Mengeder Heimatverein fördern Vergessenes zutage

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Das Heimathaus des Heimatvereins liegt mitten im alten Ortskern, im Schatten der ev. Kirche St. Remigius. Hier könne man, so munkeln die Mitglieder wie Hans-Ulrich Peuser und Franz-Heinrich Veuhoff (v.l.), die Geschichte nicht nur hören, sondern auch sehen. (Schütze )
 
Der „Leuchtturm von Mengede“ auf dem Wohn- und Geschäftshaus zierte bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts das Haus an der Mengeder Straße/Ecke Strünkedestraße. (privat)
Emscherfluten, Märkte, Schnäpse, ein Leuchtturm, der Bahnhof oder die Zechen: Im Laufe seiner über 1000-jährigen Geschichte hat Mengede einiges erlebt. Die historische Aufarbeitung hat sich der Heimatverein seit 2002 auf die Fahnen geschrieben.


Mal eben auf einen Schwatz nach Mengede? Bis zu Beginn des 19.  Jahrhunderts konnte das ganz schön teuer werden. Vier Stadttore und ein Wassergraben umschlossen den alten Ortskern. „Wer im Mittelalter zu Besuch kam, musste bei den Torwärtern an den Brückenhebestellen Pförtnergeld bezahlen“, erzählt Franz-Heinrich Veuhoff, Mitglied des Heimatvereins.

Feuer zeigte den Heimweg

Aber auch später hatte die Emscher Mengede fest im Griff. Überflutungen der Äcker, Wiesen und Wege waren an der Tagesordnung. Im Dunkeln nach Hause finden? Noch für die Bergleute Ende des 20. Jahrhundert war das nicht leicht. „Die Familie Schröder kam deshalb 1901 auf die Idee, beim Bau ihres Hauses an der Mengeder Straße 719/Ecke Strünkedestraße einen Dachaufbau anzubringen. Der wurde dann bei Einbruch der Dunkelheit befeuert“, berichtet Franz-Heinrich Veuhoff. Als „Leuchtturm von Mengede“, der den Bergleuten den Heimweg wies, ging er in die Geschichte ein. Mit der heutigen Emscherregulierung und der Einführung von Straßenbeleuchtungen Anfang des 20. Jahrhunderts verlor der Leuchtturm seine Bedeutung. „In der Hausakte im Stadtplanungsarchiv in einer Notiz vom 7. November 1940 steht geschrieben: Der Dachreiter wurde aus ‚Verdunklungsgründen‘ abgebrochen“, so Veuhoff.

Mehr als 40 Berufe


In Stadtarchiven recherchieren, alte Dachböden durchkämmen oder einfach beim Stammtisch in Erinnerungen kramen: Für die Mitglieder des Heimatvereins gibt es viele Wege, Historisches aufzuarbeiten. „Letztes Jahr haben wir mit Menschen, die in den 40er-Jahren in Mengede groß geworden sind, versucht zu listen, welche Berufsgruppen dort Anfang 1950 vertreten waren. Mehr als 40 Berufe hätte ich erlernen können“, schildert Franz-Heinrich Veuhoff. Die Ergebnisse der Forschungen ebenso wie Aktionen, Vorträge und Führungen werden alle auf der Homepage des Vereins veröffentlicht. „Aber es gibt immer noch viele weiße Flecken, die wir erkunden können. Zum Beispiel: Wann gab es wo das erste Telefon in Mengede?“, ergänzt Veuhoff.

Noch verborgene Geheimnisse

Die ev. Kirche als ältestes Bauwerk habe sicherlich noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben, glaubt er. Zeitzeugen erinnern sich unter anderem an einen unterirdischen, inzwischen verschlossenen Gang, durch den man das Innere der Kirche verlassen konnte. „Das mit den zwei Remigius-Kirchen ist eh ein Novum“, so Franz-Heinrich Veuhoff. Bis zur Reformation sei die alte Kirche katholisch gewesen. Dann wurde sie evangelisch. Im Laufe der Zeit wechselte die Glaubensrichtung hin und her. Erst 1672 wurde entschieden: Die alte Kirche bleibt evangelisch, aber die Katholiken dürfen eine eigene Kirche bauen. Warum das 1876 erbaute Gotteshaus auf den gleichen Namen getauft wurde? Da könne man nur spekulieren, so Veuhoff.

Sein Tipp: Wer dabei eine trockene Kehle bekomme, probiere am besten die „Remigius-Tropfen“ oder die „Emscherperle“, Schnäpse aus den 50ern, die der Heimatverein wieder aufgelegt hat.

www.heimatverein-mengede.de.

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