Streit um Mengeder Volksgarten eskaliert: Mehr Parkplätze oder neue Bäume?

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Detlef Huß organisiert zusammen mit seiner Frau seit Jahren das Mittelalterlich Gaudium in Mengede. Foto: Schütze
 
Axel Kunstmann ist Vorsitzender des Heimatwald-Vereins. Foto: Schütze
Dortmund: Volksgarten Mengede |

Mehr Parkplätze für das Mittelalterlich Gaudium oder neue Bäume für den Heimatwald? Öffentlich ist der Streit um den Volksgarten in der Sitzung der Bezirksvertretung Mengede eskaliert. Mittendrin und reichlich ratlos: Die Politiker, die sich plötzlich ihrer eigenen Beschlüsse nicht mehr sicher waren.

Den Auftakt im Showdown vor versammeltem Gremium machte Detlef Huß. Er organisiert seit Jahren das Mittelalterlich Gaudium im Volksgarten – und nutzte die Einwohnerfragestunde zu einer bitteren Abrechnung: „Ehrenamtliche Arbeit wird gerade hier im Stadtbezirk Mengede sehr erschwert und oftmals mit Füßen getreten.“ Ohne ausreichende Parkmöglichkeiten seien keine Groß-Veranstaltungen mehr durchzuführen. Und die sieht Huß durch eine geplante Erweiterung und Pflanzaktion für den Mengeder Heimatwald zu stark beschnitten. Bei 27 neuen Bäumen fallen nach seiner Kalkulation bis zu 100 Parkplätze weg.

Mit Manfred Jockheck, dem Initiator des Heimatwaldes, wurden laut Huß „seinerzeit allgemeinverträgliche Absprachen getroffen, die seine sogenannten Erben in den Wind schlagen“. Damit griff er direkt den heutigen Vorsitzenden des Heimatwaldvereins, Grünen-Bezirksvertreter Axel Kunstmann an. Ihm warf Huß ein Geltungsbedürfnis vor, „um sich selbst einen Vorteil daraus zu verschaffen und anderen nützlichen Veranstaltungen für den Stadtbezirk zu schaden.“

"Mehr Parkplätze als je zuvor"

Starker Tobak, den Kunstmann nicht auf sich sitzen lassen wollte. Er attestierte Huß eine Frechheit – und fühlte durch dessen Äußerungen seinerseits die ehrenamtliche Arbeit für den Heimatwald mit Füßen getreten. Zwischen Politik, Verwaltung, Vereinen und Organisatoren gebe es klare Absprachen für Großveranstaltungen wie das Gaudium. Am Eckei und an der Schaphusstraße stünden große Flächen für temporäres Parken zur Verfügung. Wiederum am Eckei sowie an der Waltroper Straße gebe es weitere Alternativen und somit „mehr Parkplätze als je zuvor“, wie Kunstmann betonte. „Die Situation ist geklärt, ich verstehe das ganze Rumreiten nicht.“ Im übrigen müsse man sich fragen, was für den Stadtbezirk effektiver sei: „Das Gaudium dauert vier Tage, im Heimatwald herrscht Tag für Tag Leben und Bewegung.“ An einer Ausweitung herrsche reges Interesse. Innerhalb eines Tages seien die Patenschaften für die 27 neuen Bäume vergeben gewesen.

Ob die Bezirksvertretung aber überhaupt diese Ausweitung des Heimatwaldes tatsächlich schon beschlossen hat, darüber gab es in der Sitzung plötzlich großes Rätselraten. Der Bereich Stadtgrün hatte im März mündlich das Grobkonzept für den Volksgarten vorgestellt. Die Politiker beauftragten die Verwaltung, eine detaillierte Planung vorzubereiten auf dieser Grundlage – für die Grünen eindeutig inklusive einer grundsätzlichen Flächenverteilung, die „explizit auch die Fläche für den Heimatwald vorsah“, wie Isabella Knappmann bekräftigte. Vor allem die CDU bezweifelt das erheblich – „sonst müssten wir den Beschluss aufheben“, urteilte Joachim Farnung. Das wiederum veranlasste Knappmann zu deutlichen Worten: „Ich fühle mich verarscht!“

"Gehen Sie aufeinander zu"

An allen anderen Stellen im Gremium – Ratlosigkeit. Und eine gewisse Hilflosigkeit. „Es trifft mich, dass zwei Supersachen im Stadtbezirk wie der Heimatwald und das Gaudium sich nicht einig werden“, klagte Gudrun Feldmann (SPD). Ihr Appell: „Gehen Sie aufeinander zu und finden sie eine gescheite Lösung.“

Zunächst aber muss die Bezirksvertretung nun klären, was sie eigentlich beschlossen hat. Hilfestellung soll die Verwaltung geben. Sie soll jetzt ihre Interpretation liefern, ob tatsächlich schon ein Beschluss über die Erweiterung des Heimatwaldes erfolgt ist. Nur eines ist zumindest Gerhard Kuck (CDU) jetzt schon klar geworden: „Einer mündlichen Vorlage werde ich grundsätzlich nicht mehr zustimmen. Das interpretiert am Ende jeder anders.“
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