Beate meets Wolfgang Stumph

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(Foto: ZDF/ Sandra Hoever)
 
(Foto: ZDF/ Sandra Hoever)
 
(Foto: ZDF/ Sandra Hoever)

„Stubbe-von Fall zu Fall“, eine der erfolgreichsten deutschen Serien, begibt sich nach 20 Jahren und 50 Folgen auf die Zielgerade. Ab dem 21. Dezember zeigt das ZDF noch einmal drei Folgen als Serienfinale, danach endet die Serie, weil die Hauptfigur Kommissar Wilfried Stubbe (gespielt von Wolfgang Stumph) in Rente geht.
Der Charakterschauspieler Wolfgang Stumph sprach aus diesem Anlass mit Beate Scherberich über Humor, den Schauspielerberuf, das Älterwerden und warum er findet, dass es junge Leute heute schwerer haben.

Beate: "Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser erfolgreichen Serie! Stubbe geht in Rente, aber wie geht es mit Ihnen weiter, Sie werden doch wohl hoffentlich nicht in Rente gehen?"
W. Stumph: "Nein! Stubbe geht in Ruhestand, aber Stumph bleibt im Unruhestand. Heute ab 15 Uhr habe ich noch eine Buchbesprechung und wir reden auch schon über den nächsten Film. Dieser hat natürlich nichts mit „Stubbe“ zu tun, sondern nur mit meinen Lebensansichten, einer Figur die wieder mit „St“ beginnt, „Conny Stein“ heißen wird und wieder meinen „Stumphsinn“ hat.“

Beate: "Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrer Tochter in der Stubbe-Serie, die ja auch im wahren Leben ihre Tochter ist? (Christiane Stubbe, alias Stephanie Stumph, Anmerkung der Redaktion) Was hoffen Sie, hat Ihre Tochter von Ihnen gelernt?"
W. Stumph: "Ich glaube, sie hat nicht nur von mir gelernt, sondern hat vom neunten bis zum 29. Lebensjahr gesehen, wie viele andere Kollegen arbeiten. Wir haben immerhin viele sehr gute Schauspieler für diese Serie gewinnen können. Daraus entstand auch bei ihr der Entschluss: Talent ist das eine, Glück das andere. Deswegen hat sie nach dem Abitur noch vier Jahre an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig studiert, wo sie ihr Diplom als Schauspielerin erworben hat. Sie hat gelernt, wie man sich quält, wie man sich streitet, wie man sich einmischt... und wenn ich heute sehe, wie sie sich in und für ihre Arbeit als Schauspielerin entscheidet ist ihr Weg richtig und gut."

Beate: "Ich habe ein Zitat von Ihnen gelesen: „Beim Dreh hat mich am meisten genervt, dass man zunimmt."
W. Stumph: "Das liegt am guten Catering und natürlich am Stress. Wenn dann jemand mit Obst und Süßigkeiten ankommt, dann greift man natürlich zu. Wir werden am Set verwöhnt. Filmarbeit bedeutet ja auch warten und vorbereiten. Man wartet viel. Oft sind es sieben Stunden insgesamt… und anderthalb Stunden drehen. Filmarbeit ist im Prinzip wie Büroarbeit. Wenn du jeden Tag drehst, hast du wenig Bewegung. Abends musst du dann auch noch Texte lernen. Wenn man nach Hause kommt, ist man so fertig, da geht man eben nicht immer joggen. Aber ich habe das jetzt im Griff. Ich treibe viel Sport und bremse mich beim Essen am Set . Es gibt da drei Menschen, die auf mich aufpassen: meine Frau, meine Tochter und natürlich meine eigene Vernunft."

Beate: "In der Stubbe-Serie geht es um unterschiedliche Generationen. Denken Sie als Privatmensch manchmal über ihr eigenes Älterwerden nach, vielleicht auch über das Sterben irgendwann mal?"
W. Stumph: "Das Schöne an unserem Schauspielberuf ist, dass man sich sein inneres Kind in die Tasche steckt und bis zum Schluss behält. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich habe immer den Rotzjungen in der Tasche, der ich immer war und bin. Dadurch bist du im Kopf immer jung und nie altersgerecht in Bezug auf das, was du von dir gibst, wie du dich bewegst, was du von dir forderst. Ich habe mit dem Älterwerden überhaupt kein Problem, weil ich genau das an mir selbst reflektiere und meistens auch in meinen Filmen umsetze. Ich habe lediglich ein Problem damit, wenn es Freunde hart trifft, die aus dem Leben scheiden oder ihr Leben falsch gelebt haben. Deshalb habe ich mir schon vor drei Jahren gesagt: Dieses Tempo kannst Du nicht mehr halten. Das Leben ist nicht unendlich. Alles hat eine Grenze. Deshalb habe ich gesagt, dass ich die 50. Folge „Stubbe“ sportlich erreichen will, um dann kürzer zu treten. Das Tempo, das ich hatte -also fünf Filme im Jahr mit Hauptrollen- ist nicht normal. Zudem muss man Rücksicht nehmen auf seine Familie und seine Kollegen. Deshalb habe ich für mich diese Entscheidung getroffen und mir die Frage gestellt: Wie alt bist Du? Wie hast Du Dein Leben genossen? Wie kannst du deine Enkel genießen? Welche Defizite hast Du an Theatererlebnissen und Büchern, Kunsterlebnisse und Treffen mit Freunden? Arbeitest Du das Ganze nur ab, weil es notwendig ist, oder weil Du es einfach genießen kannst? Deshalb stehe ich hinter der Entscheidung, mit Freude und Dankbarkeit, kürzer zu treten,… also nur noch zwei Filme pro Jahr und paar kleinen Rollen."

Beate: "Eine Szene in der Serie „Stubbe“ ist mir persönlich ganz besonders in Erinnerung geblieben. Nämlich die, in der Ihre Tochter Christiane sagt, sie will Journalistin werden und ihre Tante Charlotte dann meint: "Dann bewirb dich doch einfach mal bei einer Zeitung!" und Sie dann sagen: „Sie hat schon zwanzig Absagen von Zeitungen.“ Dann meint Christiane, sie will jetzt reisen und darüber in einem Blog schreiben, das sei die Zukunft und Sie fragen sie als Vater: "Kannst Du denn davon überhaupt leben?" Viele junge Menschen können Christianes Situation sicher gut nachempfinden…"
W. Stumph: "Ja, das glaube ich, deswegen haben wir es auch so umgesetzt! Weil ich den Printmarkt kenne und weiß, wie dort die Arbeitsplätze abgebaut werden. Das wollte ich mit dieser Szene eigentlich auch anklingen lassen. Wir hätten es härter machen müssen, wir waren nicht konsequent genug. Aber ein bisschen spiegelt sich schon das Leben von jungen Menschen wieder: Nichts ist fertig. Dann kommt wieder ein Zusammenbruch, dann ist wieder alles neu und auf Anfang…"

Beate: "Sie glauben also schon, dass die Generation von heute es schwieriger hat, weil es keine Beständigkeit mehr gibt?"
W. Stumph: "Ja! Ich glaube schon, dass wir in der Einstellung „Höher! Schneller! Weiter!“ leben. So gehen wir mit der Erde um, so gehen wir mit unserer Gesundheit um. Das ist schon hart. Gerade in der Schauspielbranche ist es für Ihre Generation ein schweres Brot. Es gibt immer weniger Theater, immer weniger Filme werden im Fernsehen produziert, immer mehr Daylies, immer mehr Dokus, immer mehr Kochen. Es gibt auch immer mehr Schauspieler, es gibt aber trotzdem nur einen deutschen Markt für Film und Fernsehen. Nach der Wende kamen ja die Ostschauspieler dazu… gut ausgebildete natürlich. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Quereinsteiger, z.B. die Models, die auch schauspielern wollen. Viele arbeiten ja heute gar nicht mehr in der Branche, für die sie ihre Ausbildung gemacht haben. Wenn man anstatt eine Existenz zu gründen, gezwungen ist, einen bestimmten Job zu machen, ist es schwer bei sich zu bleiben."

Beate: "Letzte Frage: Was verbinden Sie mit Hamburg?"
W. Stumph: "Die Elbe! Die Elbe als Achse zwischen Dresden und Hamburg. Wenn es eine Stadt gäbe, wo ich hinziehen würde, obwohl man mich schwer aus Dresden wegbekommen würde, dann wäre das Hamburg. Obwohl… wenn man die ganzen Drehtage bedenkt, die ich hier verbracht habe, können Sie sich ausrechnen, wie viel Lebenszeit ich bereits in Hamburg verbracht habe. Das ist immens."

Die Sendetermine der letzten drei „Stubbe-von Fall zu –Fall“ Folgen:
„Tödliche Bescherung“: Samstag, 21. Dezember 2013, 20:15 Uhr
„Der König ist tot“: Samstag, 4. Januar 2014, 20:15 Uhr
„Mordfall Maria“: Samstag, 18. Januar 2014, 20:15 Uhr
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