Bürger empört: Kahlschlag in der Hörder Fußgängerzone

Joachim Schürmann (im Bild) kann es nicht fassen: Warum wurden die Bäume gefällt? Er fühlt sich von der Stadt schlecht informiert. Was ihn besonders schmerzt: Die Bäume an den Sitzrondells. „Die haben im Sommer immer schön Schatten gespendet. Jetzt ist alles nackt.“ (Foto: wei)
 
Mit schwerem Gerät wurden zwölf Bäume gefällt, zerkleinert und abtransportiert. (Foto: wei)
Ritsch, ratsch und die Bäume waren weg. Für mächtig Aufregung und Empörung sorgte am Mittwoch,1. Februar, eine Baumfällaktion in der Hörder Fußgängerzone. „Was ist denn hier los“, staunte Joachim Schürmann (65), als er am Vormittag den Riesenfuhrpark der Baumfällfirma und die kreisenden Sägen mitten in der Fußgängerzone in der Hermannstraße sah. Eine Frage, die sich alle Passanten stellten.

"Sind die bei der Stadt jetzt total bekloppt?"

Menschentrauben, verdutzte Gesichter, Kommentare. „Wissen Sie, warum die Bäume weg müssen?“ „Keine Ahnung.“ „Die sehen doch noch völlig gesund aus.“ „Das ist doch Baumfrevel.“ „Sind die bei der Stadt jetzt total bekloppt?“

Im Hintergrund kreischen die Motorsägen. Riesige Zangen greifen nach zerlegten Ästen. Hervorstehende Baumstümpfe werden gleich zerfräst. Nach drei Stunden zieht die Firma ab, hinterlässt ihren Arbeitsplatz besenrein. Es sieht so aus, als wäre nichts geschehen.

Gleich ein Dutzend Bäume wurden gefällt: Sechs Amberbäume in der Hermannstraße, gleich um die Ecke, in der Alfred-Trappen-Straße, vier Ahorne und eine Baumhasel, eine Mehlbeere in der Kanzlerstraße.

Stadt: "Bäume vergreist und krank"

Viel Aufregung um nichts? „Die Bäume mussten gefällt werden, weil sie zum Teil vergreist und krank waren. Durch die zu kleinen Baumscheiben waren die Baumfüße faul und morsch, nicht mehr verkehrssicher“, erklärt Stadtsprecher Thomas Kampmann auf Nachfrage des Süd-Anzeigers. Auch das Pflaster sei durch die Wurzeln angehoben worden, was für Fußgänger gefährlich gewesen sei. Ein Problem, das Sandra Rode (30), Leiterin der Stadtparfümerie Pieper in der Fußgängerzone, bestätigen kann: „Immer wieder sind hier ältere Leute gestolpert und gestürzt“, sagt sie.

Der große Wurf: Stadtumbau "Hörde Zentrum"

Für die gefällten Bäume sollen nicht nur Ersatzpflanzungen her, für die Stadt sind sie Bausteine für den ganz großen Wurf: Den Stadtumbau „Hörde Zentrum“, in den 1,65 Mio. Euro gesteckt werden. Die zentrale Fußgängerzone (Hermannstraße, Alfred-Trappen-Straße) soll zur Verbindungsachse zwischen Phoenix-West und Phoenix-See werden. Von der Bezirkvertretung abgesegnet und auch in Bürgerversammlungen vorgestellt, soll es eine neue Beleuchtung geben, neue Spielgeräte, Bänke, Fahrradständer, Absperrpfosten, Infoleitsysteme, neues Grün und auch eine behindertengerechte Gestaltung.

Kleinere Bäume als Ersatz

Geplant sind neue Bäume als Eingangs- bzw. Ausgangstor im Bereich Hermannstraße/Ecke Rathausstraße. Für die sechs gefällten Amberbäume in der Hermannstraße werden Bäume mit kleiner Krone nachgepflanzt. „Weil die Straße sehr schmal ist“, so Stadtsprecher Kampmann.

Ratsvertreter Münch: Ein "ungeheuerlicher Vorfall"

Mit völligem Unverständnis reagierte Detlef Münch, Ratsvertreter der Freien Bürger Initiative (FBI), auf die Fällaktion. „Ich bin wie viele andere Hörder Bürger entsetzt über diesen Baumvandalismus“, so Münch in einer Pressemitteilung. „Die optisch völlig gesunden Bäume steigern nicht nur die Attraktivität der Einkaufszone, sondern sind auch wichtig fürs Mikroklima, da sie im Sommer in der überhitzten Betonzone den Menschen Schatten und Kühle spenden“, so Münch, der diesen „ungeheuerlichen Vorfall“ in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses thematisieren will.
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3 Kommentare zum Beitrag
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Peter J. Weigel aus Dortmund-Süd am 03.02.2012 um 18:41 Uhr  
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Simone Tietz aus Dortmund-Süd am 27.02.2012 um 19:08 Uhr  
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