Bücherkompaß – Rezension zu „Aufgewachsen in Düsseldorf in den 60er und 70er Jahren“

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Ein Buch zum verschenken ist das ansehnliche kleine Werk von Thomas Bernhatd und Wolfgang Schmitz.
Ausgestattet mit vielen Fotos präsentiert uns das Buch gute visuelle Eindrücke von dieser bewegten Zeit des Wirtschaftswachstums und der sozialen Gegensätze in Düsseldorf. Auf der einen Seite feiert das Volk seine Schützenfeste und zelebriert den Karneval und auf der anderen Seite bringt der Reichtum der oberen Klasse Damen in Zobel und Nerz hervor, die auf der Kö mal gerne einem Bettler eine D-Mark zustecken.

Die Autoren beschäftigen sich mit der Düsseldorfer Mundart, die von Stadtteil zu Stadtteil sehr unterschiedlich gefärbt sein kann – je nachdem welche Bevölkerungsgruppen sich dort ansiedelten. In Gerresheim, z.B. hat die Ansiedlung von Schlesiern Mitte des 19. Jahrhunderts den Sprachgebrauch gefärbt und im linkrheinischen Heerdt zog die Gründung des Hüttenwerks Menschen aus ganz Deutschland sowie viele Belgier an. Die wiederholte Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen wiederum hinterließ in der Düsseldorf Sprachkultur Worte mit französischem Einschlag – wie die „Retematäng“, die heutige Ratinger Straße genannt wird. Entwickelt hat sich dieser Begriff aus „Rue de Martin“.

Der Besiedlung von ehemaligen Schrebergärten durch Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen, die hier neue Heimat fanden und dabei viel Kreativität beim Eigenbau ihrer Häuser an den Tag legten, findet in dem Buch ebenso Beachtung,wie die Schilderung neu geschaffener Grünanlagen und Spielplätzen in den 60er und 70er Jahren.
Es war auch die Zeit, in der Freibäder und Hallenbäder errichtet wurden, weil der Unterbacher See als Naherholungsgebiet nicht mehr ausreichte und der Fluß als familienfreundliches Naherholungsgebiet ausgedient hatte.

Anschaulich beschreiben die beiden Autoren, welche Freude sie daran hatten, wenn es hieß „Jommer in de Stadt“. Dann wurden die Auslagen der großen Kaufhäuser bestaunt und die Spielwarenläden und man wußte, das man später mal sehr viel Geld verdienen würde, um dorthin zurückzukehren, um alles zu kaufen, was das Herz begehrt.

Düsseldorfer Brauchtum, soziale Brennpunkte. Kinderspielplätze, die Fortuna Düsseldorf, die Düsseldorfer Eislaufgemeinschaft (DEG), Tanzsport, die große Düsseldorfer Kirmes, Szeneleben, Mode, Altstadt, Kunst und Kneipen – all das wird in dem kleinen Büchlein anschaulich dargestellt in Bild und Schrift. Farbig unterlegte Kästchen heben bestimmte Texte besonders hervor.

Ein kleiner Spaziergang durch eine bewegte Zeit in einer Stadt, die sich zu einer großen weltoffenen Metropole entwickelt hat vor dem Hintergrund von Arbeitervierteln, Schrebergärten, sozialen Brennpunkten auf der einen Seite und „Klein-Paris“ mit seinen Mode- und Kultur- und Bildungsangeboten auf der anderen Seite.

Ich kann dieses kleine Büchlein uneingeschränkt all jenen empfehlen, die an der Entwicklung Düsseldorfs hin zu einer Metropole interessiert sind. Ein Buch mit viel Seele und Herz, das einen Blick frei gibt „hinter die Kulissen“ und uns lehrt, das auch in Düsseldorf nur mit Wasser gekocht wird.
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