Die Nostalgie der Achtziger

Anzeige
Kommt am Montag, 9. November, nach Düsseldorf und führt hier sein dreifach-platin ausgezeichnetes Album „Breathe“ rein akustisch auf. Sänger, Musiker und Komponist Midge Ure. Foto: Sven-André Dreyer
Mit seinen Bands Visage und Ultravox hat er Musikgeschichte geschrieben und für unvergessliche Musikkracher der 1980er Jahre gesorgt. Seine Soloalben erreichten Platinstatus und sein Engagement für das Benefizkonzert Live Aid im Jahr 1985 gegen die Hungersnot in Äthiopien wurde Kult. Am 9. November führt der Komponist Midge Ure sein Album „Breathe“ rein akustisch im Savoy-Theater auf.

Midge Ure ist entspannt. Obwohl er gerade erst am Düsseldorfer Flughafen gelandet ist, gibt er einer Handvoll Journalisten gut gelaunt an der Bar des Savoy-Theaters wenig später in intimer Runde ein Interview. „Ich liebe diesen alten Kinosaal“, schwärmt der Musiker, „es ist einer der schönsten Auftrittsorte, die ich kenne.“
Nicht weit entfernt von diesem alten Kinosaal befand sich viele Jahre lang das Kling Klang Studio der Düsseldorfer Band Kraftwerk. „Ich war in den 1970er-Jahren sehr von der elektronischen Musik aus Düsseldorf beeindruckt“, erinnert sich Ure. „Hätte ich damals die Platten der Düsseldorfer Bands ‚Neu!‘, ‚La Düsseldorf‘ und ‚Kraftwerk‘ nicht gehört, hätte ich meine Stücke nie komponiert, nie meine musikalische Basis gefunden. In Großbritannien gab es zu dieser Zeit nichts Vergleichbares.“
Mit „meine Stücke“ meint er die Welthits „Vienna“ oder „Dancing with tears in my eyes“, die er für seine Band Ultravox in der Achtzigern komponiert hat, und die bis heute zu den Pop-Klassikern der Musikgeschichte zählen.
„In Düsseldorf, aber auch in Köln haben wir damals viel Zeit verbracht, als wir mit unserem Produzenten Conny Plank unterwegs waren“, sagt Ure. „Hier hingen wir mit den Jungs von La Düsseldorf! und Can herum.“ Conny Plank, und hier schließt sich bereits ein kleiner Kreis, zeichnet auch Verantwortlich für die ersten Kraftwerk-Platten.

Von Thin Lizzy bis Ulravox

Ursprünglich war Midge Ure, der zuvor eine Zeit bei Thin Lizzy Gitarre gespielt hatte, bei Ultravox als Ersatzmann für den Sänger John Foxx eingestiegen. Mit ihm zog auch die elektronische Musik in das Soundgeschehen der Band ein. Und auch der Weltruhm. Midge Ure hat kein Problem damit, Fragen nach seinen Stücken aus den Achtzigern zu beantworten. „Die achtziger Jahre waren eine Zeit, an die man sich gerne erinnert. Die erste unglückliche Liebe, die Klamotten, die Musik.“ In England erlebt diese Dekade derzeit ein Revival. Ganze Festivals werden in memoriam dieser Zeit veranstaltet.

Musikalische keltische Wurzeln freigelegt

Eines seiner letzten Stücke für Ultravox, den Song „All fall down“, komponierte der heute 61-Jährige übrigens auf einer Gitarre. Für die New-Wave-Band absolut ungewöhnlich, denn bis dahin wurden die Arrangements ausschließlich mit elektronischen Klangerzeugern ertüftelt. Die Bandgeschichte neigte sich irgendwann dem Ende. Und nach dem Ende der Band gab es für den erfolgreichen Komponisten eine bittere Erkenntnis: „Die gemeinsame Arbeit in einer Band ist wie eine Ehe“, erzählt Ure, „zerbricht die Liaison, so denkt man erst, man sei alle Probleme los. Dann wird dir jedoch klar, dass du Teil dieser Probleme warst. Und erst wenn alles durchgestanden ist, kannst du weitermachen.“
Weitermachen hieß für den gebürtigen Schotten auch, sich auf seine geografische Herkunft zu berufen. „Auch wenn wir in der Schule mit Folklore gequält wurden – ich entdeckte, dass tief in mir auch diese Musik wohnt“, sagt Ure, der bereits mit 15 die Schule verließ. Seine keltischen Wurzeln waren freigelegt, immer wieder hört man Einflüsse dieses Genre in seinen Kompositionen heraus. Befragt nach den Misserfolgen in der Branche wird Midge Ure nachdenklich: „Ich habe viele Freunde an das Musikbusiness und das turbulente Beiwerk verloren.“ Zuletzt seinen Kollegen Steve Strange, für den er den New-Wave-Hit „Fade to grey“ komponiert und intoniert hat. Strange verfiel dem Heroin, Ure selbst wurde Alkoholkrank.
Auf seiner aktuellen Tournee, mit der er am 9. November auch im Savoy-Theater Station macht, liefert er eine akustische Aufführung seines dreifach-platin ausgezeichneten Albums „Breathe“. „Wir verwenden nur hin und wieder eine elektrische Gitarre und ein, zwei Sounds kommen aus dem Synthesizer. Alles andere ist handgemacht. Folklore eben“, lächelt Ure.
Unterstützt wird der Musiker auf seiner Tour von der jungen Band India Electric Co. „Echte Könner“, freut sich Ure auf die Unterstützung. „Joseph, der Violinist, hat sogar hat einen Oxford-Abschluss im Fach Mathematik gemacht. Ich hingegen hatte nie einen richtigen Job. Ich war immer nur Musiker“, stapelt der Sänger augenzwinkernd tief.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.