Jürgen Zeltinger: Auf eine Rolle festgelegt

Anzeige
Festgelegt auf provokante Texte, harte Riffs und exzessive Konzerte: der Kölner Musiker Jürgen Zeltinger gastiert am Freitag, 28. August, im Zakk, Fichtenstraße 40. Foto: Sven-André Dreyer
Rockmusik mit kölschem Duktus hat einen Namen: Jürgen Zeltinger. Der Musiker steht wie kein Zweiter der deutschen Rockszene für provokante Texte und exzessive Konzerte. Mit dem Rhein-Bote sprach er über Rollenverhalten im Business, sanfte Kompositionen und seine Verehrung für Howard Carpendale.

Jürgen Zeltinger ist gestresst. Gerade eben kommt er von Dreharbeiten mit dem Westdeutschen Rundfunk. Zwei Tage hat ihn das Team durch seine Heimatstadt Köln begleitet, ihm über die Schulter geschaut und ihn in seinem Studio beim Komponieren portraitiert. Nun muss Zeit für eine Pause sein. In einem Schnellrestaurant nimmt sich der Musiker die Ruhe für ein Interview. Dass er dabei seine Burger mit Messer und Gabel isst, ist für den 1949 Geborenen obligatorisch.
Befragt nach dem Inhalt des Fernsehbeitrags muss Zeltinger lachen. „Es geht um Howard Carpendale“, deutet Zeltinger an. Dieser soll dokumentarisch geehrt werden und man suchte ein krasses Gegenteil des Mannes, der in Deutschland für sanfte Klänge und liebliche Texte steht: Zeltinger ist da nicht die schlechteste Wahl. Dennoch, und das wissen die Wenigsten, fällt die Wahl mit Jürgen Zeltinger gleich doppelt gut aus.
Auch Zeltinger ist ein Freund der ruhigen, sanften Klänge, komponierte schon in den 1960er-Jahren Stücke im Stil von Cat Stevens, Simon and Garfunkel und Crosby, Stills and Nash. „Das erste Mal sah ich Howard Carpendale 1967“, erzählt Zeltinger und erinnert sich an ein Konzert in einem intimen Kölner Club mit rund 20 Zuschauern. Das nächste Mal trafen sie sich 1992 in Innsbruck bei der Sendung „Wetten dass...?“ wieder. Mit ihnen saßen unter anderem Horst Tappert und Catherine Deneuve auf der Couch. Es war Thomas Gottschalk, der kurz vor dem Moderationsintermezzo durch Wolfgang Lippert durch die Sendung führte, und Howie sang „Mit viel, viel Herz“. Und auch hier verstanden sich die Beiden prächtig. Trotz größtmöglicher Unterschiede Brüder im Geiste. Und dennoch: die Lebenswege sahen für die beiden Musiker Unterschiedliches vor.

Sanfte Töne und immer wieder harte Riffs

Während der eine in der Schlagerwelt erfolgreich wurde, war der andere recht schnell festgelegt auf harten, schweißtreibenden Rock und exzessive Konzerte. „Irgendwann war ich halt der Asi mit Niveau.“ Zugegeben, ausgelassen hat Zeltinger in seiner Karriere nichts. Ohne auch nur einen einzigen Tonträger am Markt zu haben, veranstaltete er mit seiner Band Ende der siebziger Jahre zwei Konzerte im legendären Kölner „Roxy“ und „Bunker“. Nur durch Mundpropaganda waren beide Konzerte, die später mit Aufnahmen des legendären deutschen Toningenieurs Conny Plank als Platte erschienen, restlos ausverkauft. Die großen Plattenfirmen wurden auf die Band aufmerksam, Zeltinger und seiner Band gelang der Sprung auch ins überregionale Musikbusiness.
„Ziemlich schnell kam ein Manager der Plattenfirma zu mir und wollte mir die ersten 30.000 Mark überweisen“, erzählt der Musiker, „aber ich hatte damals nicht mal ein Konto.“ Zeltinger ließ sich das Geld bar auszahlen, kaufte sich davon umgehend ein exklusives Feuerzeug, eine Rolex und versackte mit einer Begleitung für zehn Tage auf Mallorca. „In Köln haben die mich alle verzweifelt gesucht, es wusste ja keiner wo ich war.“ Er tourte gemeinsam mit den „Boomtown Rats“ und stand mit Tina Turner auf der Bühne. Er frühstückte mit Barbara Valentin und Freddy Mercury. Zeltingers Alter Ego „Asi mit Niwoh“ wurde salonfähig, legte ihn jedoch auch für alle Zeiten auf ebenjene Rolle fest.

Politisches Engagement seit 25 Jahren

Fluch und Segen zugleich, denn während Zeltinger mit hartem Rock bis heute erfolgreich ist und sowohl Club-, als auch Wohnzimmerkonzerte spielt, floppte 1992 seine gemeinsam mit unter anderem BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, Big-Band-Chef Mike Härting und Eff Jott Krüger, dem legendären und 2007 verstorbenen Gitarristen der Gruppe Ideal, produzierte Soloplatte mit dem Titel „Solo Plaat“. Die fiel beim Publikum gnadenlos durch. Zu wenig hart, lautete das Urteil der Hörer. Von diesem Mißerfolg enttäuscht, ließ sich Zeltinger dennoch nicht einschüchtern und veröffentlicht weiterhin Rockplatten mit kölschem Duktus. Harte Riffs inklusive. Zuletzt erschien die Platte „Die Rückkehr des Retters“ im Jahr 2010.
Und auch sein politisches Engagement ist bis heute ungebrochen. Ebenfalls seit 1992 leiht er seine Stimme auch dem Projekt „Arsch huh, Zäng ussenander“ (Kölsch für „Arsch hoch, Zähne auseinander“), einer Kölner Kampagne gegen rechte Gewalt. Beim zwanzigjährigen Jubiläum der Kampagne zeigten unter anderem auch BAP, Bläck Fööss, Brings, Elke Heidenreich, Höhner, Frank Schätzing, Wilfried Schmickler und Ranga Yogeshwar Flagge.
Wenn Jürgen Zeltinger mit seiner Zeltinger Band am Freitag, 28. August, 20.30 Uhr im Zakk, Fichtenstraße 40, gastiert, wird „der letzte deutsche Punk- und Rock-Dinosaurier wie eh und je schwitzen“, verspricht der Veranstalter. Es wird ein Abriss des Schaffens der letzten 30 Jahre zu hören sein und auch neue Zeltinger Band-Songs werden geboten.
Von Howard Carpendale keine Spur. Das ist an diesem Abend aber vielleicht auch nicht das Schlechteste.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
14.580
Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 12.08.2015 | 09:12  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.