400 Grasfresser sorgen für ökologisch „gemähte“ Wiesen

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Schäfer Christof May liebt seinen Beruf. Tagaus und tagein pendelt er in den Sommermonaten zwischen seinen Schafherden hin und her und schaut nach dem Rechten. (Schütze)
  Schafe lieben saftige Wiesen. Als tierische Rasenmäher sind sie deshalb ideal. 100 Schafe grasen aktuell in Deusen. Schäfer Christof May und seine Hunde passen dabei auf, dass kein Schaf aus der Herde ausbüxt.

Im Westen. Idylle pur auf der Streuobstwiese an der Deusener Straße. Schafe soweit das Auge reicht. Und die sind immer hungrig. Sind keine Grashalme mehr zu finden, heißt es für die 100 schwarzköpfigen Fleischschafe weiterziehen. Die Wiese an der Schlossstraße in Bodelschwingh lockt als nächste Fressoase.
„Die meisten Wege gehen wir zu Fuß. Dabei versuche ich mit meinen Schafen und Hütehunden die Hauptstraßen zu vermeiden. Vom Siesack in Mengede zum Beispiel nach Deusen konnten wir fast die ganze Zeit an der Emscher entlang gehen“, berichtet Schäfer Christof May.

Einen Kindheitstraum erfüllt

Der 37-Jährige kennt sich aus. Seit 20 Jahren wandert er mit seinen insgesamt 400 Schafen von Wiese zu Wiese. Jedes Jahr fast die gleiche Tour. Der Auftrag: die Flächen mit seinen Schafen ökologisch bewirtschaften. Die Liebe zu den gutmütigen Vierbeinern entdeckte der gelernte Maurer früh. Mit 15 Jahren hatte er seine ersten drei Lämmer. Der Beruf des Schäfers? Ein Kindheitstraum, den er sich erfüllt hat; anfangs noch nebenberuflich. Heute verdient er damit sein Geld.Ein geregelter Arbeitstag ist Seltenheit. Tagtäglich klappert er alle Wiesen ab, auf denen seine Herden grasen. „Ich schaue, ob die Tiere genug Wasser und Gras haben oder schneide bei Bedarf die Krallen“, erzählt der Schäfer. Gesichert wird jede Herde von einem mobilen Elektrozaun und beschützt von seinen Herdenschutzhunden.

Herdenschutzhunde wachen

„Nachdem 2009 in Bodelschwingh Schafe totgeschlagen wurden, habe ich als erster Schäfer in Nordrhein- Westfalen Herdenschutzhunde eingesetzt“, berichtet Christof May. Jeweils zu Zweit bewachen sie die Herde. Im den wärmeren Monaten sind die Schafe in Herden auf verschiedene Wiesen verteilt. Den Winter verbringen sie zusammen. „Wenn wir in das Winterquartier ziehen und hinter mir sind 400 Schafe, dann ist das ein gigantisches Gefühl“, schwärmt Christof May. Zwar sei auch ein Schäfer hier und da einmal gestresst, aber den Schafen beim Weiden zuschauen, das sei schon immer sein Ruhepol gewesen.

"Es gibt immer etwas zu tun"

Wenn er nach seiner Tour spätnachmittags nach Hause zu seinem Hof in Wickede Ruhr fährt, geht die Arbeit dort im Stall weiter. „Meine fünf Hütehunde müssen gefüttert oder kranke Schafe versorgt werden. Eigentlich gibt es immer etwas zu tun“, ergänzt May. Gelernt habe er den Schäferberuf nicht. Er habe erst eine Maurerlehre absolviert und sei als Quereinsteiger Schäfer geworden. „Mir gefällt es, mit den Tieren zu arbeiten und mein eigener Herr zu sein“, beschreibt May die Vorteile seines Berufs.

Schafen bekommen keinen Sonnenbrand

Einmal im Jahr wird die große Schere angesetzt. Im Juni war es soweit. All seine Schäfchen wurden von neuseeländischen Profis geschoren. „Jetzt haben sie aber schon wieder ein Hemd an, frieren also nicht und bekommen auch keinen Sonnenbrand“, beruhigt May. Probleme gebe es ab und zu mit tierlieben Spaziergängern, die die Schafe füttern.

Seine Schäfchen warten

Dass die Schafe dann trockenes Grün auf ihrer Weide verschmähen, ist eher noch ein kleines Übel. „Die Tiere werden unruhig, in größeren Herden drücken die Schafe von hinten nach, weil sie denken, vorne gibt es etwas Besseres und schon ist der mobile Zaun heruntergedrückt“, beklagt der Schäfer. Aber meistens gehe auf den Wiesen alles gut. Und damit es so bleibt, steigt er ins Auto und macht sich auf den Weg. Seine Schäfchen auf der nächsten Wiese warten bestimmt schon auf ihn.

Hintergrund:
- Rund 50 Extensiv- und Streuobstwiesen sowie Brachflächen gibt es im Stadtgebiet Dortmund.
- Etwa drei Viertel der stadtweit rund 100 Hektar großen Naturschutz- und ökologischen Ausgleichsflächen bewirtschaftet Schäfer Christof May mit seinen Schafen.
- Die Bewirtschaftung wurde in Dortmund 2008 eingeführt.
- Zu seiner Herde gehören schwarzköpfige Fleischschafe, Merino- Landschafe und Bentheimer Landschafe sowie Heidschnucken.
- Der Schäfer besitzt fünf Altdeutsche Hütehunde und vier Pyrenäen-Berghunde, die als Herdenschutzhunde fungieren.
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