Wilhelm-Rein-Schüler schnuppern in die Arbeitsluft hinein

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Das Schülerfirma-Projekt „Es rockt!“ der Wilhelm-Rein-Förderschule in Oestrich gefällt - nicht nur der 14-jährigen Saskia Quil. Dank der Schülerfirma, die Teil des Berufsorientierungskonzepts der Schule ist, lernen die Schüler den Berufsalltag hautnah kennen. (Schütze)
 
Drei bis vier „Arbeitstage“ braucht Gino bis der Rock fertig ist. (Schütze)
Einmal pro Woche haben einige Schüler der Wilhelm-Rein-Förderschule einen langen Tag. Nach dem Unterricht „arbeiten“ sie in der Schülerfirma „Stoffträume“. Ihr Ziel: Sie wollen berufliche Qualifikationen erlernen und so ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt erhöhen.

Mittwoch 10.40 Uhr. Der sechsstündige Arbeitstag der jungen Leute beginnt. Erst werden die zehn Nähmaschinen aufbauen. Dann kann es losgehen. Vor dem Nähen steht der Zuschnitt. Jeder Winkel des Raums ist in Beschlag genommen. Auf dem Boden schneidet und steckt der Schneidernachwuchs die Stoffe zusammen. Einige der Nähmaschinen rattern schon. Überall ein emsiges Treiben.

Hochwertige Produkte

Zwischendrin und immer ansprechbar die Initiatorin und Schulleiterin Barbara Winzer-Kluge. „Stoffträume“ ist für sie eine Herzensangelegenheit.
„Die Kinder sollen ein Gefühl für das Material und die Farben bekommen“, berichtet Barbara Winzer-Kluge. Dabei lege sie viel Wert auf die Qualität der Stoffe und die professionelle Fertigung. „Unsere Konkurrenz auf dem Billigmarkt ist groß. Deshalb stellen wir hochwertige Produkte her, die nicht auf den ersten Blick so aussehen, als seien sie selbst gemacht“, ergänzt die Schulleiterin.

Eigenes Label

Versteckte Nähte, Reißverschlüsse und tolle Schnitte: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Taschen kosten zwischen 13 und 16 Euro, Schals, Mützen, Handy-Taschen, Kulturbeutel oder Portemonnaies sind oft günstiger. Versehen mit dem eigens gestickten Stoffträume-Label ist jeder Artikel etwas Besonderes.

Saskia "rockt" die Nähte

Die 14-jährige Saskia Quil näht mit viel Enthusiasmus einen Rock. „Ich mag das total, wenn die Sachen fertig sind. Ich weiß, der Rock ist echt selbstgemacht und nicht wie alle anderen Kleidungsstücke gekauft“, betont Saskia stolz. Aktuell stellen alle Mitarbeiter der Schülerfirma „Stoffträume“ Röcke her. Mit Sternchen oder Punkten, kurz oder lang sowie in verschiedenen Größen: Bis zum Martinsbasar an der Schule am Freitag (21.11.) müssen alle Röcke fertig werden. Von 14 bis 16 Uhr preisen die Jugendlichen ihre Produkte an. Das ist der Plan des Projekts „Es Rockt!“ für das die Stiftung Profiliis 2500 Euro gespendet hat. Drei neue Profi-Nähmaschinen konnte die „Firma“ damit kaufen.

Berufliche Schlüsselqualifikationen

Gino Benesz testet die vielfältigen Funktionen und ist begeistert. Sticken von Buchstaben und hübschen Bordüren? Mit der Maschine kein Problem für den 14-Jährigen. „Am Anfang war das Nähen schwer, aber nach dem vierten oder fünften Mal hat es perfekt funktioniert“, sagt es und lässt die Hightech-Maschine schnurren. Der weiße Rock mit den rosafarbenen Punkten muss schließlich fertig werden. „Die Kinder lernen hier nicht nur nähen, sondern insbesondere berufliche Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Ausdauer, Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen“, betont Barbara Winzer-Kluge. Mit sogenannten Werkstatt-Heftern, den bebilderten Nähanleitungen, arbeiten sich die Kinder selbst in die Materie ein.

Bewerbungsverfahren

Jeder, der hier aktiv ist hat, musste ein Bewerbungsverfahren durchlaufen: Von der schriftlichen Bewerbung über ein Vorstellungsgespräch bis hin zum Arbeitsvertrag und die Verpflichtung für ein Jahr in der Firma zu arbeiten. „Dank unserer Schülerfirmen sowie den anderen Berufsorientierungsprojekten schaffen wir es jedes Jahr immer wieder, einige unserer Kinder in Ausbildung zu bringen“, ergänzt Barbara Winzer-Kluge.

Alle zusammen einen Ausflug

„Zuschneiden mag ich am liebsten“, erzählt Niklas Mutschler. Gewissenhaft steckt er an die Seitennähte des Rocks fest, bevor er sie an der Maschine näht. Am meisten freue er sich auf den Lohn für seine Arbeit. „Mit dem Geld, das wir durch die Schülerfirma verdienen, machen wir alle zusammen einen Ausflug“, berichtet der 14-Jährige. 12.45 Uhr. „Zeit für die Mittagspause“, verkündet Barbara Winzer-Kluge. Was gibt es denn? Spekulationen beginnen. Hier ist eben fast alles wie im realen Arbeitsalltag.

Weitere Informationen über die Wilhelm-Rein-Förderschule
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