig geblieben.

Die Hochzeit des Dortmunder Biers

Sieben Großbrauereien beherrschten mit bis zu 8,6 Mio. Hektoliter jährlicher Bierproduktion noch in den 1970er Jahren den deutschen und auch europäischen Biermarkt und machten Dortmund zur Bierstadt Europas Nr. 1 – und nach Milwaukee in den USA sogar zur weltweiten Nr. 2. Und in den 1980/90er Jahren waren es vor allem die Dortmunder Brauereien Union, DAB und Kronen, die mit jährlich bis zu acht großen 1-Liter-Prunkkrügen aus Porzellan, Glas oder Steinzeug mit Zinndeckel den Bierkrug europaweit als attraktiven Kunstgegenstand etablierten.

Doch gravierende Managementfehler, Hektoliterwut und Übernahmewahn führten zum Zusammenbruch der Dortmunder Brauwirtschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts, so dass seit 2006 neben der Kleinbrauerei Bergmann und Hövels Hausbrauerei (heute Radeberger) nur noch eine Großbrauerei in Dortmund, die ehemalige Hansa-DAB-Brauerei an der Steigerstraße in der Nordstadt existiert, in der seit 1875 (bis 1901 als Borussia-Brauerei) Bier gebraut wird.

Heute ist sie allerdings im Besitz des Bielefelder Oetker-Konzerns keine eigenständige Dortmunder Brauerei mehr, sondern firmiert nur noch als Betriebsstätte Dortmund der Radeberger Gruppe. Immerhin werden hier noch jährlich knapp 2 Mio. Hektoliter Dortmunder Bier gebraut und auch weiterhin das seinerzeit von Kronen 1982 initiierte Dortmunder Brauereimuseum fördert.

An die vergangene großartige Dortmunder Brauereikultur erinnert nicht mehr viel, so das sehenswerte Brauereimuseum, die Bierkutscherstatue am Rathaus, der Bierbrunnen im Westfalenpark, die teilabgerissene Union-Ritter-Brauerei in Lütgendortmund, die Ruine der Kronen Brauerei Kronenburg an der B1 und die Reste der Hörder Stiftsbrauerei, die beide bald abgerissen werden sollen.

Das Buch zum Dortmunder Bier

Dortmunder Bierkrüge und Bierkultur“ nennt der Dortmunder Ratsvertreter Detlef Münch (49), der selbst aus einer nach Dortmund ausgewanderten fränkischen Brauerfamilie stammt, sein neuestes Werk. Denn die Leidenschaft für Dortmunder Bier und Bierkrüge hat Münch im Spätsommer 2011 gepackt, als er auf dem Flohmarkt im Fredenbaum einen prachtvollen Jubiläumskrug der Dortmunder Union Brauerei erstanden hat. In einem Jahr hat er dann mehr als 500 Dortmunder Bierkrüge gesammelt und darüber dann ein Buch geschrieben, das er jetzt zum 720-jährigen Jubiläum der Verleihung der Dortmunder Braurechte neu herausgibt.

Er hofft auch, dass künftig Bier gemäß dem jahrhundertealten Motto „Am Becher erkennt man den Zecher“ weniger aus Flaschen sondern wieder mehr aus dem klassischen Dortmunder Trinkgefäß für ein gutes, gepflegtes Bier, dem Krug getrunken wird, dann aber auch schön kalt, denn in Dortmund wird das Bier traditionell kälter getrunken als anderswo.

Info:
Das 148 Seiten und 350 Abbildungen umfassende, gebundene Buch mit der ISBN 978-3-935634-96-0 kann im Buchhandel oder bei Detlef Münch (www.synergenverlag.de, Tel. 0174-5826529) bestellt werden.
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