Karneval in Venedig: Neues Programm in Roncalli's Apollo Varieté

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Ricardo Mancini, der "Mann der 1.000" Stimmen, führt durch das Programm. Foto: Ralf Schütt

Poetisch. Verträumt. Etwas morbide. Nach der Premiere von "Karneval in Venedig" in Roncalli's Apollo Varieté suchten Besucher nach Worten, um zu beschreiben, was sie da gerade gesehen hatten. Irgendwie war es dann eine Mischung aus alledem, und vor allem eins: "schön."

An schöne Stimmen hat sich das Stammpublikum im Apollo inzwischen schon gewöhnt. Und doch war es am Premierenabend Riccardo Mancini, der mit den ersten von ihm gesungenen Tönen dafür sorgte, dass sich Tischnachbarn fast verzückt anschauten. Mancini ist, sagen wir mal, ein Mann in den besten Jahren. Wer ihn googelt, findet schnell die Bezeichnung "Der Mann mit den 1.000 Stimmen". Er kann alles singen und tut das auch - etwa "I did it my way" wie Tom Jones, Elvis Presley, Frank Sinatra, Julio Iglesias und irgendein beliebiger Hip- Hopper. Zum Medley mit "Volare", "Ciao, Ciao Bambina" und "Quando Quando Quando" steht das Publikum auf. Mehr Anerkennung gibt es für einen Künstler auf der Bühne nicht.
Riccardo Mancini singt bei "Karneval in Venedig" nicht nur. Souverän wie ein Showmaster vergangener Zeiten moderiert er die Künstler an. Diese agieren vor überdimensionalen venezianischen Masken und Figuren - und passen sich mit Kostüm oder Accessoires an das Thema an. Kristalleon alias Christoph Müller in seinem spiegelnden Harlekinkostüm spielt Glasharfe. Das, was schon kleine Kinder reizt, Gläsern mit feuchten Fingern Töne und Melodien zu entlocken, macht er in Perfektion. Glasharfe spielen nennt sich das. Yasmin Dell'Acquas Füße und Hände spielen federleicht mit venezianisch gemusterten Röhren und Bällen. Die 19-jährige Alena Ershova trägt einen Anzug mit ähnlichem Muster, lässt Hula-Hoop-Reifen kreisen, nicht um die Hüfte, sondern um die Beine und Arme. Das Ballet Venezia kommt mal wie Puppen direkt aus dem Karneval in Venedig entsprungen oder als Italienerinnen mit langen Haaren und Kleidern im Stil der 50er daher. Auch für die Auftritte von Irina Bondarenko, die als feine Fee und leuchtender Schmetterling über die Bühne schwebt, treffen die oben genannten Adjektive zu. So grazil die Damen sind, so stark die Männer. Der Strapate Mikhail Stepanov bringt mit nacktem Oberkörper einige Damen sichtlich in Wallung, auch die Ikarier Togni Brothers strotzen vor Männlichkeit. Venezianische Puppen sind bei Paladino & Lilian Programm. Sie verschwinden, erscheinen, verwandeln sich - eine kleine Show der anderen Art. Anders und Star des Abends ist mit Fabien Kachev allerdings ein Franzose, dessen Auftritt schwer in Worte zu fassen ist. Der Mime nutzt Stimme, Mimik und Gestik, um lustige, absurde und teils eben auch morbide Geschichten zu erzählen.
"Karneval in Venedig" läuft bis zum 17. April. Karten unter Tel.: 8289090.
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 28.01.2017 | 11:00  
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