„Das ist doch eine Sauerei“: Tiertafel Deutschland - Dortmunderin Jutta Höwing will endlich Antworten

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Inzwischen verwaist: die ehemalige Tiertafel an der Wellinghofer Straße 203. Im Schaufenster findet sich Trödel, doch die Miete wird augenscheinlich noch von der Tiertafel bezahlt. Ein langfristiger Mietvertrag bindet die Tiertafel an den Vermieter.

Zuerst war 2013 die Freude groß, als an der Wellinghofer Straße die Tiertafel Deutschland eine Zweigstelle eröffnete. Doch die Ernüchterung folgte schon bald darauf. Sang- und klanglos schloss die Futterausgabestelle bereits im Frühjahr letzten Jahres wieder. Inzwischen ermitteln auch die Behörden. Zeit für einen Rückblick.

Jutta Höwing hielt die Idee, die hinter der bundesweit agierenden Tiertafel stand, für eine gute Sache. „Eine Möglichkeit für bedürftige Menschen, ihre Tiere gut versorgen zu können - das wollte ich unterstützen und wurde 2008 Mitglied. Als dann hier in Dortmund die Zweigstelle eröffnet, habe ich mich wirklich gefreut“, erinnert sich die Hörderin.

Ermittlungen gegen die Vorsitzende


Doch schnell offenbaren sich den Dortmunder Nutzern Unregelmäßigkeiten, versprochene Patenschaften kommen nicht zustande, Rechnungen werden nicht bezahlt und im Februar diesen Jahres gibt quasi das komplette Leitungsteam der Dortmunder Tiertafel auf, gegen die Vorsitzende der Tiertafel Deutschland, Claudia Holm, ermittelt dann sogar die Staatsanwaltschaft Potsdam.

Trotzdem bleibt die Tiertafel präsent. Ein „DogWalk“ im Fredenbaum bringt im Herbst 2013 reichlich Spenden, 20.000 Euro spendet die Firma Mera Dog Tiernahrung und in der RTL-Sendung „Secret Millionaire“ wird noch Anfang diesen Jahres eine 5.000-Euro-Spende übergeben.

Trotz dieses Geldregens öffnet die Tiertafel an der Wellinghofer Straße im März das letzte Mal, für Mai wird eine Wiedereröffnung angekündigt – aus der aber nichts wird. Im Gegenteil, am Tag vor der angekündigten Wiedereröffnung werden die in Hörde gelagerten Futterspenden abgeholt. „Wohin sind die transportiert worden“, fragt sich Juttta Höwing. „und was ist mit den ganzen Geldern passiert?“.

Diese Fragen und das Gefühl, dass „da eine ganz große Sauerei läuft“, lassen Juta Höwing keine Ruhe und so beginnt sie zu recherchieren. Dabei entdeckt sie, dass die Tiertafel Deutschland nur noch per Notvorstand in Person von Christian Matiebel, einem in München tätigen Wirtschaftsjuristen, agiert – aber immer noch Spendengelder und Mitgliedsbeiträge einzieht, ohne dass die Mitglieder über die Situation aufgeklärt wurden.

Dann im Herbst letzten Jahres scheint sich aber etwas zu tun:„Für Ende September ist eine Mitgliederversammlung anberaumt worden“, so Jutta Höwing, „hier hoffte ich auf Antworten und eine endgültige Entscheidung, was mit der Tiertafel in Zukunft geschehen soll.“ Aber: Die Mitgliederversammlung sollte zur besten Oktoberfestzeit in München stattfinden, mitten in der Woche, abends. „Das sah für mich so aus, als ob Herr Matiebel nicht wollte, dass tatsächlich jemand kommt“, so Jutta Höwing.

Mitgliederversammlung ohne konkretes Ergebnis


Und tatsächlich schaffen es nur wenige Mitglieder trotz großen Interesses nach München, „um trotzdem mein Mitspracherecht ausüben zu können, habe ich einem der Teilnehmer eine Vollmacht ausgestellt – wie andere Mitglieder auch. Aber die sind nicht akzeptiert worden“, so Jutta Höwing.

Und so verstreicht die Mitgliederversammlung ohne konkretes Ergebnis. Abgesehen von der Feststellung: „Keiner der anwesenden Mitglieder möchte den Status Quo der Tiertafel Deutschland e.V. wiederherstellen, Interesse an einer Fortführung wurde nicht bekundet“, so heißt es im Versammlungsprotokoll.

Das Amtsgericht Potsdam/Abteilung für Registersachen als zuständige Behörde hat Christian Matiebel als Notvorstand inzwischen abgelehnt - obwohl dieser um Verlängerung gebeten hatte.

Als Notvorstand bestellte das Amtsgericht stattdessen Jürgen Degenkolbe und Gerd Weber, der Leiter der Düsseldorfer Ausgabestelle der Tiertafel Deutschland war.

Neuer Notvorstand will endlich Klärung bringen


Dem neuen Notvorstand kommt jetzt zu, sich einen Überblick über die verflochtenen Finanzverhältnisse des Vereins zu verschaffen. Bereits in der Mitgliederversammlung in München ist deutlich geworden, dass es auch jetzt noch laufende Ausgaben wie Handyverträge oder langfristige Mietverträge gibt. „Es ist eine Menge an Daten und Informationen, die gesichtet, ausgewertet und sortiert werden muss,“ dämpft Jürgen Degenkolbe Hoffnungen auf eine schnelle Klärung. „Außerdem blockiert der ehemalige Notvorstand, Herr Matiebel, die Übergabe der gesamten Dokumentation...“
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