71 Porzellanobjekte von Professor Klaus Jürgen Thiemann für das Hetjens

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Dr. Wilko Beckmann und Dr. Daniela Antonin im renovierten Festsaal des Palais Nesselrode. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf / David Young

Der Düsseldorfer Sammler Prof. Dr. Klaus Jürgen Thiemann hat dem Hetjens – Deutsches Keramikmuseum seine Sammlung frühen Meissener Porzellans vermacht. Insgesamt umfasst die Sammlung 71 Porzellanobjekte. Die Ausstellung "In fürstlichen Diensten. Komödianten, Sultane und Pagoden aus Meissener Porzellan" ist ab dem 14. Oktober zu sehen. Die Objekte werden bis Sonntag, 16. Oktober, im Festsaal inszeniert, bevor sie danach in die Porzellan-Abteilung ziehen. Neben den Objekten umfasst die Schenkung auch eine großzügige Geldspende, mithilfe derer der Festsaal des Palais Nesselrode renoviert werden konnte und nun wiedereröffnet werden kann.

Prof. Thiemann war als Mitglied des Freundeskreises dem Hetjens eng verbunden und wusste mit großer Passion sowie intensiver Recherche, eine beachtliche Sammlung kostbarer Porzellane des 18. Jahrhunderts von internationaler Qualität zusammenzutragen. Die Schenkung ist eine bedeutsame Bereicherung für die Sammlung des Hetjens – Deutsches Keramikmuseum. Mit der öffentlichen Ausstellung privater Sammlungsbestände führt das Museum die Tradition seines Gründers Laurenz Heinrich Hetjens weiter fort. Die thematischen Schwerpunkte der Sammlung sind insbesondere außergewöhnliche Figurenserien, die in der hier anzutreffenden Vollständigkeit als große Raritäten anzusehen sind, Gefäßporzellane mit Dekoren des berühmten Malers Johann Gregorius Höroldt sowie mit vergoldeter Bronze gefasste Porzellane, die zum Kostbarsten gehören, was die Angewandte Kunst des 18. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Die Figuren der Commedia dell’arte gehen auf einen Auftrag aus Dresdner Hofkreisen zurück. Die Serie wurde für Johann Adolf II., Herzog von Sachsen-Weißenfels (1685–1746), einen Vetter Augusts des Starken, geschaffen. Die Faszination für das Schauspiel und prachtvolle Kostümfeste waren in der Familie des großen Kurfürsten sehr verbreitet. In Dresden traten bereits 1618 die ersten französischen Komödiantentruppen auf. Die Commedia dell’arte etablierte sich unter August dem Starken nicht allein als öffentliche Aufführung, sondern wurde zum festen Bestandteil fürstlicher Unterhaltung und höfischer Festlichkeiten.

Commedia dell’arte-Gruppe
Die Figurenfolge für den Herzog von Weißenfels ist die größte und einflussreichste Commedia dell’arte-Gruppe der Meissener Manufaktur. Für die Manufaktur boten die Figuren die Möglichkeit, in theatralisch überzeichneter Mimik ausdrucksvolle Gebärden darzustellen. Das ausgelassene Auftreten der Schauspieler und die starken Farbkontraste ihrer Kostüme boten einen Kontrast zur Strenge der höfischen Etikette. Dessen ungeachtet übernahmen die Figuren der Commedia dell’arte eine konkrete Funktion innerhalb der höfischen Festlichkeiten. Dies belegen die frühen Meissener Gruppen, die speziell als Tafelschmuck vorgesehen waren. Um 1740 kam der Brauch in Mode, den Dessertgang auf einem speziell dafür vorgesehenen Porzellanservice anzubieten und die Tafel mit thematisch korrespondierenden Porzellanfiguren zu schmücken. Die hohe Kundschaft konnten komplette Serien erwerben oder die Figuren nach eigenen Vorlieben zusammenstellen. Die Weißenfels-Gruppe gehört zu den ersten Serien, die speziell als Schmuck für den Dessert-Gang bestimmt waren. Die Figuren gehörten zu den erfolgreichsten Serien der Meissener Manufaktur und übten großen Einfluss auf andere Manufakturen aus, die die populären Figuren zahlreich kopierten. Ursprünglich umfasste die Weißenfels-Serie wohl 18 Figuren, die sämtlich in der Sammlung Prof. Dr. Klaus J. Thiemann vertreten sind.

Wiedereröffnung des Festsaals des Palais Nesselrode
Durch die zusätzliche großzügige Geldspende von Prof. Klaus J. Thiemann konnte zudem die grundlegende Renovierung des Festsaals ermöglicht werden. Die Auslegware wurde durch ein hochwertiges Eichenholzparkett ersetzt. Die Wände wurden überarbeitet und mit Stuck versehen, um den Charakter des Palais Nesselrode auch im Innenraum aufzunehmen. Zudem wurden eine neue Audioanlage, eine neue Bestuhlung sowie ein Rednerpult installiert.
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