Von Flamingos, Monstern und Chamäleons

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(Foto: Thomas van de Wall)
 
(Foto: Thomas van de Wall)

Flamingos entfalten sich auf Körpern, über Rücken kriechen Chamäleons, über Arm, Bein und Bauch erstreckt sich die Sahara oder auch eine Skyline von Wahrzeichen westfälischer Städte, mit „U“ und A 40. Den Flamingo hat die Kirchhörder Bodypainterin Gesine Marwedel ins Internet gestellt - und war berühmt

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Dortmund-Kirchhörde.Gemalt hat sie immer, erzählt die Künstlerin. Design wollte sie deshalb studieren aber Hochschulen in Essen und Düsseldorf lehnten sie ab. „Gott sei Dank“, lächelt sie jetzt, denn sie wurde Sprachtherapeutin und sie begann auf Körpern zu malen. Auf Wunsch von Menschen und mit Auftrag.
Für einen Augenblick der Schönheit malt sie bis zu zehn Stunden ein Kunstwerk, der Fotograf hält das Werk für die Ewigkeit fest und das Model geht duschen. Sehr kurzlebige und leicht vergängliche Kunst. Auch für die Modelle. „Der Augenblick der Schönheit bleibt“, weiß Gesine Marwedel. Und erlebt ihn, wenn sie zur Therapie malt. Den durch Verbrennung vernarbten Körper zum Kunstwerk macht oder den verwundeten nach einer Brustoperation.
Sie hat die Narben auf der Brust der Frau mit Seerosen übermalt und erstmals nach der Operation erlebte die Patientin ihren Körper wieder schön. Auch ihr Partner. Und die Kinder konnten sie ohne Scheu berühren.
Das Gefühl bei den Menschen bleibt, weiß Gesine Marwedel. Die Erinnerung überdauert auch die Vergänglichkeit des Bildes.
Gemalt wird mit dermatologisch getesteten Farben. Anstrengend fürs Model ist die Malerei auch nicht. „Die schlafen“, lacht Gesine Marwedel.
Immer mehr Menschen wollen von der Kirchhörderin bemalt werden. Bis zu zehn Stunden und rund 250 Euro investieren sie dafür. Neben Auftragsarbeiten malt sie nach eigenen Ideen. Am liebsten auf ihren Freundinnen, und die genießen das. Motive entstehen aus der Stimmung. Manchmal abstrakte Muster. „Die sind dann aber so richtig wild und bunt“, gesteht sie. Sie können auch zart und filigran werden und bei übler Laune auch richtig gruselig. Wie ihr letztes Werk: aus zwei Menschen wachsen Monsterarme.
Ein Seepferdchen malte sie auf den Körper einer schwangeren Frau, Urlaubserinnerungen auf Wunsch auf einen anderen.

Selbst Model

Als Model hat sich die Künstlerin auch selbst zur Verfügung gestellt und Spaß gehabt. Für eine Ausstellung tanzte sie als Grill über eine Bühne und erlebte, wie sonst eher schüchterne Menschen die Zurückhaltung in neuer Rolle trotz des nackten Körpers ablegen. „Ich habe auch schon eine 150 kg-Dame bemalt“, erzählt Gesine Marwedel von der positiven Veränderung des Körpererlebens. Und auch Senioren werden gern zu kuriosen Science fiction Figuren.
Bis zum Foto lebt die Kunst, wird anschließend abgewaschen. Aber die Bilder werden ins internet gestellt, von der Szene wahrgenommen. Der Erfolg - die 26-jährige Dortmunderin wird in alle Welt eingeladen. Zur Weltmeisterschaft der Bodypainter in Österreich. Da belohnte sie der 13. Platz. Zu den Meisterschaften in den Niederlanden, da erreichte sie bereits den zweiten Platz oder nach Korea. Dahin reiste sie nach dem Südanzeiger-Gespräch, um eine Ausstellung von rund 300 Künstlern als Jurorin zu bewerten. „In Asien wächst das Interesse am Bodypainting“, erzählt Gesine Marwedel. Auch in Thailand war sie bereits als Expertin gefragt. Und einen Auftrag aus Schweden zum Thema Herz hat sie auch bereits erfolgreich bewältigt.
Aus dem Internet bezog auch die Daily Mail Informationen über die Dortmunder Künstlerin und berichtete über sie, allerdings ohne vorher mit ihr zu sprechen.
Als nächstes plant die gut gelaunte Painterin die Eröffnung ihrer eigenen Praxis für Kreativtherapie Mitte September an der Kirchhörder Straße 47. Da verbindet sie Beruf mit Kunst.
Mehr Bilder von Gesine Marwedel gibt es auch auf ihrer Homepage www.gesine-marwedel.de
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